Charlie Lovett - Der Buchliebhaber
Roman // Goldmann
10,00€ // 512 Seiten
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Goldmann zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!
Für Arthur Prescott gibt es keinen schöneren Ort als die Bibliothek der kathedrale von Barchester. Hier kann er nicht nur in Ruhe lesen, er forscht auch seit Jahren nach einer verschollenen mittelalterlichen Handschrift: dem sagenumwobenen 'Buch der Ewolda'. Doch dann stört ein Eindringling Arthurs Ruhe: Die junge Amerikanerin Bethany ist nach Barchester gekommen, um die Bestände der Bibliothek zu digitalisieren. Ein Sakrileg in den Augen des bibliophilen Arthur. Doch Bethany erobert nicht nur Arthurs Herz, sie hilft ihm auch, das Rätsel des verschwundenen Manuskripts zu lösen...
... So war's ...
Arthur Prescott ist mal so ein richtiger Spießer, wie er im Buche steht. Als britischer Dozent für englischer Literatur ist sein höchstes Gut in seinem Leben die alten Manuskripten, die in der Bibliothek der Kathedrale von Barchester ruhen. Diese sind aus vergangenen Jahrhunderten und Arthur liebt es darin zu schwelgen und zu lesen. Und außerdem darin nach Hinweise vom Heiligen Gral zu suchen. Denn, dass hat ihm schon sein Großvater erzählt, der Heilige Gral muss in Barchester sein. Die Suche treibt er jedoch eher gemächlich voran und wenn nicht betont werden würde, dass Arthur um die 40 Jahre alt ist, würde ich denken, da sitzt ein 70-jähriger Professor, der ein spinnertes Hobbie hat.
Und dann kommt Bethany - eine Computer-Expertin aus Amerika, die Arthurs geliebte Manuskriptsammlung digitalisieren will und dies auch noch für eine gute Idee hält. Bethany - ich meine, allein schon dieser Name - kann quatschen wie ein Wasserfall, weiß alles besser und macht sich überall lieb Kind, besonders auch bei Arthurs Freunden. UND... das stößt Arthur am meisten auf - auch sie ist auf der Suche nach Fakten für den Heiligen Gral. Und sie geht dabei viel effektiver und mit eindeutig mehr Tatendrang vor, wie Arthur. Arthur ist hin und her gerissen, einerseits ist sie nett und schaut gut aus, aber andererseits muss sie doch des Teufels Werk sein, wenn sie Computer und das Internet gut findet und es den physischen Büchern vorzieht, und vor allem, wenn sie außerdem nach dem Heiligen Gral sucht.
Was man Lovett lassen muss - er schafft es, dass man sich seinen Charakteren einfühlt - besonders mit Arthur fühlte ich mich verbunden (auch wenn ich nicht so kauzig bin und seine Abgeneigtheit gegenüber dem Technischen & dem Internet nur bedingt verstehen kann). Arthur Prescott mag ich wahnsinnig gern - denn ich hab ein Herz für Spießer. Arthur ist so sehr Buchliebhaber, dass man als Leser (und gewissermaßen selbst Buchliebhaber) nicht umhin kommt, diesen Mann zu mögen und sich gewissermaßen ein wenig nach seinem geruhsamen Leben zu sehnen, wenn ich auch ein wenig aktuellere Lektüre bevorzuge.
Als Bethany auftritt und von Digitalisierung redet und das für eine gute Sache hält, bin ich Arthur zunächst so sehr verbunden, dass ich genauso entrüstet war wie er.
Gut, Bethany ist zunächst auch etwas nervig dargestellt, dies bessert sich aber und man muss zugeben, dass Bethany ganz vernünftige Argumente hat und auch recht clever ist.
Aber auch die Nebencharaktere wirken nicht blass, sondern bekommen eine angenehme Tiefe.
Lovett steigert seine Charaktere merklich - man bekommt die Entwicklung mit und das finde ich gut.
Gelungen fand ich auch die Erzählungen rund um die Hüter, die in verschiedenen Jahren/ Jahrhunderten angesiedelt sind. Diese sind ein angenehmer Bruch aus der Gegenwart und ich finde, dass Lovett hier den richtigen Ton getroffen hat.
Die Hauptgeschichte, nämlich die Suche nach dem Heiligen Gral, beziehungsweise die Suche nach dem Buch der heiligen Ewolda bringt die nötige Spannung rein, denn es macht richtig Spaß mitzuknobeln und mitzufiebern, was nun passiert.
Nach dem Lesen musste ich das Buch etwas sacken lassen. Aber nun bin ich mir sicher:
Ich fühlte mich wahnsinnig gut unterhalten, konnte die Szenerien vor mir sehen und eiferte mit den beiden mit. Das Buch ist eine Liebeserklärung an das Lesen und an das geschriebene Wort (und auch an die Liebe und ja - vielleicht auch an den Heiligen Gral), allein dafür bekommt der Autor schon einen dicken Pluspunkt.
Ob man nun an den Heiligen Gral glaubt, oder nicht - und ob man nun an Ritter Artus glaubt oder eben nicht - ganz egal, denn die Geschichte ist eine wahre Wucht!

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