Dienstag, 12. Juli 2016

Lese-Empfehlung: 'Der Zementgarten' von Ian McEwan

Ian McEwan - Der Zementgarten
Roman // Diogenes
206 Seiten // 12,80 €



Ein Kindertraum wird Wirklichkeit: Papa ist tot, Mama stirbt und wird, damit keiner etwas merkt, einzementiert, und die vier Kinder - zwei Mädchen und zwei Jungen zwischen 6 und 16 - haben das Haus in den großen Ferien für sich. Im Laufe des drückend heißen, unwirklichen Sommers kapselt sich die Gemeinschaft der Kinder mehr und mehr gegen die Außenwelt ab, und keiner merkt, daß was faul ist.


... Es war gut, weil ...

Dieses Buch ist nichts für zarte Gemüter - denn die Geschichte die sich darin verbirgt erscheint auf den ersten Blick abartig.
Zuerst stirbt der Vater, der es liebt seinen Garten zu pflegen und nebenbei einzuzementieren, dann stirbt die Mutter, die in einen Stahlschrank einzementiert wird (wohlgemerkt, von den Kindern...), um zusammenbleiben zu können und dann läuft bei den Kids alles, aber auch wirklich alles aus dem Ruder.
Ich will nicht zuviel vom Inhalt verraten, obwohl es eigentlich dem Lesegenuß kein Abbruch tut. Denn zuerst stieß ich auf eine Inhaltsangabe des Buches, welche sich mir einbrannte und dann sah ich den Film. Als ich dann über das Buch stolperte, waren meine Erwartungen sehr hoch. Und was soll ich sagen, das Buch hat es trotzdem geschafft mich zu fesseln.

Ich bin ein Fan von absurden Verbindungen und ich liebe irre Geschichten, die aber dabei authentisch bleiben. Aber so grotesk das Buch daher kommt, mit all seinen Vorfällen und Verbindungen, könnte ich mir eben dennoch vorstellen, dass es genauso passiert ist. Denn die Kinder sind zum Teil im Teenageralter, zum Teil jünger - sie wollen nicht getrennt werden von der Jugendfürsorge, die sie aufgrund der Tatsache das sie jetzt Waisen sind, wahrscheinlich getrennt in Waisenhäuser stecken würde. Und so verheimlichen sie den Tod der Mutter.
Not macht erfinderisch und die Kinder fallen dadurch immer tiefer in einen Strudel voller Sorgen, Trauer, sexuellen Erfahrungen und dem Kampf mit der Pubertät. Denn obwohl losgelöst von den elterlichen Fesseln, sind sie dennoch gefangen.

Ian McEwans Erzählstil ist klar und deutlich, ohne großes Tamtam, dabei verliert er aber nicht die Leichtigkeit und seine Sprache ist dennoch nicht eintönig. Sie ist erzählerisch und fesselt einen. Er erzählt aus Jacks Sicht, einem 15-Jährigen, der mitten in der Pubertät steckt. Er schafft es, die Gedanken eines 15-Jährigen einzufangen und dennoch ein wenig über den Tellerrand hinauszuschauen.

Und so real alles klingt, das Buch ist nur eine Geschichte.
Eine Geschichte, die mir noch wochenlang nachgegangen ist.

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