Dienstag, 11. April 2017

Rezension: 'Die Liebe zum Regen' von Claire Hoffmann

Claire Hoffmann - Die Liebe zum Regen
Roman// Diana
300 Seiten // 14,99€
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Diana Verlag zur Verfügung gestellt!



Es ist nie zu spät, sich selbst um das Glück zu kümmern
In Veras wohlgeordnetes Leben bricht aus heiterem Himmel das Chaos ein. Hals über Kopf flüchtet sie nach England - als Au-pair. Ziemlich gewagt mit 57 Jahren. Doch auch in London ist die Welt nicht heil. Drei eigensinnige Mädchen machen es ihr alles andere als leicht, der Vater glänzt durch Abwesenheit, und sie spürt, dass die Familie ein Geheimnis hat. Als Vera beschließt dahinterzukommen, muss sie erkennen, dass sich auch ihre eigenen Wahrheiten nicht ewig vertagen lassen.







... So war's ...

 Was ist, wenn du mit Ende 50 feststellst, dass das Leben einige Überraschungen bereit hält? Und was ist, wenn diese Überraschung keiner guten Natur sind?
Vera ist 57, seit Jahren verheiratet und in ihrem Leben nicht ganz glücklich, aber sie kommt zurecht. Bis dann sich dann rausstellt, dass ihr Mann, der ein Anwalt ist, Scheiße gebaut hat. Und sie irgendwie gesundheitlich angeschlagen ist.
Schließlich überwindet sich Vera spontan dazu, an einem Granny-Aupair-Programm teilzunehmen. Klar, dass auch hier nicht alles so glatt läuft, wie sich Vera das wünscht.

Vorneweg - ich bin zwiegespalten. Und zwar sehr.

Denn: Einerseits finde ich den Schreibstil genial und möchte ihn in den Himmel loben, andererseits sitzt mir die Geschichte ein bisschen auf.
Der Schreibstil ist humorvoll, aber driftet hierbei nicht ins völlig Abstrakte ab, Frau Hoffmann hat eine Liebe zum Detail, die ich sehr mag, weil sie kleine Details einfließen lässt, die nicht unbedingt für den Verlauf der Geschichte notwendig sind, aber die die Geschichte doch sehr charmant machen und den Personen etwas Tiefe geben.
Frau Hoffmann hat auch eine tolle Art, Charaktere zu zeichnen. Das hat mir sogar fast am meisten imponiert - denn auch wenn man über manche mehr und über andere weniger erfährt, es erschien mir keiner der Charaktere platt und ohne Hintergrund.
Und wie sie schreibt, so locker leicht und vermischt Englisch mit Deutschem, was der ganze Geschichte eine amüsante Note gibt, das hat mir sehr gut gefallen. 

Aber - und das ist leider kein kleines Aber - es hat mich an der Geschichte einiges gestört.
Zum Einen ist da die Entwicklung von Vera, die verläuft so toll und sie scheint sich endlich mal zu emanzipizieren und selbstbewusst werden. Und am Schluss merkt man davon nur noch bedingt was. Für mich kam die Message so rüber: Zwei Schritte vor und zwei Schritte zurück. Jetzt hat sie zwar was Tolles erlebt, aber weitergekommen ist sie eigentlich nicht.
Vielleicht interpretiere ich das falsch, ich weiß nicht. Fande ich aber sehr schade und hat den Gesamteindruck deutlich geschmälert.

Dann hat mich außerdem die Geheimniskrämerei um die Mutter drei Kinder gestört. Warum kann man einfach klipp und klar sagen, was los ist? Oder wenigstens nach einer Weile, aber nein, erst fast zum Schluss wird klar, was mit ihr ist. Das kam sehr unauthentisch rüber, auch, dass bei der Au-Pair-Agentur nichts darüber bekannt ist, finde ich seltsam.

Und dann ist da der Punkt mit Percival - der war ja sowas von unnötig. Also, nicht Percival an sich, sondern was sich schließlich, als es verspricht, richtig spannend zu werden, abspielt. Die Szene war so... boah, ne. Ich will nicht zuviel verraten, aber das fand ich einfach blöd.

Also, ich bin sehr zwiegespalten - denn einerseits gab es einiges was mir gefällt, aber noch mehr,  was mir missfällt.
Wie reiht man ein Buch da ein?
Ich vermute, ich werde Claire Hoffmann trotzdem eine zweite Chance geben.Weil ihr Schreibstil mir schon sehr zugesagt hat.
Ansonsten ist dieses Buch mit seinen Unstimmigkeiten eher ein Flop. Schade!


Kommentare:

  1. Na ja... aus eigener, auch nicht gerade kurzer Lebenserfahrung kann ich sagen: "zwei Schritte vor, zwei Schritte zurück" hört sich für mich nach dem echten Leben an, sehr authentisch, ;-). Mich nerven Happy Ends. Da freut man sich beim Lesen mal kurz und hat dann doch nichts mitgenommen.

    So long,
    Corinna

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    1. Huhu Corinna,
      ja - da geb ich dir wohl recht. Aber flieht man nicht gerade auch ein bisschen in die Welt der Phantasie, weil da eben auch mal was gut geht und das 'Leben' fair läuft?
      Also, ich schon.
      Vielleicht hätte ich es auch so formulieren sollen: Man hat bis fast zum Schluss den Eindruck, dass sich Vera nicht mehr so leicht aus der Bahn werfen lässt und sich weiterentwickelt hat und trotzdem nimmt sie daraus nur sehr wenig mit.


      Liebe Grüße,
      Linda

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    2. Ja, schon... Aber auch das wird (mir) langsam alt, besonders weil man meiner Meinung nach aus solchen Büchern nichts mitnimmt, was einem im eigenen Leben vielleicht mal ein bisschen auf die Sprünge hilft... Oder einem Gedankenfutter gibt. (Aber, wie gesagt, das ist natürlich nur meine Meinung).

      Ich habe mir gestern mal ein Sample des Buches als E-Book heruntergeladen, muss aber sagen, dass mir der Stil nicht sonderlich gelegen hat, auch wenn er tatsächlich sehr pfiffig ist. Außerdem habe ich gleich in den ersten zwei Kapiteln zwei Unstimmigkeiten entdeckt, so etwas stört mich immer ein bisschen.

      Ich wünsche Dir einen schönen Tag und trotz oder gerade wegen der Tiefschläge in Deinem Umfeld ein gesegnetes Osterfest!

      Liebe Grüße,
      Corinna

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    3. Huhu Corinna,
      da ist es ja gut, dass die Leser unterschiedliche Meinungen haben. Ich lese sehr gerne zur Ablenkung und zur Abwechslung (meiner sonst eher brutalen Literatur) sehr gerne solche eher 'seichte' Literatur.

      Ich sagte ja - der Schreibstil sagt mir sehr zu, allerdings lässt sich das nicht wirklich auf die Geschichte erweitern.

      Danke dir.

      Liebe Grüße,
      Linda

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