Ule Hansen - Blutbuche
Thriller // Heyne< // Mai 2018
479 Seiten // 17,00€ // Taschenbuch
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Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von
Heyne< zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!
"Bitte helft mir! Er sagt, er reißt mich in Stücke." Das und noch
Schlimmeres steht in den drei Briefen, die der
polnischen Polizei zugespielt werden. Sie sind auf Deutsch
verfasst, und der Fall landet auf dem Tisch von Emma Carow, die ein Gutachten erstellen soll. Wird hier jemand unter grausamsten Bedingungen gefangen gehalten, oder sind diese Briefe nur ein übler Scherz?
Bei dem Versuch, das Rätsel zu lösen, wird Emma nicht nur mit den abgekarteten Spielchen ihrer Vorgesetzten sondern auch mit ihren eigenen Dämonen konfrontiert.
Dann wird eine Leiche gefunden...
... So war's ...
Emma Carow ist bei der Operativen Fallanalyse angestellt und tituliert sich Fallanalystin - was heißt, dass sie für Gutachten und Analysen zuständig ist, aber selbst nicht vor Ort (Tatorten wohlgemerkt) tätig wird.
Ihr wird nun die Aufgabe übertragen, die drei eingetroffenen Briefe zu analysieren. In den Briefen stehen Dinge wie 'du kleiner Wixer Kackratte' oder 'Bittebitte helft mir - er hat mir den Kessel gezeigt.' oder Wauwau igittigitt wauwau', diese Briefe wurden vom Täter aufgegeben und es gilt nun herauszufinden, ob diese Briefe echt sind oder nur ein böser Scherz.
Eigentlich sollte Emma dazu 'nur' ein Gutachten erstellen, beginnt aber schließlich selbst zu ermitteln und sich einzumischen. Schließlich taucht die erste Leiche auf.
Emma hat nebenbei noch mit ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen. Sie wurde vor 10 Jahren vergewaltigt und gleich zu Beginn des Buches stellt sie sich ihrem Vergewaltiger in einer TV-Show und stellt ihn bloss. Ob das eine gute Idee war?
Unterstützung bekommt sie von ihren Kollegen, insbesondere von Felix.
Emma Carow ist eher so der Typ 'Kaputter Ermittler', normalerweise werde ich mit denen ja nicht so warm, weil mich das selbstzerstörerische und mir zum Teil unmenschlich erscheinende daran einfach nervt. Emma mochte ich trotzdem irgendwie.
Trotz das sie gewissermaßen sehr selbstzerstörerisch handelte, wirkte sie dabei menschlich.
Die anderen Charaktere kratzen zwar nur an der Oberfläche, aber tief genug, um dabei nicht durcheinander zu kommen & genug von ihrer Art zu zeigen.
Der Fall an und für sich war spannend, wirkte aber manchmals etwas konstruiert und zusammen geschustert. Manchmal hatte ich das Gefühl, es wurde versucht, diese Unebenheiten mit Grausamkeit wieder wett zu machen. Das hat für mich nicht so gut funktioniert. Nur weil etwas besonders brutal ist, heißt das nicht, dass es deswegen besser ist.
Aber - das Buch ist definitiv spannend, anfangs war ich etwas skeptisch - eben weil Emma so kaputt daher kam und das Buch gleich mit etwas sehr Persönlichem von ihr losging. Da hatte ich kurz Angst, dass es mehr um das Innenleben unserer Emma geht, als um den Fall - es geht zwar auch öfters um Emma, aber weniger als gedacht.
Doch man kommt in einen Erzählsog und man will wirklich wissen, wie es weiter geht und wer der Täter ist - wobei ich hier ehrlich gesagt, schon recht früh auf den Trichter kam, wer es sein könnte.
Auch die äußeren Umständen fand ich interessant und emfpinde sie auch, als nicht Betroffener, nachvollziehbar niedergeschrieben.
Ule Hansen ist ein Autorenduo, was ich während dem Lesen nicht wusste, aber doch manchmal merkte. Hin und wieder handelte Emma etwas widersprüchlich oder gab sich im nächsten Kapitel plötzlich etwas anders - dies tritt aber kaum ins Gewicht und störte mich nicht sonderlich.
Bei 'Blutbuche' handelt es sich um Band 2 der Reihe um Emma Carow.
Vielleicht sollte man auch zuerst Band 1 lesen, manches Mal wird auf den vorherigen Band zurückgegriffen ohne genauer zu erklären, so dass ich nicht alles lückenlos verstanden habe.
Für den Fall an und für sich ist das aber nicht notwendig.
Kurzum: 'Blutbuche' ist ein sehr spannender Krimi - zwar mit leichten Schwächen, dennoch schafft er es mich auf Linie zu halten und hat mich trotz seiner Brutalität sehr unterhalten. Ule Hansen werde ich definitiv im Blick behalten.