Dienstag, 26. April 2016

Lese-Empfehlung: 'Geisterfjord' von Yrsa Sigurðardóttir

Yrsa Sigurðardóttir
- Geisterfjord
Thriller // Fischer
358 Seiten // 8,99€


"Hallo?" Freyr beugte sich über den Schreibtisch und schaute durch den Türspalt. Im Flur blinkte nur die defekte Deckenlampe. "Hallo?" Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, als eine vertraute Stimme eine Antwort flüsterte. Eine Stimme, die stets Lebendigkeit, Sanftheit und Fröhlichkeit ausgestrahlt hatte, aber jetzt kalt und tot klang. Eine Stimme, die so nah wirkte ud gleichzeitig so unendlich weit entfernt: "Papa."

Ein menschenleeres Dorf im Nordwesten von Island: Drei junge Leute werden in einem maroden Sommerhaus von seltsamen Geräuschen und Erscheinungen in Angst und Schrecken versetzt. Und viele Kilometer entfernt, in Isafjördur, gibt der Selbstmord einer alten Frau den Behörden Rätsel auf. Was haben die unerklärlichen Phänomene miteinander zu tun - und wie gefährlich ist es, ihnen auf den Grund zu gehen?






... Es war toll, weil ...
Das Buch besteht im wesentlichen aus zwei Handlungssträngen, einer davon behandelt die Geschichte um das Ehepaar mit verwitweter Freundin, die mit Boot zu einer im Winter verlassenen Insel übersetzen um ein dort gekauftes Haus zu einer Pension umzubauen. Dieser Handlungsstrang wird aus der Sicht Katrins erzählt.
Der andere Handlungsstrang dreht sich um den Arzt und Psychiater Freyr, der zunächst zu einer Randaleaktion in einem Kindergarten gerufen wird und immernoch mit dem Tod seines einzigen Sohnes zu kämpfen hat, auch wenn er glaubt, dass er ihn überwunden hat. Dieser Handlungsstrang wird von Freyr geschildert.

Beide Handlungsstränge beginnen langsam, aber düster und man ahnt von Anfang an, dass es nur ungut ausgehen kann. Frau Sigurðardóttir erzählt nämlich in einer düsteren und melancholischen Sprache. In einer unheimlichen Sprache, die mir, die ich das Buch spätabends alleine las, doch einige Schauer über den Rücken jagte. Und waren hier von ungewöhnlichen Schatten die Rede, hab ich auch die Schatten gesehen. Und froren die Protagonisten, fror ich auch.  Das will schon was heißen, wenn man es schafft, mir Angst einzujagen.

Frau Sigurðardóttir spielt gerne mit dem Mystischen und scheut sich nicht, ungeklärte Phänomene in ihr Buch einzubauen. So hört Freyr also die Stimme seines toten Sohnes und die 3 Menschen auf der einsamen Insel werden von einer unheimlichen Gestalt in dem maroden Haus besucht. Vielleicht suggeriert das einem der Verstand oder vielleicht ist da doch mehr, als jeder von uns ahnt. Auf jeden Fall verständlich, dass bei den Protagonisten die Nerven blank liegen.

Anfangs zieht sich die Geschichte ein wenig und doch glaube ich, dass auch das Teil der Spannung ist, denn man ahnt ja, dass irgendetwas passiert und man bekommt mit, wie blindäugig manche versuchen, die unguten Geräusche und Geschehnisse zu verdrängen und abzutun.

Während andere Leser den Mysteryanteil in der Geschichte bemängeln, ist es meiner Meinung nach genau der Part, der die Geschichte zu etwas Gutem und Spannendem macht. Die Verwischung der Grenzen zwischen der Realität und der Vorstellungskraft. Nicht alle Fragen werden am Ende gelöst und das völlig gut so.


Mein Fazit sieht auf jeden Fall so aus, dass Frau Sigurðardóttir definitiv zu überraschen weiß. So sehr ich ihre Reihe um Dora-Gudmundsdottir schätze, sind es auch diese Ausbrüche, die ich genieße und brauche. Frau Sigurðardóttir ist eine große Schriftstellerin und beweist dies einmal mehr mit diesem Buch.

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