Mittwoch, 1. April 2015

Ich bin dann mal weg?!

Ich muss vollkommen verrückt sein!!!

Warum?
Vorgestern war ein schwarzer Tag für mich. Mir gings einfach nicht gut- seelisch. Darf man das laut sagen? Das es einem psychisch nicht gut geht? Egal, ob man darf oder nicht. Meine Psyche wälzte Probleme, die eigentlich keine sind, hin und her und ich kam nicht zur Ruhe. Ich fühlte mich nicht in der Lage zur Arbeit zu gehen, fühlte mich schwach, ausgelaugt und einsam.
Also hab ich mich bei der Arbeit krank gemeldet, bin zum Arzt und habe mich bis nächsten Montag krank schreiben lassen. Danach bin ich zu Mama und konnte nur noch weinen. Ich hatte keine Ahnung, dass meine Arbeit mich so sehr belastet (wobei es nicht die Arbeit an sich ist, sondern der ständige Personalmangel und der gleichzeitige Leistungsdruck), dass mich das so in meiner Lebensfreude einschränkt.
Mama versuchte mich aufzubauen und versuchte mit mir herauszufinden, was ich als Alternative machen könnte, denn seien wir ehrlich: Die Altenpflege hat momentan keinen guten Stand, überall fehlen Leute und ständig werden neue Heime aufgemacht. Warum? Wo ist hier die Politik, die mal auf den Tisch haut und sich mal kümmert?
Diese Alternativensuche brachte nichts, denn ich habe zwar Talente, aber nichts außerordentlich. Nichts, womit man sich mal eben schnell einen Job zulegen kann. Ich kann tanzen, lachen, Leute nachmachen, schauspielern, basteln, schreiben, zeichnen, malen.Was kommt bei der Jobsuche heraus? Unrealistische Vorstellungen alá Sängerin und Schauspielerin. Das sollen vernünftige Jobideen sein?
Mein Frust stieg. Letztendlich fragte Mama mich, was ich am liesten tun würde in diesem Moment.
Und ich sagte: 'Am liebsten würde ich meinen Rücksack packen und den Jakobsweg laufen.'
Und dann, ich rechnete nicht damit, aber sie sagte: 'Dann mach das doch! Lass die Vernunft mal sein und nimm dir eine Auszeit!'


Hier bin ich also nun - ich werde den Jakobsweg gehen. Genauer den Camino Francés. Er wird von vielen als 'der' Jakobsweg überhaupt bezeichnet. Er ist vor allen Dinge der bekannteste Weg.
Startpunkt wird in Frankreich im Ort 'Saint Jean Pied de Pod' sein und Ziel natürlich 'Santiago de Compostela'.
Ich habe bereits konkrete Ziele aufgestellt und sogar der Rückflug ist schon gebucht.
Die Hinreise nach Saint Jean Pied de Pod gestaltet sich noch etwas schwierig, aber ich bin an dem Problem dran. Entweder Flug oder Bahn, das wird sich weisen.



Wie es mir heute geht? 
Ganz gut eigentlich. Ich werde diese Reise machen, wenn auch ein mulmiges Gefühl da ist. Ich möchte 5 Wochen unbezahlten Urlaub nehmen - wenn das nicht geht, dann muss ich eben kündigen. Dann wurde mir eben bereits eine Entscheidung abgenommen.

Was ist mir bewusst geworden?
Man lebt nur einmal. Man ist nur einmal jung. Träume muss man sich erfüllen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wann gehe ich? 
Ziemlich konkret vom 18.5. bis 24.6. werde ich in Frankreich und anschließend Spanien unterwegs sein.

Worüber ich mir klar werden möchte bei der Wanderung?
Zum einen über die Arbeit, möchte ich bei meiner Anstellung bleiben? Möchte ich in diesem Beruf bleiben? Wenn Nein, was wäre eine Alternative?
Zum anderen muss ich aber auch für mich konkret klar werden, was ich will. Wie mein Leben verlaufen soll. Muss mich von den Spielchen gewisser Menschen losreißen. Muss mir über mich selbst klar werden. 

Warum ausgerechnet der Jakobsweg?
Nun - warum denn nicht? Seit ich das Buch von Hape Kerkeling gelesen habe, war mir klar, dass man nicht irgendwo laufen kann. Man braucht einen Weg, eine Richtung, ein Ziel. Und man braucht Gleichgesinnte. Ich brauche die Möglichkeit, Abstand zu gewinnen, Meilen zwischen mein Leben und mein Sein bringen, raus aus Deutschland, raus aus der Komfortzone. Ich möchte mich auf mich beschränken. Wer braucht schon Luxus?

Ich bin sehr gespannt. Und wenngleich ich auch Angst habe, freue ich mich unheimlich. Ich werde dann für 5,5 Wochen völlig frei sein. 

Seit ihr schon mal gepilgert? Oder seit ihr schon mal den Jakobsweg gelaufen? 

 

PS: Nein, das ist kein April-Scherz. Ich meine das tatsächlich ernst. 

1 Kommentar:

  1. Liebe Linda, gerade lese ich deine Zeilen und kenne mich wieder in manchen Phasen meines Lebens. Gut dass du dich traust, ich wollte mich auch gerne freilaufen, bei mir ging das Gesundheitlich leider nicht.Toll, mach diese Erfahrung, genieße es und Lebe! Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft, tolle Erfahrungenund Erkenntnisse und ich habe das Buch von Hape kerkeling damals in einem Rutsch durchgelesen ☺Alles gute, alex

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