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Dienstag, 27. Februar 2018

Rezension: 'Der Tod so kalt' von Luca D'Andrea

Luca D'Andrea - Der Tod so kalt
Thriller // DVA // 2017
14,99€ // 480 Seiten // Klappbroschur

Südtirol, 1985. Tagelang wütet ein gewaltiges Gewitter über der Bletterbach-Schlucht. Drei junge Einheimische aus dem nahegelegenen Siebenhoch kehren von einer Wanderung nicht zurück – schließlich findet ein Suchtrupp ihre Leichen, aufs Brutalste entstellt. Den Täter vermutet man im Bekanntenkreis, doch das Dorf hüllt sich in eisiges Schweigen.
Dreißig Jahre später beginnt ein Fremder unangenehme Fragen zu stellen. Jeder warnt ihn vor den Konsequenzen, allen voran sein Schwiegervater, der die Toten damals gefunden hat. Doch Jeremiah Salinger, der seiner Frau in ihr Heimatdorf gefolgt ist, lässt nicht locker – und wird schon bald seine Neugier bereuen. Ein Fluch scheint alle zu verfolgen, die sich mit den Morden beschäftigen. Ist dort unten am Bletterbach etwas Furchtbares wieder erwacht? Etwas, so uralt wie die Erde selbst ...


... So war's ...

Phuuuu - das war wieder mal ein Buch!
Salinger, der Amerikaner, der mit seiner von hier stammenden Frau und dem gemeinsamen Kind in  Siebenhoch wohnt, erfährt von einem Unglück, dass sich in Siebenhoch damals 1985 zugetragen hat. Da ist er selbst von einem Unglück gezeichnet, für das er teilweise mitverantwortlich ist und bei dem mehrere Menschen starben - nur er nicht.
Salinger beginnt sich für das sogenannte Bletterbachschlucht-Massaker zu interessieren und beginnt außerdem darüber nachzuforschen. Obwohl er es seiner Frau mehrmals verspricht und hin und wieder auch Prügel einstecken muss, kann er von diesem Fall nicht ablassen und erhält immer neue Hinweise, bis er schließlich der Wahrheit immer näher kommt. Und diese Wahrheit, nämlich dass da etwas sein soll, was schon seit Millionen von Jahren da lebt, kommt auch Salinger näher...

Kurzum: Es war wahnsinnig spannend!
Sehr spannend und sehr nervenaufreibend. D'Andrea fährt hier meiner Meinung nach großes Geschütz auf: der Einstieg ist schon recht spannend & erklärt, dass die Siebenhochner dem Zugezogenen nicht so ganz grün sind, dann auch die vielen Bewohner von Siebenhoch (die möglicherweise den ein oder anderen straucheln lassen, ob der vielen Namen), die für mich charakterlich zwar größtenteils nur an der Oberfläche gekratzt haben, aber genug, um zu sehen, was hinter der Stirn in etwa vorgeht. D'Andrea spielt auch gern auf der psychologischen Schiene. Das hat mir gut gefallen, auch dieses Mystische, dass da etwas ist, was wir uns nicht erklären können....
Der Reiz dieses Buches liegt meiner Meinung primär auch am Setting und dem Ort des Geschehens.

Die Sprache, mit der D'Andrea erzählt, gefällt mir sehr gut, er kann sehr gut die Szenerien beschreiben, aber und vor allem die Gefühle der Menschen. Er schafft es die jeweiligen Stimmungen einzufangen und nicht selten hab ich geschaudert, weil er die Stimmung auf den Punkt getroffen hat.
Der Autor lässt viele Themen in die Geschichte einfließen - dass ist meiner Meinung in den meisten Fällen keine gute Idee, hier aber funktioniert das erstaunlich gut. Möglicherweise, weil er jedem Thema den notwendigen Raum lässt, ohne sich zu sehr darauf zu fixieren.

Aber: Obwohl es die Spannung einerseits über die meiste Zeit des Buches halten kann & wirklich interessant ist, ufert es mir zwischendurch zu sehr aus. Da durch hat es trotz der Spannung seine Längen - man denkt sich hin und wieder: 'Komm mal zum Punkt.'
Das liegt für mich mitunter auch an dieser Besessenheit, die Salinger an den Tag legt. Die ist für mich sehr schwer nachvollziehbar. Warum versteift er sich so sehr auf diese Geschichte? Wenn man als Fremder interessiert ist, okay; wenn man vielleicht auch mal etwas mehr wissen will, als üblicherweise im Ort erzählt wird, okay. Aber Salinger steigert sich da richtig rein. Das wirkte manchmals recht unglaubwürdig; dass hinderte mich manchmal etwas in meinem Lesefluss.

Überraschend fand ich das Ende, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet und ich persönlich finde es als sehr gelungen. Für mich war das Finale das I-Tüpfelchen auf dem Strich/ Buch.

Ich habe das Buch trotz seiner Längen wahnsinnig gern gelesen und möchte es jedem auch ans Herz legen. Lasst Euch nicht von den Ausuferungen abschrecken!