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Samstag, 8. September 2018

Rezension: 'Im Visier des Mörders' von Sharon Bolton

Sharon Bolton - Im Visier des Mörders
Thriller // Goldmann // 2018
478 Seiten // 10,00€ // Klappbroschur
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Goldmann zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!







Eigentlich müsste sie tot sein, wie die elf anderen. 
Doch sie hat überlebt und sie kann niemandem mehr trauen.
Friedliche Morgenstimmung liegt über der Moorlandschaft des Northumberland National Park.Zwölf Menschen genießen die prachtvolle Aussicht, die ihnen der Ausflug mit einem Heißluftballon bietet - und müssen plötzlich am Boden einen Mord mitansehen. Wenige Stunden später sind elf der Ballonfahrer tot. Nur eine Frau hat den Absturz offensichtlich überlebt. Sie wird von der Polizei gesucht. Doch noch jemand hat großes Interesse daran, sie zu finden. Denn sie hat das Gesicht des Mörders gesehen...









... So war's ...

Zum Geburtstag schenkt Jessica ihrer Schwester eine Ballonfahrt. Isabell lebt als Nonne in einem Kloster.
Doch statt einen schönen Geburtstag zu erleben, geht es für die zwei Schwestern richtig schief. Der Ballon stürzt letztendlich ab und Jessica ist plötzlich allein, ganz allein auf sich gestellt. Sie kann der Polizei nicht trauen und flieht daher auf eigene Faust.
Und sie muss sich beeilen, denn der Mörder, dessen Gesicht sie gesehen hat, ist ihr immer dicht auf den Fersen. 

Gleich auf den ersten 10 Seiten wird die Geschichte in die Vollen gefahren. 
Bolton versucht schnell Spannung aufzubauen und das gelingt es ihr auch, dennoch rückt sie zu lange mit der Sprache nicht raus, was für mich persönlich die Stimmung nimmt.

Halten konnte Bolton die Spannung leider trotz Verfolgungsjagd nicht.  Insbesondere der Mittelteil empfand ich als langatmig. Erst zu Ende hin nimmt das Ganze wieder Fahrt auf.
Es gibt viele Wendungen, was ich selten für etwas Schlechtes halte, die, die aber hier passieren, fand ich als zu gewollt, als das sie gelungen waren.

Die Protagonistin war mir leid unsympathisch. Ich verstand auch lange Zeit ihre Handlungen und ihre Haltung nicht. Es fiel mir schwer nachzuvollziehen, warum Jessica, selbst Polizistin, nicht zur Polizei will und deswegen lieber Hals über Kopf flieht.
Nach und nach wird die Geschichte zwar entblättert, aber dies ist mir etwas zu zögerlich und auch, da es sich zieht, wird mit der Zeit etwas verwirrend.  

Das Buch war zwar irgendwie spannend, so richtig mitgerissen hat mich die Story aber nicht.
Sharon Bolton ist eine gute Autorin und ich habe schon wirklich viele Bücher von ihr gelesen, das hier ist leider eines ihrer weniger gelungeneren Bücher.
Schade. 

Donnerstag, 12. Juli 2018

Rezension: 'Beim Morden bitte langsam vorgehen' von Sara Paborn

Sara Paborn - Beim Morden bitte langsam vorgehen
Roman // DVA // 2018
265 Seiten // 18,oo€ // Hardcover
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von DVA zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür.



"Die Ehe ist ein Krieg. Ist es da nicht logisch, dass sie auch so endet wie alle Kriege? Einer stirbt!"

Die Leute leben einfach zu lange. Und die wenigsten haben das verdient. Horst jedenfalls nicht. Nach 39 Ehejahren voller Sticheleien hat Irene endgültig genug von ihrem Mann. Als sie eines Tages in einer alten Schachtel Vorhang-Bleibänder findet, kommt ihr die beste Idee ihres Lebens ...










... So war's ...


Als 'Schwarzhumorig & intelligent ' wurde das Buch auf dem Klappentext beschrieben und das kann ich so absolut unterschreiben.
Geschrieben wird das Buch aus Sicht der Irene, die seit Jahren ihren Mann Horst und vor allem seine Sticheleien ertragen muss, nicht nur, dass er ihr nicht genug Platz zur Entfaltung lässt, nein, er merkt einfach nicht, dass er nur an sich denkt. Irene hingegen denkt gar nicht an sich, sondern an die Kinder und den Haushalt.

Irene findet schließlich im Keller, wohin sie von Horst mitsamt ihren geliebten Büchern verbannt wird, weil Horst im Dachgeschoss, wo die Bücher zuvor untergebracht waren, sich einen super modernen Musikraum einrichtet, eine Schachtel mit Bleibändern - ihr kommt dabei eine Idee. Und endlich mal ist Irene eine Frau, die keine halben Sachen macht.

Es wird die Geschichte einer Ehe erzählt, die sich in diesem Falle im Laufe der Jahre als eine Art Trugbild herausstellt. Der schöne Schein verfliegt recht bald und die rosarote Brille, die schon so manche in eine voreilig geschlossene Ehe getrieben hat, ist schon recht bald nicht mehr rosarot, sondern zeigt unnachgiebig jeden Fehlere und Unebenheit des anderen.
Und schließlich wird auch die Geschichte einer Frau erzählt, die sich für all die verschenkten Jahre rächt. Die Geschichte ist auf ihre Art bitterbös und ich gestehe es - ich fühlte mich manches Mal an die Ehe meiner Eltern erinnert. Mein Vater, im Alter so ichbezogen geworden, und meine Mutter, die das (noch?) so hinnimmt.
Irene ist ein Typ Charakter, den ich einerseits sympathisch finde und aber doch nicht recht greifen kann. Und auch Horst ist so ein Typ Mann, den ich nicht haben wollen würde und von dem ich mich gewiss nicht so behandeln lassen würde, den ich jetzt aber auch nicht absolut unleid bin.
Und ich glaube, das macht auch ein bisschen den Charme des Buches aus - niemand ist perfekt und niemand ist grundsätzlich schlecht in diesem Buch.
Denn wenn auch die beiden Charaktere zunächst unterschiedlich sind, unterscheiden sie sich in ihrem Bestreben eigentlich nicht.
 
Sara Paborn hat hier die richtige Sprache und die richtige Länge getroffen - ihr Stil lässt sich flüssig lesen und passt sehr gut zum Geschehen. Sie dosiert den schwarzen Humor im richtigen Maße. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und habe dieses Buch auch gleich mal meiner Mama ausgeliehen. Ich weiß ja jetzt, worauf ich die nächsten Wochen beim Papa achten muss, damit ich noch rechtzeitig vor dessen Ableben eingreifen kann (ja, das war ein Witz!).
Mit 'Beim Morden bitte langsam vorgehen' ist Sara Paborn ein Highlight gelungen. 
 

Freitag, 22. Juni 2018

Rezension: 'Blutbuche' von Ule Hansen

Ule Hansen - Blutbuche
Thriller // Heyne< // Mai 2018
479 Seiten // 17,00€ // Taschenbuch
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Heyne< zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!



"Bitte helft mir! Er sagt, er reißt mich in Stücke." Das und noch Schlimmeres steht in den drei Briefen, die der polnischen Polizei zugespielt werden. Sie sind auf Deutsch verfasst, und der Fall landet auf dem Tisch von Emma Carow, die ein Gutachten erstellen soll. Wird hier jemand unter grausamsten Bedingungen gefangen gehalten, oder sind diese Briefe nur ein übler Scherz?
Bei dem Versuch, das Rätsel zu lösen, wird Emma nicht nur mit den abgekarteten Spielchen ihrer Vorgesetzten sondern auch mit ihren eigenen Dämonen konfrontiert.

Dann wird eine Leiche gefunden...




... So war's ...

Emma Carow ist bei der Operativen Fallanalyse angestellt und tituliert sich Fallanalystin - was heißt, dass sie für Gutachten und Analysen zuständig ist, aber selbst nicht vor Ort (Tatorten wohlgemerkt) tätig wird.
Ihr wird nun die Aufgabe übertragen, die drei eingetroffenen Briefe zu analysieren. In den Briefen stehen Dinge wie 'du kleiner Wixer Kackratte' oder 'Bittebitte helft mir - er hat mir den Kessel gezeigt.' oder Wauwau igittigitt wauwau', diese Briefe wurden vom Täter aufgegeben und es gilt nun herauszufinden, ob diese Briefe echt sind oder nur ein böser Scherz.
Eigentlich sollte Emma dazu 'nur' ein Gutachten erstellen, beginnt aber schließlich selbst zu ermitteln und sich einzumischen. Schließlich taucht die erste Leiche auf.
Emma hat nebenbei noch mit ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen. Sie wurde vor 10 Jahren vergewaltigt und gleich zu Beginn des Buches stellt sie sich ihrem Vergewaltiger in einer TV-Show und stellt ihn bloss. Ob das eine gute Idee war?
Unterstützung bekommt sie von ihren Kollegen, insbesondere von Felix.

Emma Carow ist eher so der Typ 'Kaputter Ermittler', normalerweise werde ich mit denen ja nicht so warm, weil mich das selbstzerstörerische und mir zum Teil unmenschlich erscheinende daran einfach nervt. Emma mochte ich trotzdem irgendwie.
Trotz das sie gewissermaßen sehr selbstzerstörerisch handelte, wirkte sie dabei menschlich.
Die anderen Charaktere kratzen zwar nur an der Oberfläche, aber tief genug, um dabei nicht durcheinander zu kommen & genug von ihrer Art zu zeigen.

Der Fall an und für sich war spannend, wirkte aber manchmals etwas konstruiert und zusammen geschustert. Manchmal hatte ich das Gefühl, es wurde versucht, diese Unebenheiten mit Grausamkeit wieder wett zu machen. Das hat für mich nicht so gut funktioniert. Nur weil etwas besonders brutal ist, heißt das nicht, dass es deswegen besser ist.

Aber - das Buch ist definitiv spannend, anfangs war ich etwas skeptisch - eben weil Emma so kaputt daher kam und das Buch gleich mit etwas sehr Persönlichem von ihr losging. Da hatte ich kurz Angst, dass es mehr um das Innenleben unserer Emma geht, als um den Fall - es geht zwar auch öfters um Emma, aber weniger als gedacht.
Doch man kommt in einen Erzählsog und man will wirklich wissen, wie es weiter geht und wer der Täter ist - wobei ich hier ehrlich gesagt, schon recht früh auf den Trichter kam, wer es sein könnte.
Auch die äußeren Umständen fand ich interessant und emfpinde sie auch, als nicht Betroffener, nachvollziehbar niedergeschrieben. 

Ule Hansen ist ein Autorenduo, was ich während dem Lesen nicht wusste, aber doch manchmal merkte. Hin und wieder handelte Emma etwas widersprüchlich oder gab sich im nächsten Kapitel plötzlich etwas anders - dies tritt aber kaum ins Gewicht und störte mich nicht sonderlich.

Bei 'Blutbuche' handelt es sich um Band 2 der Reihe um Emma Carow.
Vielleicht sollte man auch zuerst Band 1 lesen, manches Mal wird auf den vorherigen Band zurückgegriffen ohne genauer zu erklären, so dass ich nicht alles lückenlos verstanden habe.
Für den Fall an und für sich ist das aber nicht notwendig.

Kurzum: 'Blutbuche' ist ein sehr spannender Krimi - zwar mit leichten Schwächen, dennoch schafft er es mich auf Linie zu halten und hat mich trotz seiner Brutalität sehr unterhalten. Ule Hansen werde ich definitiv im Blick behalten.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Rezension: 'Die Buchhandlung der Träume' von Cristina di Canio

Cristina di Canio - Die Buchhandlung der Träume
Roman // Goldmann // Mai 2018
208 Seiten // 15,00 € // Klappbroschur
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Goldmann zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!



Mit ihrer kleinen Buchhandlung am Stadtrand von Mailand hat sich Nina einen Traum erfüllt. Und seit sie eine besondere Idee hatte, ist ihr Laden zu einem beliebten Treffpunkt geworden: Jeder Kunde kann ein Buch, das für ihn eine große Bedeutung hat, dem zufällig nächsten Kunden schenken.
Auch wenn das Buchgeschenk anonym ist, entstehen auf diese Weise Freundschaften, ja sogar Liebespaare finden sich. Nur Nina selbst ist einsam, wenn sie abends die Türen ihrer Buchhandlung abschließt.
Bis eines Tages ein junger Musiker in einer Matrosenjacke in ihren Laden kommt und Nina eine Kiste voller antiquarischer Bücher bringt...






... So war's ...


Nina ist Buchhändlerin mit Leib und Seele. Sie besitzt eine Buchhandlung, in der die Wände lila sind, die Menschen ein und ausgehen und die sich schließlich mit der Aktion 'Il libro sospeso' rühmen kann.
'Il libro sospeso' ist bei den Neapolitanern, die das mit Kaffee machen, abgeschaut und ist eigentlich ne klasse Sache: Man geht in Ninas Buchhandlung, kauft ein Buch (ich meinte, irgendwo gelesen zu haben, dass dieses Buch einem selbst etwas bedeuten sollte) und lässt es durch Nina an jemanden weiterverschenken - den nächsten Kunden. Man sollte zuvor noch eine Widmung reinschreiben - mit Namen oder auch anonym, ganz wie man mag.

Erzählt wird die Geschichte um Nina und ihre Buchhandlung von der alten Dame Adele. Adele erzählt gerne, was gerade passiert, und, vor allem ausschweifend, auch von ihrem eigenen vergangenem Leben.

Mir fiel das Buch ja primär durch das wunderschöne Cover auf und auch den Klappentext fand ich sehr ansprechend. Die Idee, ein Buch einfach so an jemandem weiterzuverschenken, ohne ihn zu kennen, beflügelte direkt meine Phantasie.
Es wird ja gleich angekündigt, dass da Liebschaften und Freundschaften entstehen.
Leider hat der Klappentext etwas völlig anderes suggeriert - ich dachte, es geht um Ninas große Idee und was sie damit bewirkt bei Fremden und auch was diese Idee mit ihrem eigenem Leben macht - dies ist jedoch leider irgendwie zur Nebensache geworden. Und vielleicht auch um die Liebesgeschichte, die sich da im Klappentext anbahnt.
Das, was groß im Klappentext angekündigt ist, ist nur ein dünner Handlungsstrang. Von den versprochenen Freundschaften und Liebschaften war leider nur wenig zu lesen.

Ziemlich von Anfang an fand ich die Geschichte seltsam unzusammenhängend - Adele schiebt immer wieder Episoden aus ihrem Leben ein, endlos lange Episoden, schien mir und das nervte - sie lösten mich aus dem Lesefluss, weil diese Erzählungen aus der Vergangenheit so gar keinen Bezug auf Nina bildeten & auch, weil es manchmal schwer war zu unterscheiden, ob Adele noch von Nina oder schon wieder von sich erzählt - da wäre ein Absatz oder eine genauere Andeutung (evt. mit Jahreszahl oder sowas) nicht schlecht gewesen.
 Ich kam nicht richtig in die Geschichte rein, weil ich nicht wusste, nicht nachvollziehen konnte, worum es der Autorin ging, worauf es der Autorin ankam. Die ganze Geschichte hat nur sehr leise Töne von sich gegeben und verblasst leider schon in meinem Kopf.

Die Charaktere haben mir zudem nicht sehr zugesagt - Nina wirkte meist naiv und grundlos ruppig, Adele wirkte auf mich, obwohl sie sehr viel aus ihrem vergangenem Leben erzählte, seltsam blass und auch die anderen Darsteller wirkten fad und nichtssagend.

Schade - da ist eine tolle Idee und die hätte wahnsinnig viel Potential gehabt. Das wurde definitiv verschenkt und macht so die Geschichte zu etwas Langweiligem und Nichtssagendem.
Nur weil jemand Buchhändlerin ist und das Lesen liebt, heißt es nicht, dass er auch schreiben kann.


Cristina di Canio ist Buchhändlerin in Mailand und hat die Aktion 'Il libro sospeso' tatsächlich ins Leben gerufen. Ihre Buchhandlung ist sehr bekannt und dieses Buch ist ihr erstes Buch.

Freitag, 18. Mai 2018

Rezension: 'Hello Sunshine' von Laura Dave

Laura Dave - Hello Sunshine
Roman // blanvalet // 16.4.2018
379 Seiten // 9,99€ // Taschenbuch
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Goldmann zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!




Sunshine Mackenzie lebt ihren Traum! Mit ihrer YouTube-Kochshow und ihren Lifestyle-Büchern begeistert sie Millionen von Fans. Sie ist einfach die Person, mit der jeder gern befreundet wäre. Noch dazu hat sie ihren Traummann geheiratet, den Architekten Danny, der ihr treu bei allem zur Seite steht. Alles scheint perfekt, bis ausgerechnet an ihrem fünfunddreißigsten Geburtstag herauskommt, dass die hochgelobten Rezepte aus der Show gar nicht von ihr sind. Die Fans sind empört, und Sunshine sieht nur einen Ausweg: Sie verlässt New York, um in einem kleinen Küstenstädtchen noch einmal von vorn zu beginnen …






... So war's ...


Der Klappentext suggeriert ja schon recht treffend, worum es geht.
Da ist Sunshine Mackenzie, sie lebt in NY und ist eine sehr bekannter You-Tube-Star. Alles dreht sich bei ihr ums Kochen und überhaupt - ihr ganzes Leben ist perfekt, schließlich hat sie Ruhm, Geld und den Traumman Danny, den sie schon aus der Zeit von vor dem Ruhm kennt.
Dann stellt sich heraus: Das Sonnenscheinchen kann gar nicht Kochen und die Rezepte sind auch nicht ihre, sondern die der Frau des Managers. Mit letzterem war sie auch noch in der Kiste und klar, dass Sunshine von heute auf morgen mit nichts mehr dasteht. Ihr Traummann Danny, den sie eigentlich tatsächlich liebt, ist da recht radikal, wer will schon eine Betrügerin als Frau? Es wird klar, dass an Sunshine nichts echt ist, bis auf den Vornamen. Sunshine heißt sie tatsächlich.

Sunshine bleibt nichts anderes übrig, als bei ihrer Schwester Rain (ja, wirklich) zu Kreuze zu kriechen, die aber eigentlich gar nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Immerhin die Nichte hat noch Interesse an dem Sonnenschein - was aber nicht schwer ist, schließlich ist das Kind sechs Jahre alt  - und sah ihre Tante zuletzt live, als sie 2 Monate alt war.

Das Sonnenscheinchen, Sunshine Mackenzie, ist ein sehr oberflächlicher Typ, auch in ihrer Niederlage, die sie sich selbst zuzuschreiben hat (okay, nicht ganz allein, aber durchaus), ist sie immernoch der Meinung, dass sie recht unschuldig ist. Und selbst in ihrer Niederlage kann sie nicht akzeptieren, dass ihre 15 Minuten Ruhm, die jedem Menschen im Leben bescheinigt sind, nun mal um sind. Und selbst in der Niederlage, als sie bei ihrer Schwester zu Kreuze kriecht und von aller Welt verachtet und verspottet wird, weiß sie es nicht besser und lügt dennoch weiter.

Das ist meiner Meinung nach der größte Knackpunkt an der Geschichte - Sunshine lernt nicht aus ihren Fehlern. Auch die anderen Charakter sind nicht so mein Fall gewesen, waren mir unsympathisch.
Es kommt zwar alles, als man denkt und irgendwie hat das auch wieder Spaß gemacht - denn die Geschichte war für mich unvorhersehbar. Unterhaltsam fand ich die Geschichte durchaus und ich hatte sie auch recht schnell ausgelesen, eine gute Geschichte für zwischendurch.

Hätten die Charaktere mehr Wandlung durchgemacht bzw. etwas mehr Empathie gezeigt, hätte ich die Geschichte richtig gut gefunden.
So blieb die Geschichte aber leider hinter ihren Möglichkeiten zurück - schade.

Donnerstag, 17. Mai 2018

Rezension: Señor Gonzalez und der Garten des Lebens von Claus Mikosch

Claus Mikosch - Señor Gonzalez und der Garten des Lebens
Roman // Gütersloher Verlagshaus // 26.3.2018
192 Seiten // 14,00€  // Hardcover
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Gütersloher Verlagshaus zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!




Niklas, Anfang 30, gerade arbeitslos geworden und irgendwie entwurzelt, beschließt eine Auszeit in Andalusien. Dort begegnet er Señor Gonzalez, einem alten Gärtner, der seit Jahrzehnten Gemüse auf natürliche Weise anbaut, »immer mit der Natur als Freund und Gehilfe«. Zuerst besucht Niklas den alten Mann hin und wieder, dann hilft er ihm täglich einige Stunden bei der Gartenarbeit. Dabei lernt Niklas nicht nur etwas über den Anbau von Lauch und Tomaten, sondern vor allem etwas über Gelassenheit, Achtsam- und Genügsamkeit. Señor Gonzalez, sein Wissen und seine Weisheit öffnen Niklas die Augen und helfen ihm, sein Leben neu auszurichten.






... So war's ... 

 Niklas ist arbeitslos, kurzfristig gekündigt, und entscheidet sich für eine Auszeit im sonnigen Andalusien, genauer Estepona, wo er schließlich Señor Gonzalez, einem passionierten Gärtner, begegnet. Der alte Gärtner zieht all seine Weisheit aus seinem Garten, auch wenn er Spanien nie verlassen hat & auch nicht besonders gebildet zu sein scheint, so hat er doch ein großes Wissen in sich. 
Niklas geht immer öfter zum Gärtner und lässt sich all die Weisheiten des alten Mannes erzählen, die ihn zum Nachdenken und auch zum Verstehen bringen. 

Señor Gonzalez kam gerade zur rechten Zeit. Nicht nur für Niklas, sondern auch für mich. Gerade bin ich ein bisschen skeptisch, was mein Leben angeht und ich weiß, dass einem ein Garten viel geben kann. Ich war sehr auf die Umsetzung durch Mikosch gespannt. 
Und ich muss sagen, Mikosch hat seine Sache wirklich gut gemacht. Nicht nur Niklas wurde zum Nachdenken und zum Verstehen gebracht, sondern auch ich. 
Nicht in allen Sachen gleich und auch nicht alles habe ich annehmen können, aber doch einiges. 

Manchmal hatte ich zwar das Gefühl, dass mir der lehrende Zeigefinger etwas zu oft erhoben wurde, vielleicht war aber auch mein Problem, dass ich mich zu sehr angesprochen fühlte - eben, weil ich was ändern muss. So genau weiß ich das auch noch nicht. 
Fakt ist, dass sich ganz viele Menschen eine Scheibe von Señor Gonzalez abschneiden könnten und sollten, ich auf jeden Fall habe mir fest vorgenommen, in manchen Dingen die Sichtweise des alten Gärtners zu bemühen und mir öfters vor Augen zu führen, wie man es besser machen kann. 

Das Buch ist auf jeden Fall ein kleines Highlight für mich.

Mittwoch, 18. April 2018

Rezension: 'The Brutal Telling' von Louise Penny

Louise Penny - The Brutal Telling
Thriller // sphere // 2013
506 Seiten // 7,99 £ // Taschenbuch





In the heart of the forest, in the dead of the night, two men sit before a growling fire. A few hours later, one is dead, his secrets following him to the grave.
Without a weapon, a motive, or a suspect, Chief Inspector Armand Gamache soon uncovers clues to the victim's life of lies. But even after his death, a web of deception is still being woven...





... So war's ...

The Brutal Telling ist der 5. Band in der Reihe um Chief Inspector Armand Gamache und seinen Mitarbeitern, die seit einer Weile immer wieder in Three Pines, einem versteckt liegendem kleinen Örtchen mitten in den Wäldern Kanadas, zu tun haben - in keiner anderen idyllischen Ortschaft wird so oft gemordet wie hier.
Diesmal trifft die Ermittlergruppe ein harter Fall. In Oliviers Bistro wird eine Leiche gefunden. Und es kommt noch schlimmer...


Ich liebe die Reihe um Three Pines und war wahnsinnig enttäuscht, als diese Reihe nicht mehr übersetzt wurde, weil sich (angeblich) zu wenig Leser dafür interessierten.
Schon vor langer Zeit hab ich mir den 5. Band auf englisch geholt (weil auf englisch geht die Reihe weiter und hat bereits insgesamt 12 veröffentlichte Bände), aber bisher hab ich ihn nie gelesen, weil ich es mir nicht zugetraut habe. Seitdem ich nun öfters zu englischer Literatur greife und ein bisschen Übung habe, war es an der Zeit.
Der Eingang fiel mir sehr schwer, obwohl die Sprache sehr melodisch erscheint und ich das meiste auch verstanden habe.
Ich fand den Anfang etwas zäh. Unabhängig von der Sprache. Die Ermittler kommen nicht so recht vom Fleck, nach dem die Leiche in Oliviers Bistro gefunden wurde, und eiern hilflos in der Gegend rum. Diese sinnlosen Überlegungen & dieses ewige Rumgeschwafel machten mich etwas mürbe. Und gerade als ich aufgeben wollte, wurde das Buch besser und dann sogar richtig spannend. Die Spannung hielt bis zum Schluss und machte das Buch dadurch noch zu einem richtigen Leseereignis.

Das Ende lies mich sprachlos zurück und, ich muss es leider sagen, hat eine tiefgreifende Änderung in Three Pines hinterlassen. Ja, da ist so ein richtig fieser Cliffhanger mit dabei und ich hoffe sehr, dass im nächsten Buch das Thema nochmals aufgegriffen wird.

Ich werde mir die anderen Bände definitiv besorgen und es mir endlich wieder in Three Pines, dem mörderischstem Dorf in Kanada, so richtig gemütlich machen.

Samstag, 7. April 2018

Rezension: 'Totenfang' von Simon Beckett

Simon Beckett - Totenfang
Thriller // rororo // 2017
556 Seiten // 10,99€ // Taschenbuch


Hunter is Back!
Leo Villiers ist spurlos verschwunden. Der Spross der einflussreichen Familie soll eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt haben - und wird verdächtigt, sie und sich selbst umgebracht zu haben. Als man an einer Flussmündung eine stark verweste Männerleiche findet, scheinen die Vermutungen bestätigt. Doch dem forensischen Anthropologen David Hunter kommen Zweifel. Denn tags darauf treibt ein einzelner Fuß im Wasser, der definitiv zu einer anderen Leiche gehört. Während seiner Nachforschungen kommt Hunter in einem abgeschiedenen Bootshaus der Familie Trask unter, die ihm mit unverhohlener Feindseligkeit begegnet. Und sie scheinen nicht die Einzigen im Ort zu sein, die etwas zu verbergen haben.


... So war's ...

Sehnsüchtig erwartet und dann doch etwas abgeschreckt von den negativen Rezensionen wagte ich mich erst jetzt an das Buch.
Ja, es stimmt. Das Buch ist nicht zu vergleichen mit seinen Vorgängern. Und ja, es hat seine Längen.
Aber... es ist nicht so schlecht. Ich mochte die Geschichte an und für sich gerne.

Hunter wird zu einer verwesten Leiche gerufen, die in den Backwaters gefunden wurde - während alle davon ausgehen, dass sich dabei um Leo Villiers handelt, ist sich Hunter da nicht so sicher. Zumindest scheint ihm nicht alles koscher zu sein.
Nach einer unangenehmen Begegnung mit dem englischen Regen und damit verbundenen mit einem unfreiwilligen Bad kommt er bei den Trasks unter - ausgerechnet der Familie, die sicher nichts dagegen hat, Villiers tot zu sehen. Schließlich gilt Villiers dafür verantwortlich, Trasks Ehefrau Emma Darby umgebracht zu haben und irgendwo verschwinden lassen zu haben.
Hunter beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und sticht damit wahrlich in ein Wespennest. Sind Trasks wirklich schuldig? Ist Villiers an Emmas Tod schuldig? Was ist eigentlich mit Leos Vater?

Sehr gelungen fand ich die Kulisse - zum einen in den Backwaters, eine verschlungene Flusswelt & der dort wohnenden Familie Trask. Zum anderen die Szenerie auf dem Meer mit den Maunsell Sea Forts. Das hat mir wahnsinnig zugesagt. Aber auch sonst hatte Beckett ein Händchen für die Kulisse und die Szenerie in diesem Buch.

Anfangs fand ich die Geschichte etwas schleppend, ja, gemächlich - ich wusste nicht so recht, wo mich die Reise hinführen soll. Doch dann nimmt die Geschichte langsam Fahrt auf, kommt immer wieder mit neuen Wendungen um die Ecke und hält so die Spannung am Laufen.
Es ist ein langer Weg, bis klar ist, wer der Täter ist und der hat mich durchaus überrascht, aber es bleibt wie gesagt spannend. Überhaupt fand ich die ganze Geschichte gut durchdacht, sie hat im Grunde bis aufs i-Tüpfelchen gestimmt. 
In zwei Dingen schwächelt die Geschichte:
Mit dem Ende war ich nicht ganz glücklich, obwohl es schlüssig war, aber das ist eine persönliche Sache.
Und sie ist gut und sie ist spannend, aber eben nicht ganz so gut, wie ich die ersten Bücher um Hunter fand.

Letztendlich ist das Buch für die lange Durststrecke, die wir seit dem letzten Hunter-Buch hatten, aber absolut ein Durstlöscher und hat definitiv eine Tatsache ganz klar bewiesen:  Hunter is back!

Donnerstag, 8. März 2018

Rezension: 'Das Inselhaus' von Leonora Christina Skov

Leonora Christina Skov - Das Inselhaus
Kriminalroman // btb // 9.1.2018
416 Seiten // 10,00€ // Taschenbuch
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von btb zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!




"So sieht Bosheit aus, las sie. Ihr Herz klopfte zu schnell. Ich dachte, früher oder später würdest du deine wohlverdiente Strafe schon bekommen, doch du bliebst verschont. Und daran hast du dich gewöhnt, nicht wahr?"

Sieben Menschen, die einander noch nie getroffen haben. Ein gemeinsamer Arbeitsaufenthalt auf einer einsamen Insel .
Wer hat die Einladung verschickt und warum wohnen sie in einem Haus aus Glas?
Welches Spiel wird hier gespielt?
Wer steckt hinter den unerklärlichen Vorfällen, die sich plötzlich auf der Insel ereignen?




 

... So war's ...


Ohje - ich merk jetzt schon, dass ich mich mit dieser Rezension nicht leicht tue.
Bisher hat das Buch überwiegend eher schlechte Rezensionen und lediglich im Schnitt 2,5 Sterne.
Und ich glaube, wir alle hatten das gleiche Problem: Der Klappentext sprach uns wahnsinnig an, lies automatisch das Kopfkino in die Vollen gehen. Ich meine: Hallo?
Eine einsame Insel, draußen im stürmischen Meer - lediglich ein Gebäude steht hier und das ist Glas. Komplett aus Glas. Sieben Menschen, die sich nicht kennen, die aber alle ein Geheimnis haben, sind gezwungen, hier vier Wochen auszuhalten - wohl unter dem Deckmantel, ihre künstlerische Karriere und Arbeit voranzutreiben. Regelmäßigen Fährbetrieb? Internet? Festnetztelefon? 'Wir arbeiten daran' sagt Herr Winter, der Verwalter, den gibts nämlich immerhin, samt Koch Igor, von dem man im Grunde aber nur Geschirrgeklapper hört.
Draußen vor den Fenstern befindet sich die Natur, deren ungeballte Kraft allein schon mein Kopfkino angekurbelt hat, es gibt nämlich ein Moor, Wald und die stürmische See...

Ja - und da sind wir schon bei meinem ersten Problem, was ich mit diesem Buch habe: Statt ein bisschen mit zum Beispiel der sich schon förmlich aufdrängenden Natur zu spielen und sie zum Spannungsaufbau zu nutzen, wird sie zwar erwähnt, aber erscheint seltsam matt.
Auch überhaupt, vieles bleibt seltsam matt. Als die erste Person verschwindet, ist die Reaktion eher... träge, emotionslos, schulterzuckend? Ich meine, wenn auch alle Protagonisten gewissermaßen einen ähnlichen Charakter aufweisen (noch so ein Punkt, der mir aufstieß), gibt es doch Abstufungen - doch irgendwie scheint das Verschwinden der Person allen irgendwie egal zu sein. Schließlich nervte die verschwundene Person ja auch total. So logisch.

Dann auch diese versteckten Andeutungen, die nicht weiter ausgeführt wurden und man einfach nur dachte: 'Was will die Autorin damit sagen? Was bezweckt sie damit? Sollte das ein Versuch zum Spannungsaufbau sein? Warum wird er nicht weiter geführt?"


Allgemein finde ich, dass so viel Potential in dieser Geschichte steckt - so viel Potential, welches schulterzuckend registriert, aber nicht genutzt wurde.
Gerade auch beim Aspekt, dass die Personen verschwinden / sterben, werden wenig Worte verloren - man hätte all das viel mehr psychologischer aufbauen können. In dieser Geschichte wäre so viel Spannung drin, wenn man nur die richtigen Knöpfe bedienen würde.

Obwohl die Autorin mich doch auf Kurs halten konnte und ich mich nicht durch dieses Buch gequält habe, fehlt mir doch dieses gewisse Etwas. Die Spannung, das Besondere - etwas, was dieses Buch ausmachen und unter anderen Büchern hervorheben würde.
Ich finde das persönlich schade, denn irgendwie mochte ich Skovs Art zu schreiben. Es machte Spaß, die Geschichte nach und nach zu verstehen, aber da ist definitiv viel Luft nach oben.

Ebenso war mir das Ende zu lasch und ich hatte noch viele Fragen, die nicht beantwortet wurden.

Alles in allem muss ich sagen, dass die Geschichte schon langsam verblasst in meinem Kopf. Mir tut es leid um die vielen verpassten Chancen, denn es hätte eine richtig gute Geschichte werden können, eine, die sich mit Agatha Christies 'Und dann gabs keines mehr' nahezu auf eine Stufe hätte stellen lassen können. So aber bleibt sie weit unter diesem Niveau.

Dienstag, 27. Februar 2018

Rezension: 'Der Tod so kalt' von Luca D'Andrea

Luca D'Andrea - Der Tod so kalt
Thriller // DVA // 2017
14,99€ // 480 Seiten // Klappbroschur

Südtirol, 1985. Tagelang wütet ein gewaltiges Gewitter über der Bletterbach-Schlucht. Drei junge Einheimische aus dem nahegelegenen Siebenhoch kehren von einer Wanderung nicht zurück – schließlich findet ein Suchtrupp ihre Leichen, aufs Brutalste entstellt. Den Täter vermutet man im Bekanntenkreis, doch das Dorf hüllt sich in eisiges Schweigen.
Dreißig Jahre später beginnt ein Fremder unangenehme Fragen zu stellen. Jeder warnt ihn vor den Konsequenzen, allen voran sein Schwiegervater, der die Toten damals gefunden hat. Doch Jeremiah Salinger, der seiner Frau in ihr Heimatdorf gefolgt ist, lässt nicht locker – und wird schon bald seine Neugier bereuen. Ein Fluch scheint alle zu verfolgen, die sich mit den Morden beschäftigen. Ist dort unten am Bletterbach etwas Furchtbares wieder erwacht? Etwas, so uralt wie die Erde selbst ...


... So war's ...

Phuuuu - das war wieder mal ein Buch!
Salinger, der Amerikaner, der mit seiner von hier stammenden Frau und dem gemeinsamen Kind in  Siebenhoch wohnt, erfährt von einem Unglück, dass sich in Siebenhoch damals 1985 zugetragen hat. Da ist er selbst von einem Unglück gezeichnet, für das er teilweise mitverantwortlich ist und bei dem mehrere Menschen starben - nur er nicht.
Salinger beginnt sich für das sogenannte Bletterbachschlucht-Massaker zu interessieren und beginnt außerdem darüber nachzuforschen. Obwohl er es seiner Frau mehrmals verspricht und hin und wieder auch Prügel einstecken muss, kann er von diesem Fall nicht ablassen und erhält immer neue Hinweise, bis er schließlich der Wahrheit immer näher kommt. Und diese Wahrheit, nämlich dass da etwas sein soll, was schon seit Millionen von Jahren da lebt, kommt auch Salinger näher...

Kurzum: Es war wahnsinnig spannend!
Sehr spannend und sehr nervenaufreibend. D'Andrea fährt hier meiner Meinung nach großes Geschütz auf: der Einstieg ist schon recht spannend & erklärt, dass die Siebenhochner dem Zugezogenen nicht so ganz grün sind, dann auch die vielen Bewohner von Siebenhoch (die möglicherweise den ein oder anderen straucheln lassen, ob der vielen Namen), die für mich charakterlich zwar größtenteils nur an der Oberfläche gekratzt haben, aber genug, um zu sehen, was hinter der Stirn in etwa vorgeht. D'Andrea spielt auch gern auf der psychologischen Schiene. Das hat mir gut gefallen, auch dieses Mystische, dass da etwas ist, was wir uns nicht erklären können....
Der Reiz dieses Buches liegt meiner Meinung primär auch am Setting und dem Ort des Geschehens.

Die Sprache, mit der D'Andrea erzählt, gefällt mir sehr gut, er kann sehr gut die Szenerien beschreiben, aber und vor allem die Gefühle der Menschen. Er schafft es die jeweiligen Stimmungen einzufangen und nicht selten hab ich geschaudert, weil er die Stimmung auf den Punkt getroffen hat.
Der Autor lässt viele Themen in die Geschichte einfließen - dass ist meiner Meinung in den meisten Fällen keine gute Idee, hier aber funktioniert das erstaunlich gut. Möglicherweise, weil er jedem Thema den notwendigen Raum lässt, ohne sich zu sehr darauf zu fixieren.

Aber: Obwohl es die Spannung einerseits über die meiste Zeit des Buches halten kann & wirklich interessant ist, ufert es mir zwischendurch zu sehr aus. Da durch hat es trotz der Spannung seine Längen - man denkt sich hin und wieder: 'Komm mal zum Punkt.'
Das liegt für mich mitunter auch an dieser Besessenheit, die Salinger an den Tag legt. Die ist für mich sehr schwer nachvollziehbar. Warum versteift er sich so sehr auf diese Geschichte? Wenn man als Fremder interessiert ist, okay; wenn man vielleicht auch mal etwas mehr wissen will, als üblicherweise im Ort erzählt wird, okay. Aber Salinger steigert sich da richtig rein. Das wirkte manchmals recht unglaubwürdig; dass hinderte mich manchmal etwas in meinem Lesefluss.

Überraschend fand ich das Ende, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet und ich persönlich finde es als sehr gelungen. Für mich war das Finale das I-Tüpfelchen auf dem Strich/ Buch.

Ich habe das Buch trotz seiner Längen wahnsinnig gern gelesen und möchte es jedem auch ans Herz legen. Lasst Euch nicht von den Ausuferungen abschrecken!

Samstag, 24. Februar 2018

Rezension: 'Schweig wie ein Grab' von Tessa Korber

Tessa Korber - Schweig wie ein Grab
Krimi // btb // 12.2.18
256 Seiten // 10,00€ // Taschenbuch
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von btb zur Verfügung gestellt!
Vielen Dank dafür!





Ein einsames Kloster im Wald...
 ... und Nonnen, die zum Schweigen verdammt sind.

Mitten in der Nacht liegt Nebel über dem alten Kirchhof der Kartäuserinnen in der Fränkischen Schweiz. Auf dem klostereigenen Gottesacker des Schweigeordens machen sich seltsame Gestalten zu schaffen - das Grab für eine Verschiedene soll ausgehoben werden, doch kommt plötzlich eine Leiche zum Vorschein, die dort nicht hingehört.

Band 3 der 'Viktor-Anders-Reihe'






... So war's ...

Viktor Anders ist Mitarbeiter der Firma 'Anders & Anders'; welche Bestattungen anbieten. Viktors Onkel hat mit den Kartäuserinnen ein Abkommen - stirbt eine Nonne, wird sie von den verbliebenen Nonnen gewaschen und hergerichtet und am Altar zurechtgelegt, wo dann der Bestatter sie übernimmt, in einen Sarg legt und im klostereigenen Friedhof vergräbt. Da Wolfgang bereits unterwegs ist, übernimmt dieses Mal Viktor diesen Job - er nimmt gezwungenermaßen seinen autistischen Cousin Tobias mit. Doch durch diverse Umstände, verursacht durch Tobias, finden die beiden eine weitere Leiche, eine die aber mit Sicherheit nicht dahingehört.
Schließlich wird Viktor, der zwar vorher schon ein bisschen in der Sache rumgestochert hat, von Julia, der Freundin des Toten, in die Geschichte reingezogen.

Wo soll ich anfangen?

Tessa Korbers erzählerische Sprache mochte ich sehr - gerade die Dialoge, die sie zwischen Bestatter und Hinterbliebenen führen lässt, sagten mir größtenteils zu, Viktor hat da ein Händchen für die richtigen Worte. Überhaupt fallen hier oft die richtigen Worte finde ich. Korbers Erzählstil zieht einen auf jeden Fall in seinen Bann.

Der Fall an und für sich fand ich gelungen und hat Spaß gemacht. Auch die Auflösung fand ich recht überraschend, das war für mich nicht vorhersehbar. Wenngleich das Buch etwas langsamer beginnt, fand ich die Geschichte überwiegend spannend.
 Ein paar Punkte in der Geschichte haben mich etwas gestört, meiner Meinung nach hätte es die so nicht gebraucht, zum Beispiel diese Sache mit den Russen. Das fand ich etwas schade.

Schade fand ich auch dieses Liebesgedöns von Viktor, das hat mich persönlich ein bisschen gestört, zum einen, weil Viktor immer gerade das liebt, was er nicht haben kann, aber auch, weil ich nicht immer verstanden habe, worum es geht - erst nach einer Weile wurde mir klar, dass es sich hierbei um den dritten Band der Reihe um Viktor Anders dreht. Das war manches Mal etwas hinderlich.

Auch nervten mich auch ein bisschen die einzelnen Personen, z.B. die Thematik um Miriam fand ich eher uninteressant, ebenso fand ich den ein oder anderen Charakter eher nicht so gelungen zum Beispiel Karoline oder Julia.
Ich konnte nicht alle Handlungen der Protagonisten als authentisch empfinden, im Gegenteil: manches Mal fand ich die Handlungen der Protagonisten sogar eher kindisch und verquer.


Alles in allem: Das Buch hat mich gut unterhalten! Ich fand es spannend und auf seine Art gelungen, leider waren mir manche Handlungsstränge unpassend und einige Charaktere unsympathisch & zu wenig authentisch (ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass sie für dieses Buch ganz und gar unnötig waren).
Dennoch würde ich dieses Buch empfehlen, allerdings mit dem Zusatz: Besser mit Band 1 beginnen!

Freitag, 23. Februar 2018

Rezension: 'Und am Morgen waren sie tot' von Linus Geschke

Linus Geschke - Und am Morgen waren sie tot
Kriminalroman // Ullstein // 2016
394 Seiten // 9,99 € // Taschenbuch



Oktober 1997: Zwei junge Pärchen zelten im deutsch-belgischen Grenzgebiet. Zwei Tage später wird eines der Paare tot im Wald gefunden, das andere bleibt verschwunden.
Der Journalist Jan Römer berichtet Jahre später über den Fall. Gemeinsam mit Kollegin Stefanie Schneider will er herausfinden, was in jener Nacht  wirklich geschah. Er stößt dabei auf einen Gegner, der ebenso grausam wie manipulativ vorgeht - und auf ein Geheimnis, das weit in die deutsche Vergangenheit reicht ...


Band 2 der Jan-Römer-Reihe






... So war's ...

Hach, das war mal wieder so ein richtig guter Krimi!
Spannend, überraschend und sehr kurzweilig.
Gerade die Spannung hielt sich für mich von der ersten bis zur letzten Seite. Es werden zwischen durch zwar Fragen beantwortet, aber immer wieder neue aufgeworfen und man kommt nicht umhin, mitzurätseln, was passiert und wer verantwortlich ist. Es tauchen viele neue Wendungen auf und ich finde diese keineswegs hinderlich, sondern sogar das, was diesen Krimi ausmacht.

Sehr gelungen fand ich auch die Charaktere, manche wurden zwar nur grob skizziert, aber das reichte völlig aus, um ein Bild zu erhalten - diese Charaktere agierten nicht zusammenhanglos, sondern es wirkte insgesamt sehr stimmig und authentisch. In den jeweiligen Szenen fand ich auch die Stimmungen recht gut eingefangen. Überhaupt fand ich, dass Linus Geschke eine sehr einnehmende & erzählerische Sprache hat und nebenbei einige kluge Aussagen macht.

Zwischendurch hatte ich mal ein bisschen Angst, dass es ein plumper Neonazi-Krimi wird, aber diese Angst war völlig unbegründet. Im Gegenteil, hier wurde ein Teil der deutschen Geschichte aufgeworfen, von der ich so auch noch nicht gewusst habe und ich bin mir sicher, dass es einigen anderen Lesern auch so geht - ich hab dazu sogar noch privat weiter recherchiert, weil ich es so interessant fand.

Obwohl dies Band 2 einer Reihe ist, hab ich aber keine Verständnisprobleme gehabt - Infos aus dem Vorbuch wurden kurz angerissen, dennoch konnte man sich problemlos zusammenreimen, was zuvor geschah und was für den Fortverlauf wichtig ist.  

Insgesamt ist das Buch sehr spannend und auch unterhaltsam, in meinen Augen aber keineswegs seicht. Wenn ich auch etwas anderes erwartet hatte, bin ich doch sehr angetan vom Verlauf der Geschichte.  
Linus Geschke bleibt auf jeden Fall in meinem Blickfeld (und auch dessen Reihe um Jan Römer) und dieses Buch kann ich jedem Krimiliebhaber ans Herz legen!

Sonntag, 4. Februar 2018

Rezension: 'Whiskey für drei alte Damen' von Minna Lindgren

Minna Lindgren - Whiskey für drei alte Damen oder Wer geht hier am Stock?
 Roman // Kiepenheuer & Witsch // 2016
352 Seiten // 14,99€ // Klappbroschur



Ein Buch über beste Freundinnen, die trotz ihres hohen Alters weder ihren Humor noch ihren Sinn für das, was im Leben zählt, verlieren und einfach nur wollen, dass man sie so leben lässt, wie sie das gerne möchten.
Die aufgeweckten, sehr agilen Witwen Siiri, Irma und Anna-Liisa sind Nachbarinnen in der Seniorenresidenz »Abendhain«. Als das Haus renoviert wird und man die Bewohner mit Krach, abgestelltem Wasser und einer kalten Küche malträtiert, beschließen sie, übergangsweise eine WG zu gründen. Mit dem »Botschafter«, Anna-Liisas Ehemann, und einer weiteren Bewohnerin ziehen sie zusammen. Aber das WG-Leben hat so seine Tücken, und manche Marotten können zu großen Problemen führen. Vor allem, wenn erst nach und nach klar wird, wofür die Wohnung vorher genutzt wurde und wer dort alles verkehrte …



... So war's ...


Ach - ich weiß auch nicht. Lag's an mir? Lag's am Buch? Lag's an einer völlig falsche Erwartung?
Egal, was es war: Das Buch jedenfalls war leider ein absoluter Schuss in den Ofen. Erwartet hatte ich ein humorvolles Buch; ältere Damen, die möglicherweise einem Verbrechen auf die Spur kommen,  Spaß haben & nebenbei vielleicht auch die Tücken des Alltags, die entstehen, wenn man im hohen Alter nochmals an (neue) Mitbewohner gewöhnen muss bzw. da auch ungeahnte & humorvolle Begegnungen stattfinden, eben durch diese Wohnung, die mal nicht nur eine Wohnung war... 

Bekommen habe ich das:

Das Buch hatte für mich irgendwie keinen roten Faden, und, das fand ich noch viel schlimmer, auch irgendwie kein Ziel. Die alten Frauen überlegen die ganze Zeit hin und her, ob sie sich nun beschweren wollen über die Zustände im Altenheim (bzw. über das, was lief seit dem Umbau) oder nicht, und als sie es endlich geschafft haben, sich zu beschweren, beginnen sie ernsthaft zu überlegen, ob der Kampf überhaupt sinnvoll ist.
Das Buch kommt nicht richtig vom Fleck und ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass die Autorin selbst nicht so richtig weiß, was sie eigentlich will. 

Unsympathisch waren mir auch die alten, hochbetagten Damen - vielmehr haben sie mich sogar genervt, lediglich mit Siiri konnte ich mich anfreunden. Der Rest war mir zu sehr ich-bezogen, zu prahlerisch und oft auch zu laut. Außerdem taktlos und rücksichtslos (wobei mir das von meiner Arbeit her nicht fremd ist).
Und was diese komische Geschichte mit dem Mahagonischmuckkästchen sollte, versteh ich nicht & vor allem diese blöde Aussage am Schluss, dass sich mit dem Tod eines der WG-Bewohner alles auflöst - das hätte man auch getrost weglassen können. Da war (womöglich) ein Verbrechen, dass sich allerdings so dir nix, mir nix in Luft aufgelöst hat.

Was mich allerdings am allermeisten gestört hat, war dieses rassistische Bild, was immer wieder durchbrach. Irgendwann im Buch entsteht zwischen Siiri und Muhis, einem Nigerianer, einen Freundschaft, die sich hauptsächlich ums Kochen dreht, doch der Rest ist, auch wenn sie schließlich Muhis und seinen Freund akzeptieren (und vermutlich auch nur, weil sie bei ihnen putzen und aufräumen), dennoch sehr misstrauisch und auch abfällig, was Ausländer angeht.

Überhaupt kam es mir oft so vor, als würde die Autorin das Buch dazu benutzen, sich über 1) Ausländer, 2) Bestatter, 3) Altenheime, 4) Krankenhäuser, 5) KrankenpflegerInnen & 6) AltenpflegerInnen zu beschweren. Möglicherweise gibt es in Finnland in der Hinsicht ein paar Missstände, darüber hab ich mich nicht genau informiert, aber für mich hat sowas nicht in einem Buch verloren. Vor allem, weil es einerseits nicht sachlich, aber auch nicht humorvoll daherkam - sondern einfach nur frustriert.


Und zu guter Letzt - es war einfach nicht witzig. Was als augenscheinlich lustige Komödie über eine Alten-WG und die damit verbundenen Tücken daher kommt, ist schließlich einfach nur eine langweilige, wirre Schimpftirade, die nicht zum Punkt kommt (was ja auch schwer fällt, wenn man keinen Punkt hat, zu dem man kommen könnte).

Donnerstag, 1. Februar 2018

Rezension: 'Die Stadt der träumenden Bücher // Teil 1 & Teil 2' von Walter Moers & Florian Biege

Walter Moers & Florian Biege - Die Stadt der träumenden Bücher / 
Teil 1: Buchhaim & Teil 2: Die Katakomben
Graphic Novel // Knaus // 6.11.2017/ 9.1.2018
109 Seiten/ 128 Seiten  // 25,00€ // Hardcover

Als der Pate des jungen Dichters Hildegunst von Mythenmetz stirbt, hinterlässt er ihm ein geheimnisvolles Manuskript. Dieses ist so makellos, dass Hildegunst nicht anders kann, als dem Geheimnis seiner Herkunft nachzugehen. Die Spur führt nach Buchhaim, der "Stadt der träumenden Bücher", wo Bücher nicht nur spannend oder komisch sind, sondern in den Wahnsinn treiben oder sogar töten können.

Teil 1, "Buchhaim", erzählt, wie Hildegunst nach Buchhaim kommt, es ihn in die Katakomben verschlägt, wo Bücherjäger sein Leben bedrohen, und wie er in der Ledernen Grotte auf die geheimnisvollen Buchlinge trifft.

Teil 2, "Die Katakomben", erzählt, wie Hildegunst aus der Gemeinschaft der Buchlinge vor den bösartigen Bücherjägern fliehen muss, anschließend dem Schattenkönig begegnet und den Rückweg an die Oberfläche Zamoniens antritt.

... So war's ... 

Brauchts wirklich ein Graphic Novel zu einem Buch, dass so großartig ist? Dass die pure Liebeserklärung an das Buch und das geschriebene Wort ist?
Das hab ich lange überlegt, auch schon während die Graphic Novel noch in der Entstehung war.

Mittlerweile hab ich beide Bände in meinem Besitz und hab sie auch ausführlichst angeschaut.
Ich würde sagen, dass man sie gar nicht so sehr mit dem Roman vergleichen kann. Die Graphic Novels kratzen nur an der Oberfläche des Romans, drehen sich absolut um das Visuelle. Manches wurde sehr gekürzt und auch oft genug wurde etwas weggelassen, dafür wurden aber die Bilder äußerst detailreich.
Auch wenn sie sich teilweise sehr von den Zeichnungen von Walter Moers abheben, haben sie ganz ihren eigenen Zauber und zogen mich in ihren Bann. Man konnte vieles entdecken.

Mir persönlich hat der zweite Band noch besser gefallen, wie der erste Band.

Teil 1 wartet mit einem Glossar und einer Panorama-Klapptafel auf, Teil 2 hingegen hat einen Ausschnitt des 'Making-of' im Abschlussteil. Das war sehr interessant zu sehen, wie das läuft.

Zwei Kritikpunkte habe ich: 1.) Ich finde, Buchhaim etwas zu kurz behandelt, gerade weil nun der visuelle Aspekt in Vordergrund rutscht, hätte ich mir persönlich gewünscht, hier noch ein bisschen mehr von diesem Traum eines jeden Lesers erhaschen zu dürfen. 2.) Und auch von der Darstellung der Ledernen Grotte bin ich enttäuscht, die habe ich mir ganz anders vorgestellt. 

Letztendlich bin ich aber absolut überzeugt und lege diese beiden Graphic Novels jedem Zamonien-Liebhaber ans Herz!

Donnerstag, 25. Januar 2018

Rezension: 'Die Instrumente des Herrn Jørgensen' von Georg Jonathan Precht & Richard David Precht

Georg Jonathan Precht & Richard David Precht - Die Instrumente des Herrn Jørgensen
Roman // Goldmann // 2009
572 Seiten // 8,95€ // Taschenbuch



Lilleø, eine kleine dänische Insel in der Ostsee: Für einen Sommer lang ist  der Kriminalassistent Ansgar Jørgensen auf das beschauliche Eiland versetzt worden, um die Provinz kennenzulernen. Doch bereits am Tag seiner Ankunft wird er mit einem mysteriösen Todesfall konfrontiert – und dies ist nicht das einzige Rätsel, das sicht hinter der malerischen Kulisse verbirgt. Als Jørgensen immer tiefer in die dunkle Geschichte der Insel eindringt, macht er ungeahnte Entdeckungen …

Ursprünglich unter dem Titel „Das Schiff im Noor“ erschienen.






... So war's ...

Richard David Precht ist ja vor allem dafür bekannt, philosophische Bücher zu schreiben. Er wird als einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum beschrieben, er ist Professor für Philosophie sowie Philosophie und Ästhetik.
Dieser Roman, den er zusammen mit seinem Bruder Georg Jonathan geschrieben hat,  wird als Bildungsroman mit detektivischen Elementen beschrieben, welches mit der Insel Lilleø eine Kullisse für ein kompliziertes Gespinst aus Motiven und Analogie, etwa jener zwischen Theologie und Polizei bietet. An der Oberfläche ist das Buch eine Detektivgeschichte um ein versunkenes Schiff und einen lange zurückliegenden Mord. Tiefer liegend handelt das Buch von der Ordnung der Dinge.


In meinen Augen stellte sich die Geschichte so dar:
Ansgar, Kriminalassistent und vor allem auch Entdecker und Erforscher, wird für ein halbes Jahr nach Lilleø versetzt, dort geht alles einen gemütlichen und langsamen Gang. Mordfälle und dergleichen? Gibt es nicht. Nur Legenden.
Ansgar kommt das Gleich, denn erstens mag er Legenden und außerdem hat er so Zeit, seinen Hirngespinsten nachzurennen und seinen Forscherdrang nachzugeben.
Malte, der hiesige Kommissar, setzt den Jüngling nebenbei noch darauf an, das Archiv zu sortieren. Ansgar stößt dabei, durch alte Akten und einigen Fragen, auf einen alten Fall, der scheinbar seine Fäden bis ins Jetzt gezogen hat.

Man schreibt das Jahr 1985. Damals hat man noch mehr Zeit zum Nachdenken, die Kriminalitätsrate ist gering. Ansgar beginnt, wie gesagt,  seinen Hirngespinsten nachzurennen und ich hatte öfters zwischendrin das Gefühl, dass er sich auch darin verrennt. Und nicht nur er verrennt sich darin, auch die Autoren verrennen sich in ihren Ideen.

Was gemächlich und ruhig anfängt und gerade anfangs auch seinen Charme dadurch hat, verliert sich zum Schluss hin in ein verwirrungsstiftendes Durcheinander. Dabei ist die kriminalistische Geschichte eher zweitrangig, was ich aber noch nicht mal als Nachteil empfinden würde. Auch finde ich, dass die beiden mit einer schöne Szeneriebeschreibung aufwarten können und allgemein gefällt mir auch die Sprache sehr gut. Ich mochte es, dass sie sich Zeit lassen beim Erzählen und ich mochte auch diese Detailverliebtheit - bis es irgendwann zuviel wurde.

Obwohl das Buch eine gute und irgendwie auch eine durchdachte Grundlage hatte, hatte es für mich letztendlich ein Problem: es ist zu gemächlich. Und dadurch wirkt es unglaublich zäh. Weniger ist eben nicht immer mehr. Man kommt einfach nicht vom Fleck.
Ich finde, hätte man manches ein bisschen gekürzt und ein bisschen mehr Spannungsbogen betrieben, hätte das dem Buch nicht geschadet (und man hätte vielleicht auch über die verwirrenden letzten 200 Seiten hinwegschauen können). 
Möglicherweise bin ich nicht intellektuell genug, um die Gedanken, die hinter diesem Buch stecken, zu verstehen (gerade, weil es als Bildungsroman beschrieben wird und angeblich im tieferen Sinn über die Ordnung der Dinge handelt - was für mich irgendwie nicht so klar darliegend war), für mich hatte das Buch einfach seine ausufernden Längen...
Öfters hatte ich das Gefühl, ich stehe hinter Ansgar und schaue ihm zu, wie er bewundernd auf dem Boden kniet, die Augen dicht am Boden, den Hintern in der Luft und sich stundenlang in der Bewunderung der Pflanzen oder irgendwelcher Unebenheiten verliert. Nein, so wurde er nicht beschrieben, aber tatsächlich erschien jede Handlung, die Ansgar zu machen schien, irgendwie lang zu dauern.

Wo andere Autoren zu viel auf einmal Wollen in möglichst kurzer Zeit, kommt unser Autoren-Duo hier einfach nicht zum Punkt.  Das Buch stellt nach der Hälfte des Buches eine große Geduldsprobe an den Leser dar, was schade ist, weil eigentlich eine richtig unterhaltsame & spannende Geschichte darin stecken würde. Nur kommt die Spannung halt durch den Erzählstil einfach nicht auf.

Tut mir leid, dass war leider nichts!


Sonntag, 21. Januar 2018

Rezension: '1984' von George Orwell

George Orwell - 1984
Ausgabe von 1978
Dystopie // Ullstein
281 Seiten




George Orwells '1984' ist längst zu einer scheinbar nicht mehr erklärungsbedürftigen Metapher für totalitäre Verhältnisse geworden. Mit atemberaubender Unerbittlichkeit zeichnet der Autor das erschreckende Bild einer durch und durch totalitären Gesellschaft, die bis ins letzte Detail durchorganisierte Tyrannei einer absolute autoritären Staatsmacht. Seine düstere Vision hat einen beklemmenden Wirklichkeitsbezug, dem sich auch der Leser von heute nur schwer entziehen kann.
"Freiheit bedeutet die Freiheit, zu sagen, daß zwei und zwei vier ist.
Gilt dies, ergibt sich alles übrige von selbst."





... So war's ...

Winston Smith lebt in London, welches nun in Ozeanien liegt - überhaupt gibt es nur noch drei Staaten auf der Erde: Ozeanien, Eurasien und Ostasien - diese drei Staaten sind regelmäßig mit einander verfeindet und liegen im ständigen Krieg miteinander. Ozeanien liegt ganz in der Hand des Großen Bruders - hierbei gilt: Der Große Bruder sieht und hört alles. Denn alle Wohnung sind mit Televisoren versehen, die sich nicht abschalten lassen. Sie reagieren auf jedes Atmen und auf jede Gesichstregung. Winston arbeitet im Ministerium für Wahrheit und befindet sich somit in der Partei und gehört damit zur mittleren Klasse, es gibt auch noch den Großen Bruder, der aber nicht als einzelne Person fungiert, und die Proles. Ganz klar - Ozeanien ist ein totalitärer Überwachungsstaat und wer nicht zum System passt, wird vaporisiert. Und letztendlich durch Mitarbeiter auch aus sämtlichen Medien gelöscht.
Auf die Geschichtsbücher kann man sich schon lange verlassen und so ganz sicher, ob es wirklich gerade das Jahr 1984 ist, ist sich Winston auch nicht. Und dann hat er da noch von der Untergrundbewegung, 'Die Brüderschaft' gehört. Und wenn es auch eine Gedankenpolizei gibt, gilt für Winston immer noch: Die Gedanken sind frei.

Das Buch beginnt mit dem Blick in Winston Smiths Alltag, als Mitglied der mittleren Klasse. Gerade diesen Einblick fand ich spannend und hätte mich da auch noch ein bisschen länger mit beschäftigen können. Ich finde diesen Alltag als Start des Buches wirklich gelungen.

Ich mochte das Buch, dennoch hatte es, trotz seiner Brisanz, seine Längen - die kamen für mich vor allem zum Ende des Buches.
Das Geschehen des Buches hab ich nicht immer ganz verstanden, insbesondere am Schluss kam ich manchmal nicht mehr mit. Wer war jetzt was und man sieht, dass nichts ist, wie es scheint - vielleicht, wenn ich so darüber nachdenke, war diese Verwirrung gewollt, weil es ja auch vom Großen Bruder gewollt ist, dass Vergangenes ausgemerzt wird und das, was in den Köpfen der Menschen bleibt, als eine haltlose Erfindung des jeweiligen Menschen ist und niemals wirklich existiert hat.

George Orwell Schreibstil ist eindringlich und präzise, die Erzählweise modern, obwohl das Buch bereits 1948 verfasst wurde. Die erdachte Welt von George Orwell empfand ich als sehr atmosphärisch, man konnte richtig merken, wie jede Abweichung von der Norm, jedes kleines bisschen Individualität, ausgemerzt wurde. Es wird ein singender Vogel beschrieben und wenn auch in jener Szene alles gut zu sein scheint, fiel es mir schwer, mir diesen singenden Vogel vorzustellen, einfach weil er so surreal wirkte. Er passt nicht ins Gesamtbild und so musste sich auch Winston gefühlt haben, als er merkt: Die Gedanken sind eben doch nicht frei. 


Man mag auf jeden Fall hoffen, dass wir niemals in so eine Welt abgleiten.



Dienstag, 16. Januar 2018

Rezension: 'Giftgrün' von Bettina Plecher

Bettina Plecher - Giftgrün
Kriminalroman // Rowohlt // 2013
294 Seiten // 9,99€ // Taschenbuch



Friedas erste richtige Stelle als Stationsärztin an einem Münchner Klinikum beginnt mit einem Paukenschlag: Schon am zweiten Tag ist ihr Doktorvater tot. Kolchizin-Vergiftung, stellt Friedas Mitbewohner, der Toxikologe Quast, schnell fest. Für die Klinikleitung ist der Fall damit geklärt – nicht das erste Mal, dass ein Hobbykoch beim Kräutersammeln im Englischen Garten Bärlauch mit der hochgiftigen Herbstzeitlose verwechselt hat. Doch Frieda und Quast hegen Zweifel. Und tatsächlich stellt sich heraus, dass der Tote selbst einige Leichen im Keller hatte – und dass Professor Naders Ableben mehr als einem Kollegen an der Eisbachklinik durchaus gelegen kommt ...




... So war's ...

Um ehrlich zu sein, das Cover hat mich ja ein bisschen vermuten lassen, das wäre so ein Krimi alá Kluftinger. Ist er aber gar nicht .
Im Gegenteil - er ist zwar durchaus amüsant, verkommt aber nicht zur Komik & ist nebenbei überwiegend gut durchdacht.

Spannend von der ersten bis fast zur letzten Seite empfand ich die Geschichte - die Auflösung des Falles kommt leider im Vergleich etwas lasch daher & hat mich etwas enttäuscht.
Hierbei fand ich, dass die Auflösung zu plötzlich und zu lustlos daherkam und irgendwie auch fast von allein, ohne das Zutun unserer Protagonisten, was ich irgendwie unnötig finde - das Ende wirkt einfach irgendwie dahingeschmiert und lässt bei mir noch Fragen offen.

Klasse fand ich die zwei Hauptfiguren, Quirin Quast und Frieda May, beides Ärzte in einer großen Klinik. Etwas unfreiwillig wohnen sie zusammen, arrangieren sich aber miteinander und manches Mal brizzelt es auch etwas zwischen den beiden. Hin und wieder verhalten sich die beiden kindisch & manchmal spielte mir Frau Plecher etwas zu sehr mit Klischees und Plattitüden. Kann man sich drübert aufregen, da dieses Buch aber keine hohe Literatur beansprucht, muss man sich nicht drübert aufregen.

Schön hätte ich es gefunden, wenn noch mehr der bayrische Dialekt seinen Weg ins Buch gefunden hätte. Das hätte das ganze etwas abgerundet.
Frau Plecher hat einen flüssigen Erzählstil, der einen zum Lesen antreibt, und festigte nebenbei das Bild, gerade im Krankenhaus, durch ein bisschen Fachwissen ab, ohne dabei aber zu schwadonieren. Das fand ich als sehr gelungen.

Wenn man also über die kleinen Makel hinweg sieht, hat man hier einen unterhaltsamen, leichten Krimi der Art Whodunit vorliegen & auch ich fühlte mich gut unterhalten.

Samstag, 13. Januar 2018

Rezension: 'SOG' von Yrsa Sigurðardóttir

Yrsa Sigurðardóttir - SOG
Thriller // btb // 18.9.2017
444 Seiten // 20,00€ // Hardcover
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von btb zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!



Zwölf Jahre nach dem Tod und der Vergewaltigung eines Mädchens wird eine Zeitkapsel in Reykjavik gehoben. Darin enthalten: 10 Jahre alte Briefe von Schülern, die beschreiben, wie sie sich Island im Jahre 2016 vorstellen. Darunter findet sich noch etwas anderes: eine unheimliche Botschaft, die akribisch genau die Initialen von zukünftigen Mordopfern auflistet. Kurz danach werden zwei abgetrennte Hände in einem Hot Tub in der Stadt treibend gefunden. Doch noch hat keiner eine Vermisstenanzeige bei der Polizei gestellt. Ein Fall für Kommissar Huldar, der sich beweisen muss: von seinen Leitungsaufgaben entbunden, wird er von den meisten seiner früheren Untergegebenen gemieden, die Beziehung zur Kinderpsychologin Freyja ist ebenfalls ruiniert, was er zu reparieren hofft, indem er sie in die jetzigen Ermittlungen mit einbezieht ...

 

 

... So war's ...

Spannend war's - von der ersten Seite an. 
Das ist meiner Meinung nach der große Pluspunkt dieses Buches. Es ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite, vieles wirft Fragen auf, wirft Vermutungen auf, die aber nach und nach gelöst werden  - die Autorin schafft es den Spannungsbogen durchgängig zu halten. 

Aber - und das ist leider ein großes Aber: 
Mir stießen einige Dinge ziemlich auf.
Da wären vor allem die Charaktere, die mir zum Ende des Buches wahnsinnig unsympathisch werden - ja auch Freyja, die dieses Mal eher eine Randfigur zu spielen scheint.
Huldar dreht zum Ende hin komplett ab - und diese Geschichte ist ein Part der Story, der nicht hätte sein müssen. Klar, kann ich die Wut und die Hilflosigkeit nachvollziehen - dass ihm dafür noch auf die Schultern geklopft wird, finde ich völlig falsch. 
Und Erla - ja, mit der wurde ich von Anfang an nicht so warm, aber in diesem Buch wirds noch schlimmer. Einerseits stößt sie Huldar weg und andererseits muss sie bei Freyja aber ständig ihr Revier abstecken, was Huldar angeht. 
 Ich mag dieses widersprüchliche Verhalten der Charaktere nicht. 
Freyja wird aus dieser Geschichte irgendwie rausgehalten, obwohl Huldar sie zu genügend Verdächtigen mitschleppt. Damit Freyja aber nicht komplett außen vor ist, bekommt sie noch eine kleine Familiengeschichte verpasst - so scheint mir. Das war zwar irgendwie nett, aber fand ich manchmal etwas hinderlich.
Und dieses Hin und Her zwischen Freyja und Huldar... nervt einfach nur. 

Aber nicht nur die unsymapthischen Charaktere stießen mir auf, es waren auch ein paar kleine Ungereimtheiten - zumindest waren sie das für mich. Da war die Sache mit den Initialen - vielleicht bausche ich das zu sehr auf, aber ich erwartete hier irgendwie noch den großen Knall - ohne zu sehr zu spoilern... der Knall kam nicht. 
 Dann dieses derart negative Bild von Polizei- und Justizsystem fand ich abschreckend und unrealistisch zugleich. Island steht immerhin auf Platz 14 von 176 Länder, die auf Korruption getestet wurde. Deutschland hat Platz 10. Es ist zwar nicht supergut, aber bei 176 Plätzen ist Platz 14 ganz ordentlich.  Hier ein Link zu dieser Aussage.
Doch dieser Polizeiverein erschien mir wie ein Kindergarten. Da war kein Pfennig Professionalität.

Und zu guter letzt bemängle ich auch in diesem Buch, was ich bereits bei 'DNA' bemängelt habe. Mir fehlt das Mystische, was in den anderen Büchern von Sigurðardóttir auftaucht und sie von anderen Thrillern abhebt.

Ich lese Yrsa  Sigurðardóttir wirklich gerne, aber mit ihrer neuen Reihe macht sie es mir nicht leicht.




Donnerstag, 11. Januar 2018

Rezension: 'Tragödie auf einem Landfriedhof' von Maria Lang

Maria Lang - Tragödie auf einem Landfriedhof
Kriminalroman // btb
235 Seiten // 10,00€
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von btb zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!

 

 

Schwedische Spannung zu Weihnachten.

Schneeflocken fallen. Kamine prasseln. Im Dörfchen Västlinge wird Weihnachten gefeiert. Einzig die Leiche im örtlichen Lebensmittelladen stört die Idylle ...
Für alle Fans von Miss Marple und Hercule Poirot! Und natürlich Inspector Barnaby - Maria Lang, die schwedische Agatha Christie!









... So war's ...

Als schwedische Agatha Christie wird sie beworben.
Ich bin ein großer Agatha-Christie-Fan und bin mit anderen ähnlich beworbenen Büchern schon ein paar Mal in ein Fettnäpfchen getappt. esmal mit anderen, als ähnlich beworbenen Titel skeptisch. Dennoch las ich das Buch und tatsächlich, eine gewisse Ähnlichkeit kann man ihr nicht absprechen.
ABER:
Maria Lang muss sich bestimmt nicht hinter Christie verstecken. Sie hebt sich durchaus von ihr ab.
Dieses Buch erschien 1954 in Schweden- aber, obwohl die Sprache hier und da etwas gezierter ist, ist es durchaus gut in unserer Zeit zu lesen (das ist, was Maria Lang auch mit Christie verbindet).


Der Fall ist raffiniert und gut überlegt. Ich hatte lange meine Mühe, herauszufinden, wer der Mörder sein könnte. Die Seiten sind rasch runter gelesen, weil die Geschichte auf eine ruhige Art spannend ist. Der Fall ist eher gediegener Art und dennoch macht es Spaß. Es muss auch nicht immer so extrem brutal sein.
Ein bisschen flach ist die eine oder andere Figur, aber in Anbetracht der Dicke des Buches ist das durchaus in Ordnung - sie weisen dennoch genügend Tiefe für Authentizität und sogar Skurillität auf.

Toll fand ich auch die Zeichnung, gleich am Anfang des Buches, das eine Übersicht der Straße zeigt, sowie die Zeichnung am Ende des Buches, welches eine Übersicht der Wohnung des Ermordeten zeigt. Dies macht das ganze etwas plastischer.

Ich habe den Krimi am zweiten Weihnachtsfeiertag angefangen zu lesen und fande, er passte hervorragend - allerdings kann man das Buch meiner Meinung nach auch gut außerhalb der Weihnachtszeit lesen.

Klare Leseempfehlung!

Samstag, 30. Dezember 2017

Rezension: 'Die Wolkenfischerin' von Claudia Winter

Claudia Winter - Die Wolkenfischerin
Roman // Goldmann
399 Seiten // 9,99€
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von Goldmann zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!


 Charmant und gewitzt hat sich Claire Durant auf der Karriereleiter eines Berliner Gourmet-Magazins ganz nach oben geschummelt. Denn niemand ahnt, dass die Französin weder eine waschechte Pariserin ist noch Kunst studiert hat – bis sie einen Hilferuf aus der Bretagne erhält, wo sie in Wahrheit aufgewachsen ist: Ihre Mutter muss ins Krankenhaus und kann Claires gehörlose Schwester nicht allein lassen. Claire reist in das kleine Dorf am Meer und ahnt noch nicht, dass ihre Gefühlswelt gehörig in Schieflage geraten wird. Denn ihr Freund Nicolas aus gemeinsamen Kindertagen ist längst nicht mehr der schüchterne Junge, der er einmal war, und dann taucht aus heiterem Himmel auch noch ihr Chef auf. Claire muss improvisieren, um ihr Lügengespinst aufrechtzuerhalten – und stiftet ein heilloses Durcheinander in dem sonst so beschaulichen Örtchen Moguériec …

 

 

... So war's ...

Claire Durant ist Pariserin und so gibt sie sich auch, blöd nur, dass das eigentlich gar nicht stimmt. Eigentlich heißt sie Gwenaelle und stammt aus der Bretagne und all die Arbeits-Zertifikate sind nicht echt. Blöd, dass sie ihrem Chef vorgeflunkert hat, dass sie dringend nach Paris muss. Und blöd, dass ausgerechnet ihr Chef dann in ihrem Heimatort Urlaub machen muss, wo sie nach so langer Zeit endlich mal heimkehrt, weil ihre Mutter im Krankenhaus liegt und die gehörloses Schwester von Claire nicht allein zurecht kommt. Und das obwohl ihr Chef denkt, sie sei in Paris. Und klar, dass dann mit Claires kopfloser Lügerei so ein Wirrwarr entsteht.

Wirrwarr & Heilloses Durcheinander - das trifft's ziemlich gut. Die Geschichte hat Charme, aber ganz ehrlich? So richtig sprang der Funke nicht über. Erst dachte ich, dass liegt vielleicht am Anfang, aber mit der Zeit wurde klar - ich konnte mich mit den Charakteren nicht so recht anfreunden, auch nicht mit dieser sinnlosen Lügerei und erst recht nicht mit dem Durcheinander, dass letztendlich daraus entstand.
Claire Durant war für mich sehr widersprüchlich, oft war sie mir unsympathisch, obwohl sie eigentlich recht freundlich ist - aber diese Lügerei ging einfach gar nicht. Dieses Ding, dass sie plötzlich mit ihrem Chef hat, obwohl all die Jahre davor nichts passiert ist, empfand ich irgendwie zu plötzlich und wirkte für mich ein wenig an den Haaren herbeigezogen.  Die anderen Figuren bleiben verhältnismäßig flach, einzig zu Maelys konnte ich etwas Zugang finden, was aber vermutlich nur daran liegt, dass ich selbst schlecht höre. Denn ganz ehrlich, dieser tagtägliche Backwahnsinn find ich einfach nur... seltsam. Dabei nervt mich, dass Maelys am Anfang als so dämlich dargestellt wird - nur weil man gehörlos ist, heißt das nicht, dass man sein Leben nicht alleine meistern kann. Es wird schließlich deutlich, dass Maelys ganz und gar nicht doof ist, aber das dieses 'Behinderte kommen nicht allein zu Recht'-Klischee nervt mich einfach.

Insgesamt war die Geschichte schlüssig und nicht schlecht aufgebaut - leider konnte ich mich nicht so recht mit dem Durcheinander anfreunden. Diese Geschichte hat mich, weil ich auch nicht immer dranbleiben konnte, manchmal sehr verwirrt. Claudia Winters Schreibstil ist einfach nicht so mein Fall. Möglicherweise habe ich zuviel von dieser Geschichte erwartet.

Leider wurde ich mit diesem Buch nicht warm - die Geschichte an und für sich ist schon tausend Mal dagewesen und bringt leider auch keine große Überraschung. Durch die mir unsympathischen Figuren und dem Durcheinander fiel auch der Part Authentizität für mich weg. So schön eine Reise in die Bretagne sein kann, die Reise in dieses Buch war leider eher mühsam und enttäuschend.