Susanne Friedrich - Butterbrot und Liebe
Roman // tredition
292 Seiten // 11,99€
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von
Literaturtest zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!
Hannah geht ganz in ihrer Marketingkarriere auf. Als sie den Butterbrot-Gastronom und Frontalduzer Christoph nach einer kurzen Affäre abserviert, denkt sie noch immer alles unter Kontrolle zu haben. Womit sie nicht gerechnet hat: Christoph glaubt an das große Liebesglück. Doch um Hannahs verschlossenes Herz zu knacken, reichen Träume allein nicht. Kurz entschlossen springen Christoph alle zur Seite: seine resolute Mutter Ulli, sein bester Freund Attila, seine herzensgute Kollegin Elli und sogar Hannahs Vater Albers, der selbst ein wenig Glück verdient hat...
... So war's ...
Es geht um die große Liebe - Christoph lernt durch sein Butterbrotgeschäft die taffe Marketingfirmen-Chefin Hannah kennen und verliebt sich in sie. Tatsächlich geht sie zunächst auf seine Avancen ein, ehe sie ihn nach einer kurzen Affäre halsüberkopf von sich wegstösst mit der Begründung, er sei viel zu jung für sie. Christoph, von seiner Mutter auch liebevoll Putzipu genannt, kann dies überhaupt nicht verstehen und fällt in ein tiefes Loch. Mit Hilfe seines besten Freundes und primär von seiner Mutter Ulli versucht er Hannah doch noch umzustimmen. Klar, dass da dann auch noch Hannahs Papa Michael und einige Freunde mitmischen.
Die Geschichte fängt spannend an und man bekommt gleich einen Einblick, das Hannah beruflich durchaus bereit ist, hoch zu pokern und zeigt auch gleich, dass sie sich sehr beherrschen kann, aber zeigt auch gleich von Anfang an, dass mir ihr Charakter nicht sehr zusagt.
Leider muss ich dazu sagen, dass auch die übrigen Charaktere mich nicht beeindrucken.
Christoph, ein 30-jähriges Muttersöhnchen (und vor allem, dass er mit 30 immernoch auf andere hört und wartet bis ihm jemand die 'Lösung'
auf dem Silbertablett serviert, statt mal
selbst in die Pötte zu kommen, hat mich sehr genervt), der sich halsüberkopf in eine gefühlskalte Frau verliebt, die zwar ne Firma leiten, aber im Grunde nicht mit sich selbst klar kommen kann, weil sie supertragische Ereignisse im Leben erfahren musste.
Überhaupt wirkte für mich das ganze sehr konstruiert. Ein Mann lernt eine gut aussehende, aber scheinbar eiskalte Frau kennen, sie taut etwas auf, verbringen ein tolles Wochenende, an welchem sich augenscheinlich überwiegend mit körperlichen Aktionen neben Wellness die Zeit vertrieben wurde.
Mir fällt es äußerst schwer, nachzuvollziehen warum Christoph sich in diese Frau verliebt und warum er ihr so dermaßen nach rennt. Es geht ihm seelisch und körperlich schlecht. Warum das alles?
Sie hatten tollen Sex und ne scheinbar tolle (wenn auch sehr kurze) Zeit, aber warum sie ihm als so liebenswert erscheint, kommt nicht rüber. Sie führen keine Dialoge, die das verständlich machen. Und nachdem das kurze Techtelmechtel zu Ende ist, hält sie ihn nur noch auf Abstand. Mir fehlt der Grund, warum er sich in diese Frau so sehr verliebt und sich von ihrer Abweisung so tief verletzt fühlt. Überhaupt find ich ihr Geplänkel recht kindisch und hat sehr viel mit pubertärem 'Du musst eine Woche warten, ehe du ihr wieder eine SMS schreiben darfst' zu tun.
Die übrigen Charaktere sind einerseits wahnsinnig blass und andererseits haben sie genervt: wie Christoph bester Freund Attila, der zwar nen coolen Namen hat, aber mit seinem ständigen Gefrotzel irgendwie nervt, weil er selbst im Ernst nicht mal ein bisschen von dem Sprüchegelaber runterfahren kann oder Ellie, die zwar irgendwie nett ist und als einzige nachvollziehbar handelt, aber eine Nebenhandlung aufgedrückt bekomm, die überhaupt keinen Einfluss auf den Fortverlauf der Geschichte hat (und somit irgendwie deplatziert erscheint), oder Hannahs Mitarbeiter Niklas, der für fast alles eine Lösung hat und alles mitbekommt, weil er so verdammt sensible Sensoren hat (und sich als einiziger traut, Hannah mal die Meinung zu sagen, leider immer nur in Bezug auf ihr Liebesleben, was ihn als Untergebener meiner Meinung eigentlich gar nichts anzugehen hat) und dann ist da ja noch Mutter Ulli, die im Büro arbeitet und malt und sich primär in das Leben ihres Sohnes einmischt, oder Hannahs Vater Michael, der sich die Schuld an Hannahs egoistischem Verhalten gibt und sich dann, ganz toll abgeschaut von Ulli, ebenfalls in das Leben von Hannah einmischt,.... überhaupt diese Liebesgeschichte zwischen Ulli und Michael (die ich absolut unnötig fand, da ich es immer komisch finde, wenn ein Paar sich 'findet' und deren Kinder oder Elternteile sich ebenfalls zu einem Paar finden) fand ich viel ehrlicher und authentischer als die von Christoph und Hannah. Hier war viel eher nachvollziehbar, warum die zwei sich finden.
Die Leute führen sich auf wie in einem Kindergarten, der Schreibstil
sagt mir leider auch nicht immer zu. Manchmal ist er flüssig und fängt an einen zu fesseln, ehe er dann
wieder sehr gewollt komisch und gestelzt daher kommt.
Das Ende hat es leider auch nicht mehr rausgerissen. Das Christoph angeleitet von Mama und Schwiegervater (oder Stiefpapa oder Schwiegerstiefpapa?) Hannah hinterherfährt wie ein liebeskranker Dackel und Hannah dann nach einer Schachtel Pralinen, garniert mit einem Spruch von Ellie, sich plötzlich umentscheidet, fand ich schon sehr seltsam. Wenn dieser Spruch die Lösung für solche Liebesprobleme sein soll ....
Und dann wieder diese Nebengeschichte um den Winzer, was vollkommen unrelevant ist für den Rest der Geschichte und irgendwie so rüberkommt, als wolle man dadurch schnell noch ein paar Seiten schinden.
Da hilft auch nichts, dass hier Diversity aufgegriffen wurde - nämlich, dass Ellie Afrikanerin und ihr Ex Türke und der Nachbar Berliner (inklusive Berliner Schnauze) ist.
Gelungen fand ich hingegen die Beschreibungen des Essens - gleich zu Anfang hatte ich schon wahnsinnig Appetit auf eines der Brot von Christoph. Und später beim Lesen des französischen Essens lief mir schon der Speichel im Mund zusammen...
Heieiei - liebe Frau Friedrich, seien Sie mir nicht böse, aber das war leider ein Schuss in den Ofen. Hätten Sie sich ein bisschen mehr auf die Liebe an und für sich konzentriert und ein paar andere unnötige Dinge weggelassen und vor allem den Charakteren auch die Chance gelassen, sich zu entwickeln und zu reifen, wäre das vielleicht was geworden.