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Sonntag, 12. August 2018

Kurzrezension: 'Monsieur Blake und der Zauber der Liebe' von Gilles Legardinier

Gilles Legardinier - Monsieur Blake und der Zauber der Liebe
Roman // Goldmann // 2014
410 Seiten // 8,99€ // Taschenbuch




Andrew Blake, erfolgreicher Geschäftsmann aus London, hat den Tod seiner geliebten Frau diane nicht überwunden. Er braucht dringend eine Veränderung. Und so lässt er sein altes Leben hinter sich und nimmt in einem Herrenhaus in Frankreich inkognito eine Stelle als Butler an. Dort arbeiten mit ihm: die feldwebelhafte Köchin Odile, der exzentrische Gärtner Phillipe und das junge Hausmädchen Manon. Bald schon bringt Andrew die entfremdeten Bewohner des Hauses durch seine weise, humorvolle Art einander näher. Und wer weiß, vielleicht erlebt auch er selbst noch einmal den Zauber der Liebe?






... So war's ...

Schön war's.

Andrew Blake, alternder Geschäftsmann, der aber irgendwie die Nase voll von Geschäften hat, braucht eine Auszeit. Die nimmt er sich nicht, wie man annehmen würde an einem Ort, an dem er von vorne bis hinten bedient wird, sondern an einem Ort, an dem er bedienen wird.
Er lernt dort die resolute, aber durchaus warmherzige Köchin und Haushälterin Odile kennen, außerdem den Gärtner Phillipe mit seinem Hund Youpla und das Zimmermädchen Manon, die in Schwierigkeiten gerät. Und natürlich die Dame des Hauses, allgemein nur Madame genannt, die selten aus ihren Zimmer kommt, aber jeden Morgen mit Andrew voller Ernst sämtliche Post, die eigentlich fast nur aus Werbung besteht, zu sortieren.


Primär ist das Buch für mich ein richtiges Wohlfühlbuch - es ist ein Liebesroman, die Liebe hat einen großen Stellenwert, aber eben nicht nur, es geht um Freundschaft, das Verzeihen können und das Zulassen können. Es geht um das einander helfen - und das man nicht immer geben muss, um etwas zu bekommen.
Das Buch versprüht gekonnt französischen Flair, gemischt mit englischer Sturheit.
Ich mag insbesondere die Figuren, die unterschiedlich sind und doch all miteinander an das Gute glauben.
Andrew wiederspiegelt den typisch britischen Humor, den ich so schätze & der erstaunlicherweise überraschend gut mit dem französischen Humor, hier insbesondere durch Phillipe, harmoniert.
Odile ist ein überraschender Sidekick. Aber auch die anderen Charaktere kommen interessant daher.
Ich mag, wie die Bewohner des Anwesens sich dort miteinander eingerichtet haben und würde direkt einziehen, wenn ich könnte.
Gilles Legardinier hat hier den richtigen Ton getroffen und mich immer wieder lachen und auch in Gedanken versinken lassen.
Vielen Dank dafür.

Donnerstag, 12. Juli 2018

Rezension: 'Beim Morden bitte langsam vorgehen' von Sara Paborn

Sara Paborn - Beim Morden bitte langsam vorgehen
Roman // DVA // 2018
265 Seiten // 18,oo€ // Hardcover
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von DVA zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür.



"Die Ehe ist ein Krieg. Ist es da nicht logisch, dass sie auch so endet wie alle Kriege? Einer stirbt!"

Die Leute leben einfach zu lange. Und die wenigsten haben das verdient. Horst jedenfalls nicht. Nach 39 Ehejahren voller Sticheleien hat Irene endgültig genug von ihrem Mann. Als sie eines Tages in einer alten Schachtel Vorhang-Bleibänder findet, kommt ihr die beste Idee ihres Lebens ...










... So war's ...


Als 'Schwarzhumorig & intelligent ' wurde das Buch auf dem Klappentext beschrieben und das kann ich so absolut unterschreiben.
Geschrieben wird das Buch aus Sicht der Irene, die seit Jahren ihren Mann Horst und vor allem seine Sticheleien ertragen muss, nicht nur, dass er ihr nicht genug Platz zur Entfaltung lässt, nein, er merkt einfach nicht, dass er nur an sich denkt. Irene hingegen denkt gar nicht an sich, sondern an die Kinder und den Haushalt.

Irene findet schließlich im Keller, wohin sie von Horst mitsamt ihren geliebten Büchern verbannt wird, weil Horst im Dachgeschoss, wo die Bücher zuvor untergebracht waren, sich einen super modernen Musikraum einrichtet, eine Schachtel mit Bleibändern - ihr kommt dabei eine Idee. Und endlich mal ist Irene eine Frau, die keine halben Sachen macht.

Es wird die Geschichte einer Ehe erzählt, die sich in diesem Falle im Laufe der Jahre als eine Art Trugbild herausstellt. Der schöne Schein verfliegt recht bald und die rosarote Brille, die schon so manche in eine voreilig geschlossene Ehe getrieben hat, ist schon recht bald nicht mehr rosarot, sondern zeigt unnachgiebig jeden Fehlere und Unebenheit des anderen.
Und schließlich wird auch die Geschichte einer Frau erzählt, die sich für all die verschenkten Jahre rächt. Die Geschichte ist auf ihre Art bitterbös und ich gestehe es - ich fühlte mich manches Mal an die Ehe meiner Eltern erinnert. Mein Vater, im Alter so ichbezogen geworden, und meine Mutter, die das (noch?) so hinnimmt.
Irene ist ein Typ Charakter, den ich einerseits sympathisch finde und aber doch nicht recht greifen kann. Und auch Horst ist so ein Typ Mann, den ich nicht haben wollen würde und von dem ich mich gewiss nicht so behandeln lassen würde, den ich jetzt aber auch nicht absolut unleid bin.
Und ich glaube, das macht auch ein bisschen den Charme des Buches aus - niemand ist perfekt und niemand ist grundsätzlich schlecht in diesem Buch.
Denn wenn auch die beiden Charaktere zunächst unterschiedlich sind, unterscheiden sie sich in ihrem Bestreben eigentlich nicht.
 
Sara Paborn hat hier die richtige Sprache und die richtige Länge getroffen - ihr Stil lässt sich flüssig lesen und passt sehr gut zum Geschehen. Sie dosiert den schwarzen Humor im richtigen Maße. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und habe dieses Buch auch gleich mal meiner Mama ausgeliehen. Ich weiß ja jetzt, worauf ich die nächsten Wochen beim Papa achten muss, damit ich noch rechtzeitig vor dessen Ableben eingreifen kann (ja, das war ein Witz!).
Mit 'Beim Morden bitte langsam vorgehen' ist Sara Paborn ein Highlight gelungen. 
 

Mittwoch, 13. Juni 2018

Rezension: 'Die Buchhandlung der Träume' von Cristina di Canio

Cristina di Canio - Die Buchhandlung der Träume
Roman // Goldmann // Mai 2018
208 Seiten // 15,00 € // Klappbroschur
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Goldmann zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!



Mit ihrer kleinen Buchhandlung am Stadtrand von Mailand hat sich Nina einen Traum erfüllt. Und seit sie eine besondere Idee hatte, ist ihr Laden zu einem beliebten Treffpunkt geworden: Jeder Kunde kann ein Buch, das für ihn eine große Bedeutung hat, dem zufällig nächsten Kunden schenken.
Auch wenn das Buchgeschenk anonym ist, entstehen auf diese Weise Freundschaften, ja sogar Liebespaare finden sich. Nur Nina selbst ist einsam, wenn sie abends die Türen ihrer Buchhandlung abschließt.
Bis eines Tages ein junger Musiker in einer Matrosenjacke in ihren Laden kommt und Nina eine Kiste voller antiquarischer Bücher bringt...






... So war's ...


Nina ist Buchhändlerin mit Leib und Seele. Sie besitzt eine Buchhandlung, in der die Wände lila sind, die Menschen ein und ausgehen und die sich schließlich mit der Aktion 'Il libro sospeso' rühmen kann.
'Il libro sospeso' ist bei den Neapolitanern, die das mit Kaffee machen, abgeschaut und ist eigentlich ne klasse Sache: Man geht in Ninas Buchhandlung, kauft ein Buch (ich meinte, irgendwo gelesen zu haben, dass dieses Buch einem selbst etwas bedeuten sollte) und lässt es durch Nina an jemanden weiterverschenken - den nächsten Kunden. Man sollte zuvor noch eine Widmung reinschreiben - mit Namen oder auch anonym, ganz wie man mag.

Erzählt wird die Geschichte um Nina und ihre Buchhandlung von der alten Dame Adele. Adele erzählt gerne, was gerade passiert, und, vor allem ausschweifend, auch von ihrem eigenen vergangenem Leben.

Mir fiel das Buch ja primär durch das wunderschöne Cover auf und auch den Klappentext fand ich sehr ansprechend. Die Idee, ein Buch einfach so an jemandem weiterzuverschenken, ohne ihn zu kennen, beflügelte direkt meine Phantasie.
Es wird ja gleich angekündigt, dass da Liebschaften und Freundschaften entstehen.
Leider hat der Klappentext etwas völlig anderes suggeriert - ich dachte, es geht um Ninas große Idee und was sie damit bewirkt bei Fremden und auch was diese Idee mit ihrem eigenem Leben macht - dies ist jedoch leider irgendwie zur Nebensache geworden. Und vielleicht auch um die Liebesgeschichte, die sich da im Klappentext anbahnt.
Das, was groß im Klappentext angekündigt ist, ist nur ein dünner Handlungsstrang. Von den versprochenen Freundschaften und Liebschaften war leider nur wenig zu lesen.

Ziemlich von Anfang an fand ich die Geschichte seltsam unzusammenhängend - Adele schiebt immer wieder Episoden aus ihrem Leben ein, endlos lange Episoden, schien mir und das nervte - sie lösten mich aus dem Lesefluss, weil diese Erzählungen aus der Vergangenheit so gar keinen Bezug auf Nina bildeten & auch, weil es manchmal schwer war zu unterscheiden, ob Adele noch von Nina oder schon wieder von sich erzählt - da wäre ein Absatz oder eine genauere Andeutung (evt. mit Jahreszahl oder sowas) nicht schlecht gewesen.
 Ich kam nicht richtig in die Geschichte rein, weil ich nicht wusste, nicht nachvollziehen konnte, worum es der Autorin ging, worauf es der Autorin ankam. Die ganze Geschichte hat nur sehr leise Töne von sich gegeben und verblasst leider schon in meinem Kopf.

Die Charaktere haben mir zudem nicht sehr zugesagt - Nina wirkte meist naiv und grundlos ruppig, Adele wirkte auf mich, obwohl sie sehr viel aus ihrem vergangenem Leben erzählte, seltsam blass und auch die anderen Darsteller wirkten fad und nichtssagend.

Schade - da ist eine tolle Idee und die hätte wahnsinnig viel Potential gehabt. Das wurde definitiv verschenkt und macht so die Geschichte zu etwas Langweiligem und Nichtssagendem.
Nur weil jemand Buchhändlerin ist und das Lesen liebt, heißt es nicht, dass er auch schreiben kann.


Cristina di Canio ist Buchhändlerin in Mailand und hat die Aktion 'Il libro sospeso' tatsächlich ins Leben gerufen. Ihre Buchhandlung ist sehr bekannt und dieses Buch ist ihr erstes Buch.

Freitag, 18. Mai 2018

Rezension: 'Hello Sunshine' von Laura Dave

Laura Dave - Hello Sunshine
Roman // blanvalet // 16.4.2018
379 Seiten // 9,99€ // Taschenbuch
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Goldmann zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!




Sunshine Mackenzie lebt ihren Traum! Mit ihrer YouTube-Kochshow und ihren Lifestyle-Büchern begeistert sie Millionen von Fans. Sie ist einfach die Person, mit der jeder gern befreundet wäre. Noch dazu hat sie ihren Traummann geheiratet, den Architekten Danny, der ihr treu bei allem zur Seite steht. Alles scheint perfekt, bis ausgerechnet an ihrem fünfunddreißigsten Geburtstag herauskommt, dass die hochgelobten Rezepte aus der Show gar nicht von ihr sind. Die Fans sind empört, und Sunshine sieht nur einen Ausweg: Sie verlässt New York, um in einem kleinen Küstenstädtchen noch einmal von vorn zu beginnen …






... So war's ...


Der Klappentext suggeriert ja schon recht treffend, worum es geht.
Da ist Sunshine Mackenzie, sie lebt in NY und ist eine sehr bekannter You-Tube-Star. Alles dreht sich bei ihr ums Kochen und überhaupt - ihr ganzes Leben ist perfekt, schließlich hat sie Ruhm, Geld und den Traumman Danny, den sie schon aus der Zeit von vor dem Ruhm kennt.
Dann stellt sich heraus: Das Sonnenscheinchen kann gar nicht Kochen und die Rezepte sind auch nicht ihre, sondern die der Frau des Managers. Mit letzterem war sie auch noch in der Kiste und klar, dass Sunshine von heute auf morgen mit nichts mehr dasteht. Ihr Traummann Danny, den sie eigentlich tatsächlich liebt, ist da recht radikal, wer will schon eine Betrügerin als Frau? Es wird klar, dass an Sunshine nichts echt ist, bis auf den Vornamen. Sunshine heißt sie tatsächlich.

Sunshine bleibt nichts anderes übrig, als bei ihrer Schwester Rain (ja, wirklich) zu Kreuze zu kriechen, die aber eigentlich gar nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Immerhin die Nichte hat noch Interesse an dem Sonnenschein - was aber nicht schwer ist, schließlich ist das Kind sechs Jahre alt  - und sah ihre Tante zuletzt live, als sie 2 Monate alt war.

Das Sonnenscheinchen, Sunshine Mackenzie, ist ein sehr oberflächlicher Typ, auch in ihrer Niederlage, die sie sich selbst zuzuschreiben hat (okay, nicht ganz allein, aber durchaus), ist sie immernoch der Meinung, dass sie recht unschuldig ist. Und selbst in ihrer Niederlage kann sie nicht akzeptieren, dass ihre 15 Minuten Ruhm, die jedem Menschen im Leben bescheinigt sind, nun mal um sind. Und selbst in der Niederlage, als sie bei ihrer Schwester zu Kreuze kriecht und von aller Welt verachtet und verspottet wird, weiß sie es nicht besser und lügt dennoch weiter.

Das ist meiner Meinung nach der größte Knackpunkt an der Geschichte - Sunshine lernt nicht aus ihren Fehlern. Auch die anderen Charakter sind nicht so mein Fall gewesen, waren mir unsympathisch.
Es kommt zwar alles, als man denkt und irgendwie hat das auch wieder Spaß gemacht - denn die Geschichte war für mich unvorhersehbar. Unterhaltsam fand ich die Geschichte durchaus und ich hatte sie auch recht schnell ausgelesen, eine gute Geschichte für zwischendurch.

Hätten die Charaktere mehr Wandlung durchgemacht bzw. etwas mehr Empathie gezeigt, hätte ich die Geschichte richtig gut gefunden.
So blieb die Geschichte aber leider hinter ihren Möglichkeiten zurück - schade.

Donnerstag, 17. Mai 2018

Rezension: Señor Gonzalez und der Garten des Lebens von Claus Mikosch

Claus Mikosch - Señor Gonzalez und der Garten des Lebens
Roman // Gütersloher Verlagshaus // 26.3.2018
192 Seiten // 14,00€  // Hardcover
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Gütersloher Verlagshaus zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!




Niklas, Anfang 30, gerade arbeitslos geworden und irgendwie entwurzelt, beschließt eine Auszeit in Andalusien. Dort begegnet er Señor Gonzalez, einem alten Gärtner, der seit Jahrzehnten Gemüse auf natürliche Weise anbaut, »immer mit der Natur als Freund und Gehilfe«. Zuerst besucht Niklas den alten Mann hin und wieder, dann hilft er ihm täglich einige Stunden bei der Gartenarbeit. Dabei lernt Niklas nicht nur etwas über den Anbau von Lauch und Tomaten, sondern vor allem etwas über Gelassenheit, Achtsam- und Genügsamkeit. Señor Gonzalez, sein Wissen und seine Weisheit öffnen Niklas die Augen und helfen ihm, sein Leben neu auszurichten.






... So war's ... 

 Niklas ist arbeitslos, kurzfristig gekündigt, und entscheidet sich für eine Auszeit im sonnigen Andalusien, genauer Estepona, wo er schließlich Señor Gonzalez, einem passionierten Gärtner, begegnet. Der alte Gärtner zieht all seine Weisheit aus seinem Garten, auch wenn er Spanien nie verlassen hat & auch nicht besonders gebildet zu sein scheint, so hat er doch ein großes Wissen in sich. 
Niklas geht immer öfter zum Gärtner und lässt sich all die Weisheiten des alten Mannes erzählen, die ihn zum Nachdenken und auch zum Verstehen bringen. 

Señor Gonzalez kam gerade zur rechten Zeit. Nicht nur für Niklas, sondern auch für mich. Gerade bin ich ein bisschen skeptisch, was mein Leben angeht und ich weiß, dass einem ein Garten viel geben kann. Ich war sehr auf die Umsetzung durch Mikosch gespannt. 
Und ich muss sagen, Mikosch hat seine Sache wirklich gut gemacht. Nicht nur Niklas wurde zum Nachdenken und zum Verstehen gebracht, sondern auch ich. 
Nicht in allen Sachen gleich und auch nicht alles habe ich annehmen können, aber doch einiges. 

Manchmal hatte ich zwar das Gefühl, dass mir der lehrende Zeigefinger etwas zu oft erhoben wurde, vielleicht war aber auch mein Problem, dass ich mich zu sehr angesprochen fühlte - eben, weil ich was ändern muss. So genau weiß ich das auch noch nicht. 
Fakt ist, dass sich ganz viele Menschen eine Scheibe von Señor Gonzalez abschneiden könnten und sollten, ich auf jeden Fall habe mir fest vorgenommen, in manchen Dingen die Sichtweise des alten Gärtners zu bemühen und mir öfters vor Augen zu führen, wie man es besser machen kann. 

Das Buch ist auf jeden Fall ein kleines Highlight für mich.

Donnerstag, 26. April 2018

Rezension: 'Simon vs. The Homo Sapiens Agenda' von Becky Albertalli

Becky Albertalli - Simon vs. The Homo Sapiens Agenda
Roman // Balzer & Bray // 2015
17,99$ // 301 Seiten // Hardcover

Sixteen-year-old and not-so-openly gay Simon Spier prefers to save his drama for the school musical. But when an email falls into the wrong hands, his secret is at risk of being thrust into the spotlight. Now Simon is actually being blackmailed: If he doesn't play wingman for class clown Martin, his sexual identity will become everyone's business. Worse, the privacy of Blue, the pen name of the boy he's been emailing with, will be jeopardized.
With some messy dynamics emerging in his once tight-knit group of friends, and his email correspondence with Blue growing more flirtatious every day, Simon's junior year has suddenly gotten all kinds of complicated. Now, changeaverse Simon has to find a way to step out of his comfort zone before he's pushed out - without alienating his friends, compromising himself, or fumbling a shot at happiness with the most confusing, adorable guy he's never met.



... So war's ...


Simon, 16 Jahre alt und schwul, hat so ein E-Mail-Ding am Laufen mit einem Typen, der sich Blue nennt. Als wäre das nicht schon anstrengend genug, laufen einige andere Dinge ziemlich schief.
Simon lernt sich selbst besser kennen und womöglich besteht die Chance, dass er Blue doch in echt trifft, doch?

Das wohl meist gepriesene Buch der letzten zwei-drei Jahre. Und wahnsinnig umhypt. Bis auf wenige Ausnahmen lass ich von stark gehypten Büchern in der Regel die Finger oder lese sie erst, wenn der Hype schon längst vergessen ist & doch durfte dieses Buch schon recht früh auf meine Wunschliste wandern. Ich finde, dass es gute Literatur, die Homosexualität betreffen, viel zu wenig gibt.
Entschieden hab ich mich letztendlich für die englische Ausgabe - es gibt aber auch eine deutsche Übersetzung. Demnächst erscheint sogar die Verfilmung.

Ich gestehe, nach den ersten paar Seiten war ich mir nicht sicher, ob mir die Geschichte zusagt. Der Einstieg empfand ich ein bisschen als unglücklich und auch dieses E-Mail-Ding hat mich etwas abgeschreckt - ich bin da, glaub ich, einfach hoffnungslos altmodisch. Ich glaube nicht, dass man sich wirklich übers Internet verlieben kann und bisher hab ich das auch im Freundeskreis so nicht erlebt.
Aber schließlich fand ich Zugang zu Simon, denn ich mochte seine leicht-nerdige, humorvolle Art sehr.
Ich mochte, dass Simon einfach nur Durchschnitt war - das ist überhaupt nicht negativ gemeint, aber mal ganz ehrlich - wieviele Außenseiter und wieviele Superstars gibt es schon in einer Klasse? Genau - die meisten Schüler sind einfach wie ich und du. Mit ihren Eigenarten und Macken. Mit einer normalen Familie, die sich umeinander kümmert. Mit einer, vielleicht auch zwei Handvoll Freunden, von denen vielleicht ein bis zwei die besten Freunde sind. In vielen Punkte konnte ich mich sehr mit Simon identifizieren und das mochte ich.

Ich mochte auch, das alles etwas ruhiger von statten ging. Albertalli lässt sich Zeit beim Erzählen und streut immer mal wieder Hinweise ein zu Blue - manchmal hab ich ernsthaft versucht herauszufinden, wer Blue ist - es ist mir nicht gelungen. Kurz vor Schluss hätte ich mir ein bisschen mehr Power gewünscht, da hat mich dann mal kurz genervt, dass Blue sich so ziert.

Was mir ebenso gefiel, waren die Anspielungen auf z.B. Harry Potter. 

Große Punkte der allgemeinen Diskussion waren ja, ob es wirklich funktioniert, dass Albertalli, ihres Zeichen eine Frau, sich in einen schwulen Jugendlichen reinversetzen kann. Ob man als Hetero-Frau wirklich über männliche Homosexualität schreiben kann.
Nun, ich bin zwar auch eine Frau und kann das daher nur aus diesem Aspekt beurteilen, aber ich finde, sie hat ihre Sache gut gemacht. Sehr gediegen, so wie sich das für die amerikanische Mittelschicht gehört.
Überhaupt finde ich dieses Diskussion eigentlich etwas... blöd. Bei anderen Autoren wurde ja auch nicht in Frage gestellt, ob sie sich ins andere Geschlecht reinversetzen können und ob sie als heterosexueller Mensch nachvollziehen können, was ein homosexueller Mensch fühlt.
Ich finde - ja, man kann das nachvollziehen. Schließlich ist jeder auch Mensch und Liebe ist immer das gleiche, starke Gefühl - ich weiß, dass es da keinen Unterschied bei diesem Gefühl gibt, egal, ob der Gegenüber ein Mann oder eine Frau (*) ist.

(* Natürlich spreche ich hier ALLE an, auch wenn ich mich in der Nennung auf männlich und weiblich sowie Homosexualität beschränke.)

Freitag, 13. April 2018

Rezension: 'Rumo & Die Wunder im Dunkeln' von Walter Moers

Walter Moers - Rumo & Die Wunder im Dunkeln
Roman // Piper // 2004
693 Seiten // 12,95 € // Taschenbuch


Selbst die größten Helden haben klein angefangen.

Rumo – der Wolpertinger aus Walter Moers’ Bestseller »Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär« – macht sich selbstständig und geht seinen Weg: Wie er kämpfen und lieben lernt, Feinde besiegt, Freunde gewinnt und das Böse kennenlernt und wie er schließlich auszieht, um das größte Abenteuer seines Lebens zu bestehen, davon erzählt das bislang spannendste, ergreifendste und komischste Werk von Walter Moers.

 »Es gibt Wunder, die müssen im Dunkeln geschehen« -Professor Doktor Abdul Nachtigaller




... So war's ...

Warum mal nicht von einem Reread eine Rezension schreiben? 'Rumo & Die Wunder im Dunkeln' hab ich schon oft gelesen, wie überhaupt alle Bücher von Walter Moers.

Rumo ist ein Wolpertinger, und zwar einer von der Sorte, die sogar auf zwei Beinen gehen und sprechen können. Zunächst weiß Rumo noch nicht viel und ehe er zeigen kann, was er kann, werden er und seine Familie (die aus Fhernhachen besteht) auf die Teufelsfelsen verschleppt. Und unter uns gesagt, die Teufelszyklopen, die dort leben, sind meiner Meinung nach die niederträchtigste Form von Kreatur, die es in Zamonien gibt.
Wie auch immer, auf den Teufelsfelsen trifft er Volzotan Smeik, eine Haifischmade, die zwar, wie alle Haifischmaden wohl, grundsätzlich egoistisch ist und auch gern gut lebt, aber gewissermaßen ein gutes Herz hat. Dumm ist Volzotan Smeik auch nicht - und so schaffen sie es, nicht als Zyklopenfutter zu enden.
Nachdem die beiden dem Teufelsfelsen entkommen, gehen sie ein Stück gemeinsam, ehe sich ihre Wege trennen. Schließlich ist Rumo auf der Suche nach dem silbernen Faden. 

Rumo kommt nach Umwegen in der Wolpertingerstadt 'Wolperting' an und findet zum einen heraus, warum er dort gelandet ist und was man so in der Zivilisation treibt. Hier findet er auch seinen silbernen Faden.Er lernt lesen, schreiben, findet einen Job und einen Freund, außerdem lernt er, wie man richtig kämpft.
Doch plötzlich, nachdem Rumo ausgezogen war, eine Holzschatulle aus Nurnenholz für seinen silbernen Faden zu besorgen, findet er ganz Wolperting leer vor und sogar der Grund, warum er in Wolperting gelandet ist, ist verschwunden. Rumo geht der Sache auf den Grund und lernt dabei die Wunder im Dunkeln kennen..

'Rumo & Die Wunder im Dunkeln' ist ein großartiges Buch.
Zamonien, und so auch wieder 'Rumo & Die Wunder im Dunkeln,' ist eine Welt voller Fantasie, voller außergewöhnlicher Wesen und unglaublichen Geschichten. Moers hat ein wahnsinniges Gespür für fesselnde Erzählungen und faszinierenden Charakteren. So sind beides Faktoren, die einen in diese Geschichte eintauchen lassen und einen auch nicht mehr loslassen.
Moers baut interessante Handlungsstränge ein, hat sehr interessante und spannenden Wendungen drin und man mag das Buch nicht weglegen. Auch nach mehrmaligem Konsum dieses Buches knabbere ich während dem Lesen immernoch an meinen Fingernägeln vor Aufregung.

Zwar hat das Buch seine kleinen Schwächen, wie z.B. als Rumo nach Wolperting kommt und sich in meinen Augen in manchen Sachen unglaublich und übertrieben doof anstellt. Da geht er mir für eine Weile mal ganz schön auf die Nerven.
Aber im gesamten Gesehen ist dieses Buch großartig. Sehr brutal, sehr blutig, aber großartig.

Dem ein oder anderen Leser könnte dieses Buch zu brutal sein - und das ist absolut verständlich. Moers geht nicht ziemperlich mit den Beschreibungen um - Folter und Gewalt liegt an der Tagesordnung. Ohne würde dieses Buch aber auch nicht funktionieren.

In diesem Buch kommt mein liebstes Zitat von Moers vor: 'Lest, soviel ihr könnt! Lest Straßenschilder und Speisekarten, lest die Anschläge am Bürgermeisteramt, lest von mir aus Schundliteratur - aber lest! Lest! Sonst seit ihr verloren!'

In diesem Sinne also:
Lest! Lest dieses Buch, sonst seit ihr verloren!

Freitag, 30. März 2018

Kurzrezension: 'Die verschwundene Dienerin' von Tarquin Hall

Tarquin Hall - Die verschwundene Dienerin
Roman // Heyne // 2010
8,95€ // 384 Seiten // Taschenbuch




Vish Puri, der indische Privatdetektiv aus Neu-Delhi, hat einen besonders schwierigen Fall: Ein hoch angesehener Anwalt wird des Mordes an seinem Hausmädchen verdächtigt. Puri soll nun für ihn herausfinden, wohin das Mädchen verschwunden ist und ob es vielleicht tatsächlich ermordet wurde. Keine leichte Aufgabe bei einem Volk von über einer Milliarde Menschen. Aber Puri hat bisher alle seine Fälle gelöst.










... So war's ...

Das Buch lockte mich mit der Aussage, dass es sich hier um den indischen Hercule Poirot handeln soll. Zunächst war ich etwas skeptisch, da das Buch von einem Engländer geschrieben wurde, aber ich muss schon ehrlich sagen, dass Tarquin Hall seine Sache gut gemacht hat. Er vermischt das typische Poirot-Gehabe ganz gut mit der indischen Kultur.
Der Fall an und für sich fand ich nicht als das große Highlight & manchmal fand ich die Nebengeschichten des Buches etwas unpassend, aber das Drumherum, insbesondere das verdeutlichen der indischen Kultur,  machte das Buch zu einer leicht zu lesenden und unterhaltsamen Lektüre. Gut gefallen haben mir auch die Charaktere, obwohl ich gelegentlich den ein anderen oder anderen 'Namen' durcheinander geworfen habe.
Und letztendlich hat mich dann doch auch der Fall in seinen Bann fangen können.
Das Buch ist auf jeden Fall für Fans von Agatha Christie's Hercule Poirot geeignet.

Donnerstag, 25. Januar 2018

Rezension: 'Die Instrumente des Herrn Jørgensen' von Georg Jonathan Precht & Richard David Precht

Georg Jonathan Precht & Richard David Precht - Die Instrumente des Herrn Jørgensen
Roman // Goldmann // 2009
572 Seiten // 8,95€ // Taschenbuch



Lilleø, eine kleine dänische Insel in der Ostsee: Für einen Sommer lang ist  der Kriminalassistent Ansgar Jørgensen auf das beschauliche Eiland versetzt worden, um die Provinz kennenzulernen. Doch bereits am Tag seiner Ankunft wird er mit einem mysteriösen Todesfall konfrontiert – und dies ist nicht das einzige Rätsel, das sicht hinter der malerischen Kulisse verbirgt. Als Jørgensen immer tiefer in die dunkle Geschichte der Insel eindringt, macht er ungeahnte Entdeckungen …

Ursprünglich unter dem Titel „Das Schiff im Noor“ erschienen.






... So war's ...

Richard David Precht ist ja vor allem dafür bekannt, philosophische Bücher zu schreiben. Er wird als einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum beschrieben, er ist Professor für Philosophie sowie Philosophie und Ästhetik.
Dieser Roman, den er zusammen mit seinem Bruder Georg Jonathan geschrieben hat,  wird als Bildungsroman mit detektivischen Elementen beschrieben, welches mit der Insel Lilleø eine Kullisse für ein kompliziertes Gespinst aus Motiven und Analogie, etwa jener zwischen Theologie und Polizei bietet. An der Oberfläche ist das Buch eine Detektivgeschichte um ein versunkenes Schiff und einen lange zurückliegenden Mord. Tiefer liegend handelt das Buch von der Ordnung der Dinge.


In meinen Augen stellte sich die Geschichte so dar:
Ansgar, Kriminalassistent und vor allem auch Entdecker und Erforscher, wird für ein halbes Jahr nach Lilleø versetzt, dort geht alles einen gemütlichen und langsamen Gang. Mordfälle und dergleichen? Gibt es nicht. Nur Legenden.
Ansgar kommt das Gleich, denn erstens mag er Legenden und außerdem hat er so Zeit, seinen Hirngespinsten nachzurennen und seinen Forscherdrang nachzugeben.
Malte, der hiesige Kommissar, setzt den Jüngling nebenbei noch darauf an, das Archiv zu sortieren. Ansgar stößt dabei, durch alte Akten und einigen Fragen, auf einen alten Fall, der scheinbar seine Fäden bis ins Jetzt gezogen hat.

Man schreibt das Jahr 1985. Damals hat man noch mehr Zeit zum Nachdenken, die Kriminalitätsrate ist gering. Ansgar beginnt, wie gesagt,  seinen Hirngespinsten nachzurennen und ich hatte öfters zwischendrin das Gefühl, dass er sich auch darin verrennt. Und nicht nur er verrennt sich darin, auch die Autoren verrennen sich in ihren Ideen.

Was gemächlich und ruhig anfängt und gerade anfangs auch seinen Charme dadurch hat, verliert sich zum Schluss hin in ein verwirrungsstiftendes Durcheinander. Dabei ist die kriminalistische Geschichte eher zweitrangig, was ich aber noch nicht mal als Nachteil empfinden würde. Auch finde ich, dass die beiden mit einer schöne Szeneriebeschreibung aufwarten können und allgemein gefällt mir auch die Sprache sehr gut. Ich mochte es, dass sie sich Zeit lassen beim Erzählen und ich mochte auch diese Detailverliebtheit - bis es irgendwann zuviel wurde.

Obwohl das Buch eine gute und irgendwie auch eine durchdachte Grundlage hatte, hatte es für mich letztendlich ein Problem: es ist zu gemächlich. Und dadurch wirkt es unglaublich zäh. Weniger ist eben nicht immer mehr. Man kommt einfach nicht vom Fleck.
Ich finde, hätte man manches ein bisschen gekürzt und ein bisschen mehr Spannungsbogen betrieben, hätte das dem Buch nicht geschadet (und man hätte vielleicht auch über die verwirrenden letzten 200 Seiten hinwegschauen können). 
Möglicherweise bin ich nicht intellektuell genug, um die Gedanken, die hinter diesem Buch stecken, zu verstehen (gerade, weil es als Bildungsroman beschrieben wird und angeblich im tieferen Sinn über die Ordnung der Dinge handelt - was für mich irgendwie nicht so klar darliegend war), für mich hatte das Buch einfach seine ausufernden Längen...
Öfters hatte ich das Gefühl, ich stehe hinter Ansgar und schaue ihm zu, wie er bewundernd auf dem Boden kniet, die Augen dicht am Boden, den Hintern in der Luft und sich stundenlang in der Bewunderung der Pflanzen oder irgendwelcher Unebenheiten verliert. Nein, so wurde er nicht beschrieben, aber tatsächlich erschien jede Handlung, die Ansgar zu machen schien, irgendwie lang zu dauern.

Wo andere Autoren zu viel auf einmal Wollen in möglichst kurzer Zeit, kommt unser Autoren-Duo hier einfach nicht zum Punkt.  Das Buch stellt nach der Hälfte des Buches eine große Geduldsprobe an den Leser dar, was schade ist, weil eigentlich eine richtig unterhaltsame & spannende Geschichte darin stecken würde. Nur kommt die Spannung halt durch den Erzählstil einfach nicht auf.

Tut mir leid, dass war leider nichts!


Samstag, 30. Dezember 2017

Rezension: 'Die Wolkenfischerin' von Claudia Winter

Claudia Winter - Die Wolkenfischerin
Roman // Goldmann
399 Seiten // 9,99€
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Goldmann zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!


 Charmant und gewitzt hat sich Claire Durant auf der Karriereleiter eines Berliner Gourmet-Magazins ganz nach oben geschummelt. Denn niemand ahnt, dass die Französin weder eine waschechte Pariserin ist noch Kunst studiert hat – bis sie einen Hilferuf aus der Bretagne erhält, wo sie in Wahrheit aufgewachsen ist: Ihre Mutter muss ins Krankenhaus und kann Claires gehörlose Schwester nicht allein lassen. Claire reist in das kleine Dorf am Meer und ahnt noch nicht, dass ihre Gefühlswelt gehörig in Schieflage geraten wird. Denn ihr Freund Nicolas aus gemeinsamen Kindertagen ist längst nicht mehr der schüchterne Junge, der er einmal war, und dann taucht aus heiterem Himmel auch noch ihr Chef auf. Claire muss improvisieren, um ihr Lügengespinst aufrechtzuerhalten – und stiftet ein heilloses Durcheinander in dem sonst so beschaulichen Örtchen Moguériec …

 

 

... So war's ...

Claire Durant ist Pariserin und so gibt sie sich auch, blöd nur, dass das eigentlich gar nicht stimmt. Eigentlich heißt sie Gwenaelle und stammt aus der Bretagne und all die Arbeits-Zertifikate sind nicht echt. Blöd, dass sie ihrem Chef vorgeflunkert hat, dass sie dringend nach Paris muss. Und blöd, dass ausgerechnet ihr Chef dann in ihrem Heimatort Urlaub machen muss, wo sie nach so langer Zeit endlich mal heimkehrt, weil ihre Mutter im Krankenhaus liegt und die gehörloses Schwester von Claire nicht allein zurecht kommt. Und das obwohl ihr Chef denkt, sie sei in Paris. Und klar, dass dann mit Claires kopfloser Lügerei so ein Wirrwarr entsteht.

Wirrwarr & Heilloses Durcheinander - das trifft's ziemlich gut. Die Geschichte hat Charme, aber ganz ehrlich? So richtig sprang der Funke nicht über. Erst dachte ich, dass liegt vielleicht am Anfang, aber mit der Zeit wurde klar - ich konnte mich mit den Charakteren nicht so recht anfreunden, auch nicht mit dieser sinnlosen Lügerei und erst recht nicht mit dem Durcheinander, dass letztendlich daraus entstand.
Claire Durant war für mich sehr widersprüchlich, oft war sie mir unsympathisch, obwohl sie eigentlich recht freundlich ist - aber diese Lügerei ging einfach gar nicht. Dieses Ding, dass sie plötzlich mit ihrem Chef hat, obwohl all die Jahre davor nichts passiert ist, empfand ich irgendwie zu plötzlich und wirkte für mich ein wenig an den Haaren herbeigezogen.  Die anderen Figuren bleiben verhältnismäßig flach, einzig zu Maelys konnte ich etwas Zugang finden, was aber vermutlich nur daran liegt, dass ich selbst schlecht höre. Denn ganz ehrlich, dieser tagtägliche Backwahnsinn find ich einfach nur... seltsam. Dabei nervt mich, dass Maelys am Anfang als so dämlich dargestellt wird - nur weil man gehörlos ist, heißt das nicht, dass man sein Leben nicht alleine meistern kann. Es wird schließlich deutlich, dass Maelys ganz und gar nicht doof ist, aber das dieses 'Behinderte kommen nicht allein zu Recht'-Klischee nervt mich einfach.

Insgesamt war die Geschichte schlüssig und nicht schlecht aufgebaut - leider konnte ich mich nicht so recht mit dem Durcheinander anfreunden. Diese Geschichte hat mich, weil ich auch nicht immer dranbleiben konnte, manchmal sehr verwirrt. Claudia Winters Schreibstil ist einfach nicht so mein Fall. Möglicherweise habe ich zuviel von dieser Geschichte erwartet.

Leider wurde ich mit diesem Buch nicht warm - die Geschichte an und für sich ist schon tausend Mal dagewesen und bringt leider auch keine große Überraschung. Durch die mir unsympathischen Figuren und dem Durcheinander fiel auch der Part Authentizität für mich weg. So schön eine Reise in die Bretagne sein kann, die Reise in dieses Buch war leider eher mühsam und enttäuschend.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Rezension: 'Der Buchliebhaber' von Charlie Lovett

Charlie Lovett - Der Buchliebhaber
Roman // Goldmann
10,00€ // 512 Seiten
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Goldmann zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!





Für Arthur Prescott gibt es keinen schöneren Ort als die Bibliothek der kathedrale von Barchester. Hier kann er nicht nur in Ruhe lesen, er forscht auch seit Jahren nach einer verschollenen mittelalterlichen Handschrift: dem sagenumwobenen 'Buch der Ewolda'. Doch dann stört ein Eindringling Arthurs Ruhe: Die junge Amerikanerin Bethany ist nach Barchester gekommen, um die Bestände der Bibliothek zu digitalisieren. Ein Sakrileg in den Augen des bibliophilen Arthur. Doch Bethany erobert nicht nur Arthurs Herz, sie hilft ihm auch, das Rätsel des verschwundenen Manuskripts zu lösen...






... So war's ...


Arthur Prescott ist mal so ein richtiger Spießer, wie er im Buche steht. Als britischer Dozent für englischer Literatur ist sein höchstes Gut in seinem Leben die alten Manuskripten, die in der Bibliothek der Kathedrale von Barchester ruhen. Diese sind aus vergangenen Jahrhunderten und Arthur liebt es darin zu schwelgen und zu lesen. Und außerdem darin nach Hinweise vom Heiligen Gral zu suchen. Denn, dass hat ihm schon sein Großvater erzählt, der Heilige Gral muss in Barchester sein. Die Suche treibt er jedoch eher gemächlich voran und wenn nicht betont werden würde, dass Arthur um die 40 Jahre alt ist, würde ich denken, da sitzt ein 70-jähriger Professor, der ein spinnertes Hobbie hat.


Und dann kommt Bethany - eine Computer-Expertin aus Amerika, die Arthurs geliebte Manuskriptsammlung digitalisieren will und dies auch noch für eine gute Idee hält. Bethany - ich meine, allein schon dieser Name - kann quatschen wie ein Wasserfall, weiß alles besser und macht sich überall lieb Kind, besonders auch bei Arthurs Freunden. UND... das stößt Arthur am meisten auf - auch sie ist auf der Suche nach Fakten für den Heiligen Gral. Und sie geht dabei viel effektiver und mit eindeutig mehr Tatendrang vor, wie Arthur. Arthur ist hin und her gerissen, einerseits ist sie nett und schaut gut aus, aber andererseits muss sie doch des Teufels Werk sein, wenn sie Computer und das Internet gut findet und es den physischen Büchern vorzieht, und vor allem, wenn sie außerdem nach dem Heiligen Gral sucht.

Was man Lovett lassen muss - er schafft es, dass man sich seinen Charakteren einfühlt - besonders mit Arthur fühlte ich mich verbunden (auch wenn ich nicht so kauzig bin und seine Abgeneigtheit gegenüber dem Technischen & dem Internet nur bedingt verstehen kann). Arthur Prescott mag ich wahnsinnig gern - denn ich hab ein Herz für Spießer. Arthur ist so sehr Buchliebhaber, dass man als Leser (und gewissermaßen selbst Buchliebhaber) nicht umhin kommt, diesen Mann zu mögen und sich gewissermaßen ein wenig nach seinem geruhsamen Leben zu sehnen, wenn ich auch ein wenig aktuellere Lektüre bevorzuge.
Als Bethany auftritt und von Digitalisierung redet und das für eine gute Sache hält, bin ich Arthur zunächst so sehr verbunden, dass ich genauso entrüstet war wie er.
Gut, Bethany ist zunächst auch etwas nervig dargestellt, dies bessert sich aber und man muss zugeben, dass Bethany ganz vernünftige Argumente hat und auch recht clever ist. 
Aber auch die Nebencharaktere wirken nicht blass, sondern bekommen eine angenehme Tiefe.
Lovett steigert seine Charaktere merklich - man bekommt die Entwicklung mit und das finde ich gut.

Gelungen fand ich auch die Erzählungen rund um die Hüter, die in verschiedenen Jahren/ Jahrhunderten angesiedelt sind. Diese sind ein angenehmer Bruch aus der Gegenwart und ich finde, dass Lovett hier den richtigen Ton getroffen hat.
Die Hauptgeschichte, nämlich die Suche nach dem Heiligen Gral, beziehungsweise die Suche nach dem Buch der heiligen Ewolda bringt die nötige Spannung rein, denn es macht richtig Spaß mitzuknobeln und mitzufiebern, was nun passiert.

Nach dem Lesen musste ich das Buch etwas sacken lassen. Aber nun bin ich mir sicher:
Ich fühlte mich wahnsinnig gut unterhalten, konnte die Szenerien vor mir sehen und eiferte mit den beiden mit. Das Buch ist eine Liebeserklärung an das Lesen und an das  geschriebene Wort (und auch an die Liebe und ja - vielleicht auch an den Heiligen Gral), allein dafür bekommt der Autor schon einen dicken Pluspunkt.
 Ob man nun an den Heiligen Gral glaubt, oder nicht - und ob man nun an Ritter Artus glaubt oder eben nicht - ganz egal, denn die Geschichte ist eine wahre Wucht!


Donnerstag, 9. November 2017

Rezension: 'Das Haus ohne Männer' von Karine Lambert

Karine Lambert - Das Haus ohne Männer
Roman // Diana
225 Seiten // 9,99€
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Diana-Verlag zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!



 
 Keine Männer – das ist die Regel. Die Bewohnerinnen eines verwunschenen Hauses mitten in Paris haben der Liebe abgeschworen. Kater Jean-Pierre ist das einzige männliche Wesen, dem sie Zutritt zu ihrer Welt gestatten. Als die junge Juliette einzieht, stellt sie das Leben der unterschiedlichen Frauen auf die Probe. Denn sie hat die Männer noch nicht aus ihrem Herzen verbannt …











... So war's ...


Juliette zieht in ein Haus ohne Männer - sie übernimmt vorrübergehend die Wohnung der Carla, die für einige Monate nach Indien reist. In dem Haus wohnen noch vier Frauen, zu oberst die Königin, eine ehemalige Primaballerina, die sich immernoch den Applaus vergangener Zeiten anhört, sowie Guiseppina, eine Silizianerin, die immer unter der Fuchtel der Männer ihrer strengen Familie stand & nach einer arrangierten Ehe ins Haus ohne Männer zieht, sowie Simone, die von ihrem Mann betrogen wurde, aber wenigstens einen wundervollen Sohn hat, der allerdings mit 23 auszog und Simone so dazu veranlässt, ins Haus ohne Männer zu ziehen, sowie Rosalie, die Yogalehrerin ist und überhaupt auch esoterischem sehr zugetan ist, nachdem sie von ihrer Liebe des Lebens sitzengelassen wurde, weil er keine Kinder wollte, ebenfalls ins Haus ohne Männer zieht.
Juliette selber ist jung und im Gegensatz zu den anderen Frauen der Liebe gegenüber sehr aufgeschlossen, doch es fehlt der Richtige. Sie kann nicht fassen, dass die anderen Frauen nichts mehr von der Liebe und von den Männern wissen wollen.
Da gerade die Gedanken aller Frauen aber fast ausschließlich den Männern gehören, sind die Männer daher nicht nur in Form von Katze Jean-Pierre im Haus präsent...

'Das Haus ohne Männer' ist eine lockere Geschichte um 5 Frauen - Lambert trifft dabei einen leicht humoristischen Erzählstil, aber ohne dabei überzogen zu wirken. Es hört sich für mich ein wenig, wie französisches Geplänkel an und das mochte ich sehr.
Ein häufiger Perspektivwechsel wird vorgenommen, man erlebt die Gegenwart und auch die Vergangenheit durch die 5 Frauen, die in diesem Haus wohnen. Im Grunde passiert in diesem verhältnismässig dünnem Buch nicht viel, aber das macht es nicht weniger liebevoll und nicht weniger interessant. 
Das Buch ist ideal für zwischendurch, weil es -leider nur- die altbekannte Moral hat: All you need is love oder so ähnlich.

Für den ein oder anderen ist das Buch vermutlich zu ereignisarm und vielleicht auch zu flach, ich aber mochte das Buch sehr gerne, einfach weil man merkt, dass das Herzblut drinsteckt.
Man merkt den Gemeinschaftssinn, der in diesem Haus steckt und ich glaube, ich hätte mich in diesem Haus durchaus wohl fühlen können - wenn auch ich nicht den Männern abgeschworen habe.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Rezension: 'Der Himmel über Quickborn' von Kirstin Messerschmidt

Kirstin Messerschmidt - Der Himmel über Quickborn
Roman // Edition EP
390 Seiten // 12,99€
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Literaturtest zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!



Seit sie denken kann, leidet die 15-jährige Olivia „Liv“ Ballato an unkontrollierbaren Wutausbrüchen. Ihr Temperament macht sie zur Außenseiterin. Gegen die Einsamkeit unterhält Liv eine imaginäre Liebesbeziehung mit Rockstar Kurt Cobain. Als die Familie von der Großstadt ins dörfliche Quickborn umzieht, wird Livs Dasein schier unerträglich: Ein wütender Teenager zwischen Schweinebauern, Dorfnazis und neureichen Snobs. Und dann stirbt auch noch Kurt. Es gibt für Liv nur einen einzigen Grund, noch am Leben zu bleiben, ihren Lehrer Marc. Zwischen Liv und dem zwanzig Jahre älteren Mann entwickelt sich eine geheime Liebe.

 


 

... So war's ...


Ich wurde für dieses Buch angefragt und als Nirvana-Fan (wenn auch nicht mehr so sehr wie früher) war es klar, dass ich hier nicht 'Nein' sagen konnte. Vor allem hab ich ein Faible für 'verbotene' Liebesgeschichten.

Die verbotene Liebesgeschichte, und das wird ja direkt schon im Klappentext erwähnt, ich spoilere nicht, entsteht zwischen dem Lehrer Marc, der recht unkonventiell lehrt und mich ein bisschen an 'Der Lehrer' erinnerte und Liv, einem pubertierenden Nirvana-Fan, der unter der Fuchtel der Mutter steht.
Der Vergleich zwischen Marc und 'Der Lehrer' löste sich zwar recht schnell in Luft auf, den Marc ist dann doch ganz anders. 

Frau Messerschmidt hat eine sehr angenehme Art zu schreiben, sie schreibt spannend und zieht einen recht schnell in den Bann. Es wirkt sehr atmosphärisch. Ich hatte auch, trotz immer wieder auftauchender Zweifel, das Bedürfnis dieses Buch doch recht schnell weiter und schließlich fertig zu lesen. Ich mochte die Idee dieses Buches, auch wenn die Geschichte in den Grundsätzen vielleicht schon vielbekannt ist. Neu sind die Einsprengsel, die ganz nett sind und der Geschichte ihre Eigenheit geben.

Was mich an diesem Buch gestört hat, waren dieser Wandel der Charaktere - ich meine, ich habe nichts gegen Entwicklung und auch nichts dagegen, wenn sich ein Charakter als ganz anders gibt, als er tatsächlich ist, aber hier waren es einfach alle irgendwie. Keiner war das, was er vorgibt zu sein (außer vielleicht Liv), ich hätte mir hier eine oder zwei Konstante gewünscht.
Auch ging es mir manchmal zu rasch, und ich dachte mir, hups - wo kam das jetzt her? 
Auch Nirvana und primär Kurt spielten dann zwar irgendwann eher eine Randfigur, aber... fand ich jetzt nicht so schlimm. 

Zum Schluss wurde es mir etwas zu unrealistisch, gerade was die Mutter angeht und die Sache mit dem Vater hätte auch nicht sein müssen - das naheliegende Ende wäre angemessen gewesen, und hätte nach dieser action-reichen Geschichte auch völlig genügt. So wirkt es ein bisschen bemüht und mehr so, als hätte man unbedingt noch mal einen Reißer und ein paar Seiten mehr bringen wollen.

Auch wenn es nun diese Kritikpunkte gibt, bin ich von Kirstin Messerschmidts Schreibtalent überzeugt. Ich mag den Schreibstil, der schlicht ist und der die Pubertät der Hauptperson wiederspiegelt, ohne dabei gewollt zu wirken, sehr und auch das Drumherum fand ich nicht schlecht.

Es hat Spaß gemacht und ich freue mich auf andere Bücher von Kirstin Messerschmidt!


Samstag, 26. August 2017

Rezension: 'Harry Potter and the Cursed Child' von J.K. Rowling, John Tiffany & Jack Thorne

J.K. Rowling, John Tiffany & Jack Thorne - Harry Potter and the Cursed Child
Roman // Little, Brown & Company
343 Seiten // 20,00£




THE EIGHT STORY: NINETEEN YEARS LATER.
It was always difficult being Harry Potter and it isn't much easier now that he is an overworked employee of the Ministry of Magic, a husband, and father of three school-age children.
While Harry grapples with a past that refuses to stay where it belongs, his youngest son Albus must struggle with the weight of a family legacy he never wanted. As past and present fuse ominously, both father and son learn the uncomfortable truth: sometimes, darkness comes from unexpected places.







... So war's ...

Lange Zeit war ich mir uneins darüber, ob es denn nun einen 8. Harry-Potter-Band braucht oder nicht. Für mich war die Geschichte nach dem siebten Band eigentlich zu Ende erzählt. Klar, war ich ebenfalls irgendwie neugierig, was denn jetzt letztendlich aus all den Helden und Antihelden geworden ist, aber da bekam man ja auch so immer wieder Infos von J.K.Rowling zugesteckt. Und irgendwann sollte man es auch wieder gut sein lassen. Brauchte es da also wirklich ein neues Buch? 
Jack Thorne und John Tiffany meinten 'Ja, das braucht es!' -  Sie schrieben den achten Band, J.K. Rowling war dem scheinbar auch nicht abgeneigt, schließlich hat sie ihren Namen drunter setzen lassen. 

Nun hatte ich mindestens so viele negative wie positive Stimmen über diesen Band gehört und ich war doch sehr neugierig. Vor allem darüber, was unser 'Golden Triangle' so macht und vor allem wie Albus, Sohn des berühmten Harry Potter & einsortiert in Slytherin, mit all dem umgeht. Deswegen musste ich also doch auch das Buch lesen. Egal war mir schließlich die Diskussion, obs einen 8. Band braucht oder nicht.

Und... ich mag das Buch. Einerseits.
Ich finde es super spannend geschrieben (obwohl nur ein Theater Script) und war gerade in den Szenen mit den beiden Jungen Feuer und Flamme - hier fand ich ganz toll geschildert wie Gegenwart auf Zukunft trifft. Zu sehen, was alles hätte passieren können und wie konkret sich das verändert hätte, fand ich klasse. Das hat mir am Buch am allermeisten Spaß gemacht und ist meiner Meinung nach auch der Grund, es zu feiern.

Es geht darum, dass Albus versucht, sich, seinem Vater und auch den Schülern von Hogwarts zu beweisen, dass er dem Anspruch, Harry Potters Sohn zu sein, gerecht wird. Alle erwarten von ihm irgendein Wunder und das versucht er nun zu vollziehen. Er bekommt mit, wie sein Vater Besuch bekommt und hört das Gespräch mit an. Albus denkt darüber nach und kommt zum Schluss, dass wenn er das Problem löst, bei welchem sich Harry gegenüber dem Besuch weigert mitzumachen, dann auch sein Problem gelöst sei. Zusammen mit seinem besten Freund Scorpius, Sohn von Draco Malfoy und ebenfalls ein junger Mann, der ein schweres Päckchen zu tragen hat, will er nun dieses Wunder vollbringen.

Albus und insbesondere Scorpius fand ich authentisch dargestellt. Albus ist ein schwermütiger Junge, der sehr damit hadert, dass sein Vater so berühmt ist und ausgerechnet er in Slytherin einsortiert wurde. Er hat nur einen einzigen Freund und das ist ausgerechnet der Sohn des Erzfeindes seines Vaters.
Hier kommen wir dann zu den Erwachsenen...
Hier fängt dann der Teil an, der mir nicht gefallen hat. Die Darstellungen von Harry Potter, Ron Weasley und auch Hermione Granger fand ich sehr enttäuschend.
Ich weiß, dass es für den Verlauf der Geschichte ein wichtiger Ausgangspunkt war, aber ich persönlich glaube, dass gerade Harry Potter, der eben kein richtiges Zuhause und keinen Vater hatte und all diesen Mist erleben musste, ein guter Vater sein muss (!). Sein Rumgestammel fand ich nicht authentisch, dabei meine ich aber nicht, dass Harry als Vater fehlerlos sein muss (!!). Für mich war das nur eine äußerst blasse und schlechte Kopie von dem Harry, wie wir ihn in sieben Bänden kennen lernen durften.
Und auch die Darstellung von Ron Weasley stößt mir sauer auf - einfach, weil er als Vollidiot deklariert wird. Auch die Handlungen von Hermione fand ich nicht nachvollziehbar.
Da war mir von den Erwachsenen Ginny Weasley noch am liebsten, die mir in den Originalbänden immer wahnsinnig blass vorkam.

Ihr seht - so sehr ich die Story itself eigentlich mag & gelungen finde, fand ich die Darstellung unserer altbekannten Protagonisten nicht sehr gelungen.

Hast du das Buch bereits gelesen? Was meinst du dazu?


Donnerstag, 24. August 2017

Rezension: 'Butterbrot und Liebe' von Susanne Friedrich

Susanne Friedrich - Butterbrot und Liebe
Roman // tredition
292 Seiten // 11,99€
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Literaturtest zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür! 



Hannah geht ganz in ihrer Marketingkarriere auf. Als sie den Butterbrot-Gastronom und Frontalduzer Christoph nach einer kurzen Affäre abserviert, denkt sie noch immer alles unter Kontrolle zu haben. Womit sie nicht gerechnet hat: Christoph glaubt an das große Liebesglück. Doch um Hannahs verschlossenes Herz zu knacken, reichen Träume allein nicht. Kurz entschlossen springen Christoph alle zur Seite: seine resolute Mutter Ulli, sein bester Freund Attila, seine herzensgute Kollegin Elli und sogar Hannahs Vater Albers, der selbst ein wenig Glück verdient hat...






... So war's ...

Es geht um die große Liebe - Christoph lernt durch sein Butterbrotgeschäft die taffe Marketingfirmen-Chefin Hannah kennen und verliebt sich in sie. Tatsächlich geht sie zunächst auf seine Avancen ein, ehe sie ihn nach einer kurzen Affäre halsüberkopf von sich wegstösst mit der Begründung, er sei viel zu jung für sie. Christoph, von seiner Mutter auch liebevoll Putzipu genannt, kann dies überhaupt nicht verstehen und fällt in ein tiefes Loch. Mit Hilfe seines besten Freundes und primär von seiner Mutter Ulli versucht er Hannah doch noch umzustimmen. Klar, dass da dann auch noch Hannahs Papa Michael und einige Freunde mitmischen.

Die Geschichte fängt spannend an und man bekommt gleich einen Einblick, das Hannah beruflich durchaus bereit ist, hoch zu pokern und zeigt auch gleich, dass sie sich sehr beherrschen kann, aber zeigt auch  gleich von Anfang an, dass mir ihr Charakter nicht sehr zusagt.
Leider muss ich dazu sagen, dass auch die übrigen Charaktere mich nicht beeindrucken.
Christoph, ein 30-jähriges Muttersöhnchen (und vor allem, dass er mit 30 immernoch auf andere hört und wartet bis ihm jemand die 'Lösung' auf dem Silbertablett serviert, statt mal selbst in die Pötte zu kommen, hat mich sehr genervt), der sich halsüberkopf in eine gefühlskalte Frau verliebt, die zwar ne Firma leiten, aber im Grunde nicht mit sich selbst klar kommen kann, weil sie supertragische Ereignisse im Leben erfahren musste.
Überhaupt wirkte für mich das ganze sehr konstruiert. Ein Mann lernt eine gut aussehende, aber scheinbar eiskalte Frau kennen, sie taut etwas auf, verbringen ein tolles Wochenende, an welchem sich augenscheinlich überwiegend mit körperlichen Aktionen neben Wellness die Zeit vertrieben wurde.
Mir fällt es äußerst schwer, nachzuvollziehen warum Christoph sich in diese Frau verliebt und warum er ihr so dermaßen nach rennt.  Es geht ihm seelisch und körperlich schlecht. Warum das alles?
Sie hatten tollen Sex und ne scheinbar tolle (wenn auch sehr kurze) Zeit, aber warum sie ihm als so liebenswert erscheint, kommt nicht rüber. Sie führen keine Dialoge, die das verständlich machen. Und nachdem das kurze Techtelmechtel zu Ende ist, hält sie ihn nur noch auf Abstand. Mir fehlt der Grund, warum er sich in diese Frau so sehr verliebt und sich von ihrer Abweisung so tief verletzt fühlt. Überhaupt find ich ihr Geplänkel recht kindisch und hat sehr viel mit pubertärem 'Du musst eine Woche warten, ehe du ihr wieder eine SMS schreiben darfst' zu tun.

Die übrigen Charaktere sind einerseits wahnsinnig blass und andererseits haben sie genervt: wie Christoph bester Freund Attila, der zwar nen coolen Namen hat, aber mit seinem ständigen Gefrotzel irgendwie nervt, weil er selbst im Ernst nicht mal ein bisschen von dem Sprüchegelaber runterfahren kann oder Ellie, die zwar irgendwie nett ist und als einzige nachvollziehbar handelt, aber eine Nebenhandlung aufgedrückt bekomm, die überhaupt keinen Einfluss auf den Fortverlauf der Geschichte hat (und somit irgendwie deplatziert erscheint), oder Hannahs Mitarbeiter Niklas, der für fast alles eine Lösung hat und alles mitbekommt, weil er so verdammt sensible Sensoren hat (und sich als einiziger traut, Hannah mal die Meinung zu sagen, leider immer nur in Bezug auf ihr Liebesleben, was ihn als Untergebener meiner Meinung eigentlich gar nichts anzugehen hat) und dann ist da ja noch Mutter Ulli, die im Büro arbeitet und malt und sich primär in das Leben ihres Sohnes einmischt, oder Hannahs Vater Michael, der sich die Schuld an Hannahs egoistischem Verhalten gibt und sich dann, ganz toll abgeschaut von Ulli, ebenfalls in das Leben von Hannah einmischt,.... überhaupt diese Liebesgeschichte zwischen Ulli und Michael (die ich absolut unnötig fand, da ich es immer komisch finde, wenn ein Paar sich 'findet' und deren Kinder oder Elternteile sich ebenfalls zu einem Paar finden) fand ich viel ehrlicher und authentischer als die von Christoph und Hannah. Hier war viel eher nachvollziehbar, warum die zwei sich finden.
Die Leute führen sich auf wie in einem Kindergarten, der Schreibstil sagt mir leider auch nicht immer zu. Manchmal ist er flüssig und fängt an einen zu fesseln, ehe er dann wieder sehr gewollt komisch und gestelzt daher kommt.



Das Ende hat es leider auch nicht mehr rausgerissen. Das Christoph angeleitet von Mama und Schwiegervater (oder Stiefpapa oder Schwiegerstiefpapa?) Hannah hinterherfährt wie ein liebeskranker Dackel und Hannah dann nach einer Schachtel Pralinen, garniert mit einem Spruch von Ellie, sich plötzlich umentscheidet, fand ich schon sehr seltsam. Wenn dieser Spruch die Lösung für solche Liebesprobleme sein soll ....
Und dann wieder diese Nebengeschichte um den Winzer, was vollkommen unrelevant ist für den Rest der Geschichte und irgendwie so rüberkommt, als wolle man dadurch schnell noch ein paar Seiten schinden. 
Da hilft auch nichts, dass hier Diversity aufgegriffen wurde - nämlich, dass Ellie Afrikanerin und ihr Ex Türke  und der Nachbar Berliner (inklusive Berliner Schnauze) ist.



Gelungen fand ich hingegen die Beschreibungen des Essens - gleich zu Anfang hatte ich schon wahnsinnig Appetit auf eines der Brot von Christoph. Und später beim Lesen des französischen Essens lief mir schon der Speichel im Mund zusammen...

Heieiei - liebe Frau Friedrich, seien Sie mir nicht böse, aber das war leider ein Schuss in den Ofen. Hätten Sie sich ein bisschen mehr auf die Liebe an und für sich konzentriert und ein paar andere unnötige Dinge weggelassen und vor allem den Charakteren auch die Chance gelassen, sich zu entwickeln und zu reifen, wäre das vielleicht was geworden.


Donnerstag, 20. Juli 2017

Rezension: 'Freud ist an allem schuld' von Paolo Genovese

Paolo Genovese - Freud ist an allem schuld
Roman // btb
318 Seiten // 9,99€



"Die am weitesten verbreitete Krankheit ist die Liebe."

Sagt ein Mann, der es wissen muss: Francesco, alleinerziehender Vater von drei Töchtern, ist Paartherapeut. Gefühlschaos ist also an der Tagesordnung. Sorgen bereitet ihm vor allem Tochter Emma - noch Schülerin, aber liiert mit einem 50-jährigen verheirateten Architekten. Francescos verzweifelter Plan: Die Ehe des Architekten wieder kitten. Doch leider durchkreuzt genau das seine eigenen Liebespläne...

Die Liebe in all ihren Neurosen: eine sommerleichte Komödie aus Italien.




... So war's ...


Hach, das war mal ein absolut gelungener Roman.  Paolo Genovese hat mit diesem (Liebes-)Roman tatsächlich eine sommerleichte Komödie geschaffen.
 Gleich von Beginn an hat mich Herr Genovese in seinen Bann gezogen, mit seiner flüssigen und sehr erzählerischen Art zu Schreiben. Abwechselnd erzählt aus der Sicht der drei Töchter und des Vaters und trifft dabei jedes Mal einen etwas anderen Ton, dass hat mir äußerst gut gefallen. Mitunter daran konnte man schon die Charaktere der Protagonisten ausmachen.

Ich empfand diese Geschichte in der Tat als sommerleicht, aber nicht platt und wirklich unvorhersehbar. Wieder Pluspunkte gewonnen.
Genovese behandelt in der Geschichte mehrere Punkte, unter anderem Homosexualität, wobei mir dieser Punkt etwas zu knapp und stiefmütterlich behandelt ausfiel - um ehrlich zu sein, die Geschichte um die lesbische Sara war eigentlich der Punkt, der mir am meisten aufstieß. Wäre dieser Handlungsstrang ein bisschen mit mehr Authentizität dargestellt worden, wäre das Buch ein absoluter Glückstreffer. So ist es zwar immernoch sehr gut, aber eben nicht mehr. Hierbei hat mich gestört, dass Sara beschließt von heute auf morgen hetero zu werden. Okay, ob das jetzt wirklich so auftritt, kann ich nicht nachvollziehen, zumindest hatte ich als Hetero noch nicht das Bedürfnis, jetzt homosexuell zu werden, nur weil meine heterosexuellen Beziehungen nicht funktionieren (und nein, das ist überhaupt nicht im negativen Sinne gemeint).
Klar, dass es dann auch mit den Männern nicht funktioniert - Hete sein entspricht eben nicht ihrer Natur, dafür braucht sie keinen Ausflug in die Heterosexualität machen. Liebe liegt nicht im Geschlecht des Menschen, sondern im Herzen.

 Ansonsten empfand ich das Buch als gut gelungen. Toll gezeichnet fand ich, wie Francesco als alleinerziehender Vater agiert und von seinen Töchtern über alles geliebt wird und diese genauso heftig zurückliebt. Nachvollziehbar fand ich deswegen auch seine Handlungen, als er seine Liebe zurückstellt, um seiner Tochter etwas Gutes zu tun. Ob das jetzt richtig war oder nicht, sei dahingestellt, letztendlich sind auch Eltern nicht perfekt und immernoch lernfähig. Das ist meiner Meinung nach auch völlig okay.

Nicht zu vergessen: die Storylines um Emma mit ihrer Liebe zum viel älteren Freund und um Marta, die sich in einen gehörlosen Libretto-Dieb verliebt fand ich toll, gerade Emma konnte ich (aus eigener Erfahrung) gut verstehen, wenngleich ich nicht ganz so blind war.

Also, bis auf den Knackpunkt um Sara fand ich das Buch absolut gut gelungen und habe es auch schnell und rasch ausgelesen. Paolo Genovese tritt an ernste Themen heran, dies aber so leicht und auch mit Humor, dass der Ernst seinen Schrecken verliert. So läuft das Leben, manchmal muss man es in die Hand nehmen und manchmal läuft alles von allein - diese Message hab ich mitgenommen.

Samstag, 13. Mai 2017

Rezension: 'Der kleine Laden der einsamen Herzen' von Annie Darling

Annie Darling - Der kleine Laden der einsamen Herzen
Roman // Penguin
399 Seiten // 10 €
*Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Penguin zur Verfügung gestellt - Herzlichen Dank dafür!


Manchmal ist Liebe das, was trotzdem passiert...

Posy Morland hatte es immer schwer im Leben. Als sie einen kleinen, heruntergekommenen Buchladen in Bloomsbury erbt, scheint sich ihr Glück endlich zu wenden. Sie plant, den Laden neu zu eröffnen und dort nur Liebesromanen mit Happy Ends zu verkaufen. Denn traurige Geschichten gibt es im wahren Leben ja genug. Doch Sebastian, der Enkel der verstorbenen Besitzerin, hat andere Pläne für den Laden und legt Posy Steine in den Weg, wo er nur kann. Dummerweise ist Sebastian auch schrecklich attraktiv - und der unverschämteste Kerl in ganz London. Findet zumindest Posy. Und rächt sich auf ihre Weise: Sie schreibt selbst einen Roman namens Der Wüstling, der mein Herz stahl - mit Sebastian als Held zum Verlieben ...



... So war's ...

Hach, da kommt Neid auf - denn wer erbt schon eine Buchhandlung? Und dann noch so eine urige, alte Traditionsbuchhandlung? Eingepflastert in einer alten Londoner Kopfsteingasse, ich kann mir alles genaustens vorstellen. Alles ist äußerst idyllisch.

Posy Morland ist die glückliche Erbin und wenn auch der Laden gerade nicht so gut läuft, hat sie doch die zündende Idee, um ihrer Buchhandlung ein Alleinstellungs-Merkmal zu verpassen und ihn so möglicherweise wieder zum Laufen zu bringen - sie verkauft ausschließlich Liebesromane mit Happy Ends.
Klar, wie in der jeder guten Liebesgeschichte, gibt es einen Widersacher, der zwar unwahrscheinlich attraktiv, aber genauso rotzfrech und auch überheblich ist.
Dass dabei witzige Wortgefechte entstehen, ist ja klar. Und das sich Gegensätze anziehen auch.
Ganz wie die Romane im Buchladen alle ein Happy End haben, hat auch dieser Roman, wie soll es anders sein, ein Happy End (und das ist auch gut so!).

Das Buch hat mich überrascht - positiv. Ich hab mich gleich von Anfang an in der Geschichte zurecht gefunden und mich wohl gefühlt. Frau Darling hat eine wirklich bezaubernde Art zu schreiben, etwas witzig, etwas schnulzig und wunderbar warm.
Die Charakter sind nett gezeichnet, zwar fehlt ihnen hier und da etwas Tiefe, aber das steht nicht im Vordergrund und kann getrost verschmerzt werden. Dafür sind die Dialoge anfangs etwas lahm, gewinnen aber im Laufe der Geschichte an immer mehr Witz. Anfangs hieß es bei einer kurzen Charakterbeschreibung innert des Buches, dass Posy eine scharfzüngige Art habe - das hab ich etwas vermisst. Die Dialoge hätten noch eine Schippe mehr vertragen können (zumindest hier und da).

Aber was mir viel mehr ins Auge gefallen ist, war die Szeneriebeschreibung - Frau Darling hat da ein Händchen dafür, genügend Anhaltspunkte der Einrichtung zu beschreiben, dass man es sich in etwa vorstellen kann, wie es aussieht, aber lässt einem so viel Raum, dass auch die eigene Phantasie noch mitmischt. Überhaupt die Szenerie hat mir am besten gefallen an der Geschichte, manchmal kam ich mir vor, als wäre ich auch dort und würde es amüsiert betrachten - so als Buchkäuferin oder so.
Und das würde auf jeden Fall meine neue Lieblingsbuchhandlung werden - würde ich in London wohnen. Und würde ich mehr Liebesromane lesen.

Immer mal wieder wird auf Autorinnen oder bestimmte Bücher Bezug genommen, mal in Form von Zitaten, mal in anderer Form - zwar sind mir die wenigsten der Romane geläufig (weil wie gesagt), aber ich fand das schön und es zeugt für mich, dass auch die Autorin ein Herz für Bücher hat (hat sie auch, weil man in ihrer Wohnung sich durch zahlreiche Buchstapeln schlängeln muss, wie es in der Vita heißt).

Einzig der Roman von Posy selbst finde ich... naja... lassen wir das.

Für mich ist das Buch ein (Liebesroman-) Highlight, gerade auch, weil ich Bücher über Bücher und Buchhandlungen sehr mag, aber auch, weil Frau Darling eine wirklich warme Art hat zu schreiben.
Ich bin auf jeden Fall auf mehr gespannt von Frau Darling und: Weiter so, Frau Darling!!

Freitag, 12. Mai 2017

Rezension: 'Ein Dorf zum Verlieben' von Dorothea Böhme

Dorothea Böhme - Ein Dorf zum Verlieben
Roman // blanvalet
317 Seiten // 9,99 €
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von blanvalet zur Verfügung gestellt - Herzlichen Dank dafür!



Ein kleines Dorf voller skurriler Bewohner und eine junge Frau, die alle Herzen im Sturm erobert...

Was Wanda will: Yoga unterrichten und vielleicht noch dem einen oder anderen Dorfbewohner aushelfen. Was Wanda nicht will: an ihre Jugendliebe Richard denken, auf keinen Fall! Außerdem will sie nicht verkuppelt werden, schon gar nicht von ihren bislang verfeindeten Großmüttern, die auf einmal ein Herz und eine Seele zu sein scheinen. Was Wanda nicht weiß: Das ganze Dorf verschwört sich gegen Richard, der nach zehn Jahren plötzlich als Arzt wieder auftaucht. Aber haben sie da die Rechnung vielleicht ohne Rücksicht auf Wandas Gefühle gemacht? Denn ihr Herz gerät immer noch aus dem Takt, wenn sie an ihn denkt ...


... So war's ...

Mal ganz ehrlich - was mich am Liebesroman immer am meisten stört, ist, dass schon aus dem Klappentext hervorgeht, was im Buch passiert. Gut ist, wenn ein Buch dann trotzdem zu überraschen weiß.
Das ist Frau Böhme definitiv gelungen; mich zu überraschen auf ihrem Weg zum Happy End - der war nämlich voller witziger Dialoge und Szenen, die mich durchaus zum Schmunzeln brachten.
Witzig und Spritzig war das Buch geschrieben, sowieso hat Frau Böhme einen flüssigen Schreibstil, die Geschichte reißt einen rasch mit und rasch hatte ich auch die Geschichte ausgelesen.

Im Buch geht es um Wanda, die sich in ihrem Leben eigentlich einigermaßen eingerichtet hat. Nur das Richard auch nach 10 Jahren noch in ihrem Kopf rumspuckt, und auch, dass sie nach 10 Jahren immernoch die Männer vergleicht, naja, Wanda ist das gleich, doch ihre Großmütter sind damit nicht so recht einverstanden. erst recht, als sie sehen, dass Richard nach 10 Jahren zurückgekommen ist. Sie wollen nicht, dass ihre Enkelin wieder in so einen schlimmen Liebeskummer verfällt und schließlich unter Umständen gar kein Mann mehr findet, deswegen beschließen sie, einzugreifen. Und dafür haben sie einige Ideen und wie sich das in einer kleinen Gemeinde gehört, werden alle Bewohner mit einbezogen.

Zu allererst möchte ich eine Sache etwas kritisieren, vielleicht bin ich da aber auch etwas empfindlich, weil ich selbst Dorfbewohner bin - ein paar Dorfplattitüden haben dann schon geherrscht. Aber, da die Geschichte sonst ingesamt recht unterhaltsam war, kann ich drübert wegsehen.
Die Charaktere waren nicht so sonderlich ausgebaut, allerdings erwartet ich das bei einem Unterhaltungsroman auch nicht unbedingt. Am allerbesten haben mir ja die beiden Großmütter gefallen, die sich alle naselang in die Wolle gekriegt haben, obwohl sie das gleiche Ziel (mehr oder weniger) hatten. Aber bei so unterschiedlichen Charakteren, kommt ja die eine oder andere Reiberei vor. Das hat definitiv für den nötigen Pepp gesorgt.

Auch wenn ich mich mit Wanda nur bedingt identifizieren konnte (zumindest, was ihre Fixierung auf Richard angeht und warum sie ihm so lange noch nachhängt), fand ich sie aber nicht unsympathisch. Sie scheint nicht auf den Kopf gefallen zu sein und hat Ideen - was Richard angeht, ist sie aber völlig blind.

Das Ende fand ich gut gemacht, im Buch wurde einige Ungereimtheiten aufgeworfen, die sich am Schluss dann lösten, wenn auch für mich hervorsehbar, fand ich es dennoch spannend.


'Ein Dorf zum Verlieben' ist ein solides Unterhaltungsbuch für Zwischendurch.
Insgesamt kann ich sagen, dass ich mich von diesem Buch unterhalten gefühlt habe - sicherlich ist es keine Hochliteratur, möchte es aber auch gar nicht sein.
Etwas fürs Herz und etwas zum Lachen - gut gemacht, Frau Böhme!



Dienstag, 11. April 2017

Rezension: 'Die Liebe zum Regen' von Claire Hoffmann

Claire Hoffmann - Die Liebe zum Regen
Roman// Diana
300 Seiten // 14,99€
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Diana Verlag zur Verfügung gestellt!



Es ist nie zu spät, sich selbst um das Glück zu kümmern
In Veras wohlgeordnetes Leben bricht aus heiterem Himmel das Chaos ein. Hals über Kopf flüchtet sie nach England - als Au-pair. Ziemlich gewagt mit 57 Jahren. Doch auch in London ist die Welt nicht heil. Drei eigensinnige Mädchen machen es ihr alles andere als leicht, der Vater glänzt durch Abwesenheit, und sie spürt, dass die Familie ein Geheimnis hat. Als Vera beschließt dahinterzukommen, muss sie erkennen, dass sich auch ihre eigenen Wahrheiten nicht ewig vertagen lassen.







... So war's ...

 Was ist, wenn du mit Ende 50 feststellst, dass das Leben einige Überraschungen bereit hält? Und was ist, wenn diese Überraschung keiner guten Natur sind?
Vera ist 57, seit Jahren verheiratet und in ihrem Leben nicht ganz glücklich, aber sie kommt zurecht. Bis dann sich dann rausstellt, dass ihr Mann, der ein Anwalt ist, Scheiße gebaut hat. Und sie irgendwie gesundheitlich angeschlagen ist.
Schließlich überwindet sich Vera spontan dazu, an einem Granny-Aupair-Programm teilzunehmen. Klar, dass auch hier nicht alles so glatt läuft, wie sich Vera das wünscht.

Vorneweg - ich bin zwiegespalten. Und zwar sehr.

Denn: Einerseits finde ich den Schreibstil genial und möchte ihn in den Himmel loben, andererseits sitzt mir die Geschichte ein bisschen auf.
Der Schreibstil ist humorvoll, aber driftet hierbei nicht ins völlig Abstrakte ab, Frau Hoffmann hat eine Liebe zum Detail, die ich sehr mag, weil sie kleine Details einfließen lässt, die nicht unbedingt für den Verlauf der Geschichte notwendig sind, aber die die Geschichte doch sehr charmant machen und den Personen etwas Tiefe geben.
Frau Hoffmann hat auch eine tolle Art, Charaktere zu zeichnen. Das hat mir sogar fast am meisten imponiert - denn auch wenn man über manche mehr und über andere weniger erfährt, es erschien mir keiner der Charaktere platt und ohne Hintergrund.
Und wie sie schreibt, so locker leicht und vermischt Englisch mit Deutschem, was der ganze Geschichte eine amüsante Note gibt, das hat mir sehr gut gefallen. 

Aber - und das ist leider kein kleines Aber - es hat mich an der Geschichte einiges gestört.
Zum Einen ist da die Entwicklung von Vera, die verläuft so toll und sie scheint sich endlich mal zu emanzipizieren und selbstbewusst werden. Und am Schluss merkt man davon nur noch bedingt was. Für mich kam die Message so rüber: Zwei Schritte vor und zwei Schritte zurück. Jetzt hat sie zwar was Tolles erlebt, aber weitergekommen ist sie eigentlich nicht.
Vielleicht interpretiere ich das falsch, ich weiß nicht. Fande ich aber sehr schade und hat den Gesamteindruck deutlich geschmälert.

Dann hat mich außerdem die Geheimniskrämerei um die Mutter drei Kinder gestört. Warum kann man einfach klipp und klar sagen, was los ist? Oder wenigstens nach einer Weile, aber nein, erst fast zum Schluss wird klar, was mit ihr ist. Das kam sehr unauthentisch rüber, auch, dass bei der Au-Pair-Agentur nichts darüber bekannt ist, finde ich seltsam.

Und dann ist da der Punkt mit Percival - der war ja sowas von unnötig. Also, nicht Percival an sich, sondern was sich schließlich, als es verspricht, richtig spannend zu werden, abspielt. Die Szene war so... boah, ne. Ich will nicht zuviel verraten, aber das fand ich einfach blöd.

Also, ich bin sehr zwiegespalten - denn einerseits gab es einiges was mir gefällt, aber noch mehr,  was mir missfällt.
Wie reiht man ein Buch da ein?
Ich vermute, ich werde Claire Hoffmann trotzdem eine zweite Chance geben.Weil ihr Schreibstil mir schon sehr zugesagt hat.
Ansonsten ist dieses Buch mit seinen Unstimmigkeiten eher ein Flop. Schade!


Mittwoch, 29. März 2017

Rezension: 'Das Haus am Fluss' von Tanja Heitmann

Tanja Heitmann - Das Haus am Fluss
Roman // blanvalet
576 Seiten // 9,99€
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Blanvalet zur Verfügung gestellt.



Eine Liebe, die für immer ist - wie der Verrat der sie zerstört ...

Eines Morgens sitzt Marie im Auto und fährt - nach Norden. Gemeinsam mit ihrem Sohn will sie im alten Sommerhaus der Familie einen Neuanfang wagen, fernab der Geister ihrer Vergangenheit. Das heruntergekommene Anwesen liegt einsam in einem verwilderten Garten am Elbdeich und verspricht die ersehnte Ruhe. Doch während sie es renoviert, entdeckt Marie in den alten Mauern Spuren des Glanzes vergangener Zeiten. Sie erzählen eine Geschichte von Liebe und Verrat - und von der Hoffnung, dass es für das Glück nie zu spät ist.




... So war es ...

Ich gebe es zu - das Cover und auch der Klappentext haben schon Eindruck auf mich gemacht. Weil, wir hatten es letztens in den Montagsfrage davon, ich liebe Häuser auf dem Cover. Und wenn dann der Klappentext noch von renovieren spricht, dann kann es doch nur gut werden, oder?

Zuerst sind da Marie und ihr Sohn Valentin, die von Frankfurt nach Tidewall, also von Mitte Deutschland in den Norden hochziehen. Um einen Neuanfang zu wagen, nachdem etwas geschehen ist, dass nicht gleich zu Anfang erleutert wird. Auf jeden Fall wurde ihr das Sommerhaus von Gerald, einem Cousin ihres Vaters, zur Verfügung gestellt, nachdem man auf einer Hochzeit ins Plaudern geriet. Das Haus ist heruntergekommen und die vorherigen Besitzer haben das Haus wahrlich verschandelt. Und so kommt eins zum anderen - während Marie anfangs fast erschlagen ist, von der grauenvollen Einrichtung, lernt sie dank Valentin schließlich ihren Nachbarn kennen, der Schäfer und wie es dem Klischee entspricht, zunächst auch eher eigenbrötlerisch und schweigsam ist.
Doch gemeinsam erkunden sie das Haus (bis auf die obere Etage...) und tauchen in die Vergangenheit des Hauses, als es noch glanzvoll und voller Leben war, ein. 

Die Geschichte von Marie,Valentin und auch von Asmus, dem Schäfer, entwickelt sich langsam - schließlich hat das Buch über 500 Seiten.
Das Buch ist gemächlich und bietet eher selten Spannungshöhepunkte - für mich ist das allerdings okay. Denn auf seine Art ist es dennoch spannend gewesen. Und es muss ja auch nicht immer auf Vollgas erzählt werden.
Die Charaktere fand ich von Anfang an sympathisch und sind gut gezeichnet, und trotzdem merkt man, dass sie sich über die Zeitspanne, was über ein halbes Jahr hinweg (Gegenwart) geht, sich weiterentwickeln. Insbesondere Marie, die auch die Hauptperson darstellt.
Aber die Geschichte spielt nicht nur in der Gegenwart, sondern es wird auch von der Vergangenheit erzählt - die Geschichte von Mina und Johann, eine aus der High Society stammende Frau und ein von der Arbeiterklasse kommender Mann. In abwechselnden Episoden wird von Marie und von Mina geschrieben.
Zuerst dachte ich ja - och nö, nicht diese langweiligen Episoden von früher, ich möchte etwas von Marie und ihrer Hausrenovation erfahren - aber ich muss mich selbst korrigieren: die Ausflüge in die Vergangenheit waren toll erzählt.
Insgesamt muss ich sagen, dass Tanja Heitmann eine bildhafte Sprache hat, sie fängt einen ein und fesselt. Szenen waren toll beschrieben und ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie es dort aussah, in Tidewall, damals und heute. 

Was mich dann aber doch gestört hat, war diese meiner Meinung nach, absolut vorhersehbare Szene kurz vor Ende um Marie und vor allem um Asmus, was die Geschichte in die Länge zog. Asmus' Geschichte hätte man viel besser verpacken können, dass kam irgendwie sehr flach und hingeschludert rüber - so als wäre das der Autorin kurz vor Ende wieder eingefallen und hätte sich noch schnell was aus den Finger gesaugt - schade.
Insgesamt war die Geschichte hier und da vorsehbar und führte nicht zu Überraschungseffekten. Das fand ich okay, aber ein bisschen mal so 'Wow'-Gefühl wäre doch nett gewesen. 


Ich hab mich wohlgefühlt in der Geschichte und fand im Gegensatz zu vielen anderen Rezensenten es gar nicht so schlimm, dass die Geschichte langsamer erzählt wurde. Es war eine nette Lektüre für zwischendurch und hat mich durchaus gut unterhalten.