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Donnerstag, 5. Oktober 2017

Rezension: 'Astrid Lindgren . Ihr Leben' von Jens Andersen

Jens Andersen - Astrid Lindgren . Ihr Leben
Biographie // Pantheon
447 Seiten // 16,99€
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Pantheon-Verlag zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!

Jens Andersen blickt in dieser ersten umfassenden Biografie nach Astrid Lindgrens Tod hinter die Fassade des weltweiten Erfolgs und erzählt ihr Leben neu. Eine einfühlsam-respektvolle Biographie, die uns den Menschen Astrid Lindgren zeigt, die bekannteste Geschichtenerzählerin der Welt, eine bedeutende politische Autorin und Kämpferin für Menschenrechte.

Vor siebzig Jahren begann Astrid Lindgrens außerordentliche Karriere als Schriftstellerin. Auf Pippi Langstrumpf folgten Bücher, die die Kinderliteratur revolutionierten – und ihre Autorin schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden ließen. 2002 verstarb Lindgren 94-jährig; man kannte sie als engagierte Frau, die für Frieden, Gerechtigkeit und die Rechte von Kindern eintrat. Jens Andersen erzählt in seiner preisgekrönten Biographie »ihr Werk und Leben erschreckend neu« (SZ). Über Jahre hinweg studierte er unveröffentlichte Quellen, und so kommt eine Autorin zu Wort, die nicht nur weltweit Erfolge feiern durfte, sondern Einsamkeit und Trauer kannte und ein Leben lang von Schuldgefühlen geplagt war, weil sie ihren unehelichen Sohn bei Pflegeeltern hatte unterbringen müssen. Zugleich aber erzählt Jens Andersen eine Geschichte von Moderne und Modernisierung – Astrid Lindgren, die das 20. Jahrhundert miterlebt und mitgeprägt hat, wird zu einer bewundernswerten Ikone des Jahrhunderts der Gleichberechtigung.

... So war's ...


Astrid Lindgren ist eine wahnsinnig faszinierende Person - allein, bei Pippi Langstrumpf frage ich mich immer wieder, was in Lindgrens Kopf vorging. Über ihr Leben wusste ich bis dato nicht viel, lediglich, dass sie eine Tochter hat und, so wurde es immer wieder in Medienberichten gesagt, 'ein bewegtes Leben hatte'. Wie genau dieses bewegte Leben aussah, wusste ich nicht.
Nun lief mir also diese Biographie über den Weg und sie erschien mir als genau richtig, um mein Wissen um die Person hinter 'Pippi Langstrumpf', 'Madita', 'Karlsson auf dem Dach' und wie sie alle hießen, zu erweitern.

Astrid Lindgren hat ein bewegtes Leben gehabt, dass kann ich nun nach dieser Biographie sagen. Sie musste in ihrem Leben mit einem zurecht kommen und wie sie das gemeistert hat, find ich klasse. Das find ich vom Autor auch klasse dargestellt. Astrid Lindgren war keine Person, die sich nicht mehr zu helfen wusste, sondern sie war eine Person, die immer, egal was kam, vorwärts gegangen ist.
Sie hat Kinder sehr geliebt und diesen ihr Leben gewidmet - sowohl ihren eigenen Kindern, als auch fremden Kindern, denen sie ihre wunderbaren Geschichten zukommen lies. 
Diese Biographie über Astrid Lindgren ist  sehr umfassend, und manches wurde mir zu detailreich recherchiert und erörtert. Dadurch wirkte das Buch manchmal etwas zäh und man kam in die Verlegenheit, überblättern zu wollen. Anderes wird hingegen direkt überflogen. Mir herrschte hier manches Mal ein zu großes Ungleichgewicht.
Dazu kommt, dass der Autor vieles gerne wiederholt. Er driftet vor und wieder zurück und manchmal tat ich mich schwer, den Sprüngen zu folgen, beziehungsweise irgendwann war ich auch genervt, wenn man das Hinterste übers Vorderste kehrt und so weiter - dabei meine ich nicht, dass er nicht auch bereits gesagtes nicht wiederholen darf, es kam nur relativ häufig vor. 
Dabei kommt es leider auch vor, dass der Autor, obwohl er sich sehr Mühe gibt, die Geschichten nur so aneinanderreiht. Ich hätte mir hier das Fließende, wie es ja auch im Leben ist, dass alles ineinander übergreift, gewünscht. Oder eben eine klare Trennung - dies war es aber leider auch nicht, weil ja die besagten Sprünge vor und zurück immer wieder eingebaut wurden.
Mir persönlich war ein großer Dorn im Auge, dass mir Lindgren manchmal sehr unsympathisch daher kam. Ich kann nicht glauben, dass so jemand, der solche Bücher schreibt, so gewirkt haben soll. Vielleicht hab ich manches im falschen Kontext verstanden, oder ich weiß nicht, was das Problem war. Dabei hab ich kein Problem damit, wenn jemand von einem idealisierten Thron gehoben wird, weil er eben doch nicht war, wie er sich darstellt oder auch dargestellt wird. Hier waren es auch nicht die ganz großen Sachen, sondern mehr so Kleinigkeiten und Äußerungen, die mir unsympathisch waren.
Ein bisschen mehr Elan hätte dem Buch wirklich gut getan - dabei muss es ja nicht reißerisch zugehen, aber es fühlte sich für mich einfach sehr zäh an. 

Astrid Lindgren hatte ein erfülltes und spannendes Leben, in der Biographie fehlt es aber an Spannung. Und das, obwohl Lindgrens Leben ein ganzes Füllhorn an Spannung bietet. Schade!