Freitag, 21. Oktober 2016

Rezension: 'Federgrab' von Samuel Bjork

Samuel Bjork - Federgrab
Thriller // Goldmann
478 Seiten // 12,99€
*Dieses Buch wurde mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Goldmann - Danke!



Man findet das Mädchen tot im Wald, gebettet auf die Federn einer Eule - dem Vogel des Todes

Aus einem Jugendheim bei Oslo verschwindet ein siebzehnjähriges Mädchen. Einige Zeit später wird sie tot im Wald gefunden - gebettet auf Federn, von Lichtern umkränzt und mit einer weißen Blume zwischen den Lippen. Die Ermittlungen des Teams um Kommissar Holger Munch und seine Kollegin Mia Krüger drehen sich im Kreis, bis sie von einem mysteriösen Hacker kontaktiert werden. Er zeigt ihnen ein verstörendes Video, das neue Details über das Schicksal des Mädchens enthüllt. Und am Rande der Aufnahme ist der Mörder zu sehen, verkleidet als Eule...







... So war's...

Lieber Leser!
Ich habe die Befürchtung, dass das hier ein kleiner Verriss werden könnte. Nicht weil das Buch an und für sich so schlecht war - dass war es nämlich nicht, es war spannend und durchaus unterhaltsam. Nein, es wird deswegen eine herbe Beurteilung geben, weil viel falsch gemacht wurde.
Ich versuche ohne Spoiler zu arbeiten, einen wird es aber definitiv geben.


Mit gemischten Gefühlen hab ich auf diesen Band gewartet. Mit gemischten Gefühlen deswegen, weil meist der erste Band hervorragend ist und der zweite Band schwächelt. Ich muss gleich sagen, dass mein Gefühl mich nicht getrogen hat.

Vielleicht ist es besser, wenn ich meine Beurteilung aufteile. Nämlich einmal in die Sprache und einmal in den Inhalt.

Sprachlich war, meiner Meinung nach, der Herr Bjork hier voll on top! Wirklich stark hat er einige Szenerien geschildert, gerade die kurzen Einblendungen am Anfang und auch gegen Ende waren wirklich gut geschrieben, mit Gänsehautfaktor und allem. Sehr ansprechend erzählt.
Auch während der Geschichte selbst fühlte ich mich durch seine Sprache gefesselt und hab mich auch damit wohl gefühlt, weil eigentlich jedes Wort am rechten Fleck zu sitzen schien.

Bei ein paar Dialogen allerdings hat er unglaublich gepatzt - ich meine, es gibt ja durchaus Menschen, mit denen man aneinander vorbei reden kann. Und vielleicht lag da das Problem an Mia Krüger. Weil diese Dialoge immer mit ihr stattfanden. Die Gesprächsperson war verwirrt, Mia war verwirrt und ich auch. Sätze wurden wiederholt, es wurde wirklich hanebüch aneinander vorbei palavert - also, echt... und dieses ständige 'Verstehn Sie? Versteht ihr? Verstehst du? Ich weiß nicht, versteht ihr?' war wohl der Hit - kein anderer Beisatz kam so oft vor, wie dieser.

Bis auf ein paar kleinere Patzer war Bjork sprachlich also super!

Kommen wir zum Inhalt.
Ja - und da gehts los. Der Anfang fing spannend an, mit zwei verschiedenen Szeneneinwürfen von früher, die gleich eindrucksvoll beweisen, dass Bjork eine große Geschichte erzählen will.

Es geht auch recht spannend weiter - doch dann kommt der erste Punkt, der mir gallig aufstieß - zunächst nicht so, im Verlauf des Buches aber immer mehr. Und Achtung - hier wird gespoilert: Mia Krüger denkt immer noch über Selbstmord nach, versucht es sogar. Nicht dass ich das als Unding abtun will - Suizid und Suizidversuche sind eine ernste Sache und ich will das keineswegs unter den Tisch fallen lassen, aber ach man - irgendwann im Laufe des Buchs denkt man: Dann mach halt.
Da war auch einfach der fade Beigeschmack von Wiederholung dabei. 



Wenn das Buch auch logisch erzählt wurde und ich sogar der Meinung bin, dass dieses Buch mindestens, wenn nicht noch mehr fesselnder war wie der erste Band, geht es trotzdem weiter mit den Schwächen:
Manchmal hatte ich den Eindruck, dass der Fall eher an den Rand verschwindet, auch während darüber geredet wurde oder einer Spur nachgegangen wurde. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll - der Fall war präsent und wieder nicht.

Am meisten ist mir aber erst nach dem Lesen aufgefallen, was eigentlich nicht passte.
Gerade die vielen angefangenen Fäden, die nicht fertig erzählt wurden oder ohne eine weitere Erklärung im Nichts verschwinden, machen mir zu schaffen. Da sind so viele unbeantwortete Fragen bei, über den Fall, über die Ermittler, von anderen tragenden Personen etc.
Auch der Fall selber, ist am Ende irgendwie total platt und eindimensional. Man erfährt kaum etwas über die Hintergründe, das Ende kam so abrupt und in der verschwommenen Sicht von der benebelten Mia Krüger, so dass man auch gar nicht richtig kapierte, was da eigentlich passiert war.

Es wurde außerdem ein paar Fäden angefangen, um den Leser zu verwirren, leider hat man die einfach fallen lassen und nie mehr angesprochen. Finde ich blöd.
Da hat Bjork meiner Meinung nach geschludert und unsauber gearbeitet. Man muss ja nicht für jedes Fitzelchen eine Auflösung haben, aber... da war ja gar nichts. Also, dass war im ersten Band definitiv besser ausgearbeitet und vor allen Dingen besser erklärt. 
In der Hinsicht schwächelt das Buch ganz schön.
Einen Spoiler muss ich leider noch sagen: Nervig fand ich außerdem, dass 'schon wieder' Munchs Familie in den Fall reingezogen wurde - beim dritten Buch kommt dann die Exfrau dran, oder?

So - das wars. Das Buch war einerseits spannend geschrieben und ich hatte es auch rasch ausgelesen. Wenn man aber mal ein bisschen drüber nachdenkt, merkt man, dass da ganz schön geschludert wurde. Schade. Das geht wirklich besser!


Kommentare:

  1. Hallo!
    Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und da ich das Buch ebenfalls hier liegen habe, war ich natürlich schon auf deine Meinung gespannt. Mal sehen, wie es mir gefallen wird!
    Liebe Grüße
    Martina
    http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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    1. Huhu!
      Ja, ich bin gespannt, wie dus findest - ich war irgendwie enttäuscht. Denn obwohl es spannend war, wars halt... unausgegoren.

      Liebe Grüße,
      Linda

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