Donnerstag, 5. November 2015

Lese-Empfehlung: 'Die amerikanische Nacht' von Marisha Pessl

Marisha Pessl - Die amerikanische Nacht
Roman // S.Fischer-Verlag
787 Seiten // 22,99 €




Ashley ist tot – gerade mal vierundzwanzig - eine Leiche in einer verlassenen Lagerhalle Manhattans. Ein Unfall? Oder Selbstmord? Und was hat Cordova – der übermächtige Vater und besessene Filmemacher mit ihrem Tod zu tun? Der Schlüssel zum Geheimnis liegt in seinen magischen Filmen, die nach und nach zu einer Wirklichkeit werden, aus der es kein Entkommen gibt.
Ein Meisterwerk – souverän, tödlich, perfekt.












 ... Es war gut, weil ...

Wow! Ich meine - WOW!
War ich schon von Pessl erstem Buch angetan, bin ich hier begeistert. Es ist durchweg spannend geschrieben. Wo das erste Buch noch ein wenig hinkte, überzeugt das Buch hier durchaus.
Viele erwarteten nach dem ersten, überwiegend gut aufgenommen Buch, ja doch einiges vom Nachfolger, zumal Pessl auch einige Zeit benötigte, um dieses Buch zu schreiben. 7 Jahre. 7 Jahre, die sich meiner Meinung nach vollauf gelohnt haben.

Die Story ist an sich ist schon spannend, toll ist auch, was Pessl daraus gemacht hat. Geschickt verwebt sie verschieden Spuren und Handlungstränge miteinander, erzählte Geschichten von den Protagonisten, macht sie lebendig. Manchmal sehr authentisch, manchmal etwas abstrus -so liest man sich durch und kann dieses Machwerk gar nicht aus der Hand lesen. Es ist fesselnd, der Erzählsog nimmt einen von der ersten Seite an in seinen Bann. Pessl geht sehr geschickt mit Worten um und weiß es, die Spannung aufrecht zu erhalten.Die Geschichte baut sich ein wenig wie einen Thriller auf, auch wenn von Anfang an klar ist, dass das tote Mädchen Selbstmord begannen hat. Die Protagonisten treffen zufällig aufeinander und ergänzen sich gut.

Hier hat auch das Thema Film einen großen Punkt, durch den Vater des toten Mädchens, ein Regisseur, den seit Jahren niemanden mehr gesehen hat, wo viele Leser wohl einen Bezug zu bestimmten Regisseuren und Filmen herstellen - ich kann das nicht, dafür bin ich zu wenig Film-Fan. Dennoch konnte ich die beschriebenen Stimmung der fiktiven Filme gut nachfühlen. Die Zusammenhänge waren mir schlüssig.

Ein toller Bonus fand ich auch die Bilder zu der Geschichte - nicht, dass ich sonst sowas für nötig halte, aber manches erschien so klarer und Pessl hat sich somit manch lange Erklärerei gespart. Die Bilder in Form von Zeitungsauschnitten oder Webseiten lockern das 800 Seiten starke Buch auf.
Ein bisschen schade fand ich, dass manche Dinge ein wenig unlogisch bzw. wenig durchdacht waren. Das hätte besser sein können, bringt die Story aber nicht durcheinander.

Gegen Ende wurds mir ein bisschen zu lang. Ich habe ewig gelesen, zum einen weil ich nicht wollte, dass es aufhört und zum anderen, weil ich manches verdauen musste. Gegen Schluss hab ich auch mal ein paar Seiten überblättert, dass hat dem Verständnis aber keinen Abbruch getan. Hier hätte die Autorin etwas weniger den Kaugummi machen können. Das war schade und hat den Gesamteindruck etwas nach unten korrigiert.

Und dann kam der Punkt. Ich musste das Buch weglegen. So gut es bis dahin war, war ich plötzlich gelangweilt. Lags an meiner Stimmung, lags am Buch? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall lag das Buch etwa hundert Jahre (nur einige Monate) außer Reichweite, zwischendrin hab ich viele andere Bücher gelesen. Dann plötzlich überkams mich und ich hab fertig gelesen und war vom Schluss dann doch etwas perplex. Ein äußerst ungewöhnliches Ende, was mich aber bei dem ungewöhnlichen Buch dann doch wieder nicht überrascht hat.


Doch trotz der Kritik am Schluss: Ich bin absolut begeistert von diesem Buch! Wer sich von ihrem ersten Buch hat abschrecken lassen, sollte diesem hier definitiv noch ein zweite Chance geben.

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