Sonntag, 21. Januar 2018

Rezension: '1984' von George Orwell

George Orwell - 1984
Ausgabe von 1978
Dystopie // Ullstein
281 Seiten




George Orwells '1984' ist längst zu einer scheinbar nicht mehr erklärungsbedürftigen Metapher für totalitäre Verhältnisse geworden. Mit atemberaubender Unerbittlichkeit zeichnet der Autor das erschreckende Bild einer durch und durch totalitären Gesellschaft, die bis ins letzte Detail durchorganisierte Tyrannei einer absolute autoritären Staatsmacht. Seine düstere Vision hat einen beklemmenden Wirklichkeitsbezug, dem sich auch der Leser von heute nur schwer entziehen kann.
"Freiheit bedeutet die Freiheit, zu sagen, daß zwei und zwei vier ist.
Gilt dies, ergibt sich alles übrige von selbst."





... So war's ...

Winston Smith lebt in London, welches nun in Ozeanien liegt - überhaupt gibt es nur noch drei Staaten auf der Erde: Ozeanien, Eurasien und Ostasien - diese drei Staaten sind regelmäßig mit einander verfeindet und liegen im ständigen Krieg miteinander. Ozeanien liegt ganz in der Hand des Großen Bruders - hierbei gilt: Der Große Bruder sieht und hört alles. Denn alle Wohnung sind mit Televisoren versehen, die sich nicht abschalten lassen. Sie reagieren auf jedes Atmen und auf jede Gesichstregung. Winston arbeitet im Ministerium für Wahrheit und befindet sich somit in der Partei und gehört damit zur mittleren Klasse, es gibt auch noch den Großen Bruder, der aber nicht als einzelne Person fungiert, und die Proles. Ganz klar - Ozeanien ist ein totalitärer Überwachungsstaat und wer nicht zum System passt, wird vaporisiert. Und letztendlich durch Mitarbeiter auch aus sämtlichen Medien gelöscht.
Auf die Geschichtsbücher kann man sich schon lange verlassen und so ganz sicher, ob es wirklich gerade das Jahr 1984 ist, ist sich Winston auch nicht. Und dann hat er da noch von der Untergrundbewegung, 'Die Brüderschaft' gehört. Und wenn es auch eine Gedankenpolizei gibt, gilt für Winston immer noch: Die Gedanken sind frei.

Das Buch beginnt mit dem Blick in Winston Smiths Alltag, als Mitglied der mittleren Klasse. Gerade diesen Einblick fand ich spannend und hätte mich da auch noch ein bisschen länger mit beschäftigen können. Ich finde diesen Alltag als Start des Buches wirklich gelungen.

Ich mochte das Buch, dennoch hatte es, trotz seiner Brisanz, seine Längen - die kamen für mich vor allem zum Ende des Buches.
Das Geschehen des Buches hab ich nicht immer ganz verstanden, insbesondere am Schluss kam ich manchmal nicht mehr mit. Wer war jetzt was und man sieht, dass nichts ist, wie es scheint - vielleicht, wenn ich so darüber nachdenke, war diese Verwirrung gewollt, weil es ja auch vom Großen Bruder gewollt ist, dass Vergangenes ausgemerzt wird und das, was in den Köpfen der Menschen bleibt, als eine haltlose Erfindung des jeweiligen Menschen ist und niemals wirklich existiert hat.

George Orwell Schreibstil ist eindringlich und präzise, die Erzählweise modern, obwohl das Buch bereits 1948 verfasst wurde. Die erdachte Welt von George Orwell empfand ich als sehr atmosphärisch, man konnte richtig merken, wie jede Abweichung von der Norm, jedes kleines bisschen Individualität, ausgemerzt wurde. Es wird ein singender Vogel beschrieben und wenn auch in jener Szene alles gut zu sein scheint, fiel es mir schwer, mir diesen singenden Vogel vorzustellen, einfach weil er so surreal wirkte. Er passt nicht ins Gesamtbild und so musste sich auch Winston gefühlt haben, als er merkt: Die Gedanken sind eben doch nicht frei. 


Man mag auf jeden Fall hoffen, dass wir niemals in so eine Welt abgleiten.



Mittwoch, 17. Januar 2018

dufttrunken's currently reading // 20

Eine wöchentliche Aktion


1. Welches Buch liest du im Moment?
Ich lese im Moment '1984' von George Orwell
 
2. Um was geht es in dem Buch? 
Die Partei ist kontrolliert ganz Ozeanien, aber auch die Vergangenheit. Die Geschichtsbücher sind getürkt und das einzige, was der Mensch von vor dem großen Bruder zu verbergen mag, sind die Gedanken. Winston Smith, zunächst in der Eintönigkeit der Zeit gefangen, jedoch lassen die eigenen Gedanken nicht zur Ruhe kommen.
1984 ist ein Klassiker aus dem Jahre 1948, eine Zukunftsdystopie über einen Überwachungsstaat.

3. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
"Was ihn bei ihr verblüffte, war die Derbheit ihrer Sprache."

4. Was möchtest du zu dem Buch sagen?
Das Buch ist gut, dennoch komme ich nur langsam voran. Ich habe das Bedürfnis, die Sätze in mein Bewusstsein sickern zu lassen und öfters starre ich die Leere, um über das Geschriebene nachzudenken. Ich werde definitiv eine Rezension dazuschreiben.

 5. Was steht als nächstes an?
Das steht noch in den Sternen, aber definitiv wird es dann etwas leichtere Lektüre sein.

Dienstag, 16. Januar 2018

Rezension: 'Giftgrün' von Bettina Plecher

Bettina Plecher - Giftgrün
Kriminalroman // Rowohlt // 2013
294 Seiten // 9,99€ // Taschenbuch



Friedas erste richtige Stelle als Stationsärztin an einem Münchner Klinikum beginnt mit einem Paukenschlag: Schon am zweiten Tag ist ihr Doktorvater tot. Kolchizin-Vergiftung, stellt Friedas Mitbewohner, der Toxikologe Quast, schnell fest. Für die Klinikleitung ist der Fall damit geklärt – nicht das erste Mal, dass ein Hobbykoch beim Kräutersammeln im Englischen Garten Bärlauch mit der hochgiftigen Herbstzeitlose verwechselt hat. Doch Frieda und Quast hegen Zweifel. Und tatsächlich stellt sich heraus, dass der Tote selbst einige Leichen im Keller hatte – und dass Professor Naders Ableben mehr als einem Kollegen an der Eisbachklinik durchaus gelegen kommt ...




... So war's ...

Um ehrlich zu sein, das Cover hat mich ja ein bisschen vermuten lassen, das wäre so ein Krimi alá Kluftinger. Ist er aber gar nicht .
Im Gegenteil - er ist zwar durchaus amüsant, verkommt aber nicht zur Komik & ist nebenbei überwiegend gut durchdacht.

Spannend von der ersten bis fast zur letzten Seite empfand ich die Geschichte - die Auflösung des Falles kommt leider im Vergleich etwas lasch daher & hat mich etwas enttäuscht.
Hierbei fand ich, dass die Auflösung zu plötzlich und zu lustlos daherkam und irgendwie auch fast von allein, ohne das Zutun unserer Protagonisten, was ich irgendwie unnötig finde - das Ende wirkt einfach irgendwie dahingeschmiert und lässt bei mir noch Fragen offen.

Klasse fand ich die zwei Hauptfiguren, Quirin Quast und Frieda May, beides Ärzte in einer großen Klinik. Etwas unfreiwillig wohnen sie zusammen, arrangieren sich aber miteinander und manches Mal brizzelt es auch etwas zwischen den beiden. Hin und wieder verhalten sich die beiden kindisch & manchmal spielte mir Frau Plecher etwas zu sehr mit Klischees und Plattitüden. Kann man sich drübert aufregen, da dieses Buch aber keine hohe Literatur beansprucht, muss man sich nicht drübert aufregen.

Schön hätte ich es gefunden, wenn noch mehr der bayrische Dialekt seinen Weg ins Buch gefunden hätte. Das hätte das ganze etwas abgerundet.
Frau Plecher hat einen flüssigen Erzählstil, der einen zum Lesen antreibt, und festigte nebenbei das Bild, gerade im Krankenhaus, durch ein bisschen Fachwissen ab, ohne dabei aber zu schwadonieren. Das fand ich als sehr gelungen.

Wenn man also über die kleinen Makel hinweg sieht, hat man hier einen unterhaltsamen, leichten Krimi der Art Whodunit vorliegen & auch ich fühlte mich gut unterhalten.