Dienstag, 3. Mai 2016

Lese-Empfehlung: 'Die Wolke' von Gudrun Pausewang

Gudrun Pausewang - Die Wolke
Jugendroman // Ravensburger
223 Seiten // 5,00€




Eine todbringende Wolke über Deutschland
Was niemand wahrhaben wollte, passiert:
Deutschland erlebt einen Super-GAU. 
Die 14-jährige Janna-Berta verliert ihre Familie und landet selbst im Lazarett.





... Es war toll, weil ...

 ES ist passiert - das was niemand glaubte, geschieht auch in Deutschland. Ein Reaktorunfall in Grafenrheinfeld löst einen Super-GAU aus und die Welt steht kopf. Eine Wolke voll mit giftigem Regen droht über Schlitz und Umgebung niederzuprasseln. Janna-Berta und ihr kleiner Bruder Uli sind in mitten dieser Geschichte, ohne Eltern und müssen fliehen. Erstes Ziel ist Bad Hersfeld und dessen Bahnhof, um mit dem Zug nach Hamburg zur Tante zu kommen. Doch unterwegs stirbt Uli, rücksichtslos zu Tode gefahren, und Janna-Berta wird von verschiedenen Menschen aufgegriffen, ehe sie alleine zusammenbricht und im Lazarett landet.
Doch Janna-Bertas Geschichte ist noch nicht zu Ende.

Normalerweise kann ich mit klassischen Kinder -und Jugendromanen eher nichts anfangen, zumindest mit denen nicht, die auch im Unterricht gelesen werden. 'Als Hitler das rosa Kaninchen stahl' war so ein Fall. Doch 'Die Wolke', die hätte ich unglaublich gern im Unterricht gelesen.
Denn  das Buch hat mich gefesselt, ich habe mit Janna-Berta mitgefühlt und ich fühlte mich dort reinversetzt.
Das Buch ist nicht herausragend künstlerisch - es gibt bessere Autoren, die auch bessere Endzeit-Romane geschrieben haben. Das ist Fakt. Aber das macht den Roman nicht schlechter, als er ist. Er ist solide und gut aufgebaut, die Sprache ist einfach und vermittelt ein Bild.
Viele Leser bemängelten die mangelnde Randinformationen, zum Beispiel die Frage 'Warum ist der Super-GAU passiert?' und auch die Aufklärung an und für sich, was Atomkraft ist, fehlte, aber auch die zum Teil eindimensionale Charakterbeschreibung war bei anderen ein großer Minuspunkt. Doch so platt find ich die Charaktere gar nicht. Ich meine, man kann die Beziehung zwischen Helga (Tante aus Hamburg) und Janna-Berta nicht so ganz verstehen, aber das liegt wohl auch einfach an den Vorurteilen, dass einem von den Eltern manchmal mitgegeben wird. Andererseits kann ich Janna-Berta auch verstehen, dass es nicht einfach ist mit jemandem zusammen zu leben, der nicht weiß, was man erlebt hat und einen zu zwingen versucht, das Geschehene zu vergessen, obwohl man noch nicht bereit dafür ist. Und dann war da Elmar, der mir persönlich ein wenig suspekt erschien.
Andere wiederum befanden das Werk als zu hetzerisch - sicher wurde Stimmungsmache gegen Kernkraftwerke und Atomstrom gemacht. Und obwohl es zur Geschichte passte, hätte ich auch den Aspekt interessant gefunden, wenn man überhaupt keine Ahnung von Kernkraftwerk etc. gehabt hätte (wobei Janna-Berta, obwohl Tochter von Gegner, auch nicht so viel Ahnung hatte). Doch auch hier muss ich sagen, dieser 'Ich hab es doch gesagt (dass alles besser ist, wenn es keine Kernkraftwerke gibt)!'-Moment blieb glücklicherweise aus.
Pausewang polarisiert mit diesem Werk, das war wohl schon immer so.
Alles in allem fand ich die Geschichte gut und sie geisterte mir tagelang danach noch im Kopf rum. Vor allem die Frage ' Was würde ich an Janna-Bertas Stelle tun?' regte mich immer wieder zum Nachdenken an.

Bestimmt gibt es geeignetere Literatur zur Aufklärung und zur Vermittlung, wie es sich anfühlen könnte, ein Denkanstoß gibt 'Die Wolke' aber dennoch und ich fühlte mich (darf man so sagen?) durchaus gut unterhalten! 


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