Dienstag, 15. November 2016

Rezension: 'Anders' von Anita Terpstra

Anita Terpstra - Anders

Thriller // blanvalet
383 Seiten // 9,99€
* Das Buch wurde mir freundlicherweise von blanvalet zur Verfügung gestellt!


Ein elfjähriger Junge, der spurlos verschwindet. Eine Familie, die daran zu zerbrechen droht. Eine Wahrheit, so dunkel wie die schwärzeste Nacht.

Alma Meester, ihr Mann Linc und die beiden Kinder Iris und Sander sind eine ganz normale, glückliche Familie. Bis zu dem Tag, als der elfjährige Sander zusammen mit einem Freund während eines Ferienlagers spurlos verschwindet. Der andere Junge wird kurz darauf tot aufgefunden, doch Sander bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Sechs Jahre später meldet sich ein junger Mann bei einer deutschen Polizeistation. Er sei der verschwundene Sander Meester. Die Familie ist überglücklich, doch nach und nach kommen der Mutter Zweifel. Ist der Junge wirklich ihr Sohn? Und was ist damals in der verhängnisvollen Nacht tatsächlich passiert?





... So war's ...

Dieses Buch war, ich gestehe es, ein wenig Hals über Kopf, angefragt. Doch der Klappentext hatte mich schon so in den Fängen, dass ich wusste, das es gut werden wird.
Die Geschichte fängt gleich spannend an, denn ein Junge ist vermisst, während sein bester Freund erschlagen aufgefunden wurde. Die Mutter sucht ihn in den Wäldern und findet ihn nicht.
Dann gibt es einen Sprung - 6 Jahre später. Der vermisste Junge, Sander, ist plötzlich wieder da. Während sich die Mutter freut und sich zunächst sicher ist, dass das ihr Sohn ist, sind die Schwester und der Vater skeptisch und verhalten sich recht distanziert.

Von Anfang an verwendet Frau Terpstra eine fesselnde Sprache und spinnt eine spannende Atmosphäre. Sie kommt ohne großes Blutvergießen aus und basiert ihre Spannung eher psychologisch auf Angst und angedeuteten Geheimnissen und Ahnungen. Man weiß nicht, was geschehen ist und auch mit dem wieder gefundenen Sander scheint nicht alles in Ordnung zu sein - andererseits verwundert das nicht, denn 6 Jahre bei einem pädophilen Mann in einem einsamen Wald festgehalten, ohne die Chance einer Flucht verändert einen. Und doch erscheint er dafür als nicht verändert, ja, traumatisiert genug. Auch überhaupt scheint jeder etwas zu wissen und doch nicht genug. Ob wirklich alles so einfach ist?
Gut nachgezeichnet sind hier auch die familiären Strukturen, die realistisch (wenn auch persönlich nicht nachvollziehbar) erscheinen und verleihen der ganzen Geschichte etwas mehr Tiefe. Es ist klar, dass hier nichts ist, wie es zunächst zu sein scheint.

Man ahnt relativ schnell, dass da etwas ganz und gar nicht koscher ist. Und wenn man nach und nach die Puzzleteile zusammensetzt, die einem angeboten werden, und man auch vielleicht gegen Ende hin ahnt, was genau passiert ist, verflüchtigt sich die Spannung dennoch nicht.
Und nach dem Auslesen bleibt man zurück, noch total geflasht von der Stimmung und Erzählung. Man denkt darüber nach, wie die Menschen sind und was sie zu solchem Handeln treibt. Und man denkt vielleicht auch darüber nach, dass es ganz gut ist, wie es geschehen ist.
Vor allem die letzten beiden Sätze sind mir in Erinnerung geblieben. 

Frau Terpstra ist, meiner Meinung, nach ein ganz außergewöhnlicher Thriller gelungen, der auf seine Art unterhaltsam und fesselnd war und einem trotzdem deutlich macht, dass nicht alles Gold ist, was glänzt; der einen außerdem zum Nachdenken anregt.
Ich freue mich darauf gestoßen zu sein und werde die Autorin auf jeden Fall im Blickwinkel behalten.


Kommentare:

  1. Woah, auch wenn solche Geschichten, in denen Kindern verschwinden oder ihnen etwas angetan wird, nicht ganz so meins sind, hört sich dieses Buch doch sehr spannend an... Schade, dass ich jetzt nicht gleich in die Bibliothek laufen kann, um es mir auszuleihen...

    So long,
    Corinna

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    1. Ich glaube, das Buch könnte dir gefallen. Es wird eigentlich nie so detailliert beschrieben, was passiert ist. Es geht (bis auf das Ende) realtiv unblutig zu. Und hier ist auch der Punkt, der dir gefallen könnte - was es vielleicht gut so oder nicht? Es ist alles ganz anders, als es scheint. Und da sind die Eltern, die vor zu vielem die Augen verschließen, bis es zu spät ist.

      Liebe Grüße,
      Linda

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  2. Auf dieses Buch bin ich neulich gestoßen und fand den Klappentext so ansprechend, dass ichs direkt auf meine Amazon Wishlist gepackt habe. :) Auch deine Rezension dazu hört sich sehr positiv an, so dass ich es mir wahrscheinlich zu Weihnachten kaufen werde.

    Liebe Grüße ♥

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    1. Huhu!
      Freut mich, wenn ich dir das Buch näher bringen konnte und ich hoffe, es gefällt dir auch so gut, wie es mir gefallen hat. Ich empfand es als eher nicht-typischen Thriller.
      Liebe Grüße,
      Linda

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