Dienstag, 2. Mai 2017

Rezension: 'Hochland' von Bragi Steinar

Bragi Steinar - Hochland
 Thriller // DVA
302 Seiten // 14,99 €

 

 

Sie hatten das Gefühl, dass jemand draußen auf sie wartete, in der Dunkelheit ihre Namen flüsterte ...

Eigentlich wollten sie nur der Hektik des Großstadtlebens entfliehen und ein paar Tage in der Einsamkeit des kargen isländischen Hochlands campen. Doch als die vier jungen Leute im dichten Nebel vom Weg abkommen und mit ihrem Jeep ein entlegenes Haus rammen, sind sie gezwungen, die Nacht dort zu verbringen. Die Bewohner, ein verschrobenes altes Paar, verhalten sich seltsam, und schon bald erkennen die Städter mit Grauen, dass ihr vermeintlicher Zufluchtsort zum Gefängnis wird...


... So war's...

 Ich bin im Buchladen eher zufällig über Hochland gestolpert. Es hat mich allerdings vom Klappentext gleich so gefesselt, weil der Klappentext schon so herrlich mystisch klang. Und wenn man an die anderen isländischen Krimis denkt, die ich schon gelesen und genossen hatte. Und das tolle Cover. Ein Träumchen.
Es fing ja dann auch wirklich spannend an, zwei Paare fahren miteinander auf eine Bergtour, drei sind betrunken und der vierte, der fahrer, verliert im Nebel die Orientierung und setzt das Auto gegen ein Haus.
Das Auto ist hin, ein Telefon gibt es nicht - man sitzt hier also erst einmal fest. Und wäre es nicht schon seltsam genug, dass dieses Haus in der absoluten Einöde bewohnt ist und die Bewohner sich auch äußerst seltsam verhalten, passieren auch noch seltsame Dinge.

Doch dann, als die mysteriösen Dinge anfangen, wird man unterbrochen - von einer ellenlangen Erzählung (Gelaber im Prinzip schon, weils keinen interessiert), wer wer ist, was er denkt und fühlt, die Kindheit wird ausführlichst erwähnt, der Werdegang, wie man sich kennengelernt hat (und dies zum Teil sehr, sehr ausführlich) und blah und blubb. Am Anfang wars ja noch interessiert, aber diese Kapitel werden mit dem jeweiligen Namen überschrieben, über welchen Protagonist es gerade geht und man ahnt schon, dass es mehrere davon gibt, weil es ja immerhin 4 Hauptprotagonisten gibt. Manchmal fühlten sich diese Kapitel an, als würde der DJ man am höchsten Punkt der Stimmung einfach die Musik abdrehen - das unterbricht so dermaßen, dass man es noch nicht mal mehr als gelungenen Cliffhanger bezeichnen kann.

Dann passieren immer seltsamere Dinge, auf die die Freunde unterschiedlich reagieren. Und die vier Freunde verhalten sich dann, in meinen Augen, auch immer unrealistischer... klar, jeder geht anders mit so einer Situation um, aber trotzdem.  Manches passt einfach nicht zusammen. Überhaupt auch die Charaktere der Protagonisten fand ich so... unglaublich lahm und lächerlich. So kindisch kann man das im Grunde nur nennen.

Und wenn man dann all das hintersich hat und denkt, jau - das Ende macht das bestimmt wieder wett, dann, ja, dann hat man sich mal so richtig saumäßig geschnitten. Das Ende hat das Buch noch schlimmer gemacht, wirklich. Ich wusste nicht, dass Enden ein Buch so dermaßen versemmeln können, dass eigentlich eh schon versemmelt ist, aber - Gratulation, Herr Steinar, Sie habens geschafft!

Kurzum: Der Autor fängt großartig an und es hätte so gut werden können. Denn Herr Steinar hat es eigentlich drauf, hier und da eine mystische Atmosphäre aufkommen zu lassen und Spannung zu erzeugen. Aber diese endlosen Kapitel über Vergangenheit und Gefühle etc. haben meiner Meinung nach nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun und statt das es als nette Zusatzinfo gilt (oder manches erklären würde), machen sie Kaugummi aus der Geschichte und walzen die (eh schon geringe) Spannung platt. Und dann dieses unsinnige, blöde (entschuldige die deutlichen Worte) Ende... schade, dass war leider nix!

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