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Donnerstag, 25. Januar 2018

Rezension: 'Die Instrumente des Herrn Jørgensen' von Georg Jonathan Precht & Richard David Precht

Georg Jonathan Precht & Richard David Precht - Die Instrumente des Herrn Jørgensen
Roman // Goldmann // 2009
572 Seiten // 8,95€ // Taschenbuch



Lilleø, eine kleine dänische Insel in der Ostsee: Für einen Sommer lang ist  der Kriminalassistent Ansgar Jørgensen auf das beschauliche Eiland versetzt worden, um die Provinz kennenzulernen. Doch bereits am Tag seiner Ankunft wird er mit einem mysteriösen Todesfall konfrontiert – und dies ist nicht das einzige Rätsel, das sicht hinter der malerischen Kulisse verbirgt. Als Jørgensen immer tiefer in die dunkle Geschichte der Insel eindringt, macht er ungeahnte Entdeckungen …

Ursprünglich unter dem Titel „Das Schiff im Noor“ erschienen.






... So war's ...

Richard David Precht ist ja vor allem dafür bekannt, philosophische Bücher zu schreiben. Er wird als einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum beschrieben, er ist Professor für Philosophie sowie Philosophie und Ästhetik.
Dieser Roman, den er zusammen mit seinem Bruder Georg Jonathan geschrieben hat,  wird als Bildungsroman mit detektivischen Elementen beschrieben, welches mit der Insel Lilleø eine Kullisse für ein kompliziertes Gespinst aus Motiven und Analogie, etwa jener zwischen Theologie und Polizei bietet. An der Oberfläche ist das Buch eine Detektivgeschichte um ein versunkenes Schiff und einen lange zurückliegenden Mord. Tiefer liegend handelt das Buch von der Ordnung der Dinge.


In meinen Augen stellte sich die Geschichte so dar:
Ansgar, Kriminalassistent und vor allem auch Entdecker und Erforscher, wird für ein halbes Jahr nach Lilleø versetzt, dort geht alles einen gemütlichen und langsamen Gang. Mordfälle und dergleichen? Gibt es nicht. Nur Legenden.
Ansgar kommt das Gleich, denn erstens mag er Legenden und außerdem hat er so Zeit, seinen Hirngespinsten nachzurennen und seinen Forscherdrang nachzugeben.
Malte, der hiesige Kommissar, setzt den Jüngling nebenbei noch darauf an, das Archiv zu sortieren. Ansgar stößt dabei, durch alte Akten und einigen Fragen, auf einen alten Fall, der scheinbar seine Fäden bis ins Jetzt gezogen hat.

Man schreibt das Jahr 1985. Damals hat man noch mehr Zeit zum Nachdenken, die Kriminalitätsrate ist gering. Ansgar beginnt, wie gesagt,  seinen Hirngespinsten nachzurennen und ich hatte öfters zwischendrin das Gefühl, dass er sich auch darin verrennt. Und nicht nur er verrennt sich darin, auch die Autoren verrennen sich in ihren Ideen.

Was gemächlich und ruhig anfängt und gerade anfangs auch seinen Charme dadurch hat, verliert sich zum Schluss hin in ein verwirrungsstiftendes Durcheinander. Dabei ist die kriminalistische Geschichte eher zweitrangig, was ich aber noch nicht mal als Nachteil empfinden würde. Auch finde ich, dass die beiden mit einer schöne Szeneriebeschreibung aufwarten können und allgemein gefällt mir auch die Sprache sehr gut. Ich mochte es, dass sie sich Zeit lassen beim Erzählen und ich mochte auch diese Detailverliebtheit - bis es irgendwann zuviel wurde.

Obwohl das Buch eine gute und irgendwie auch eine durchdachte Grundlage hatte, hatte es für mich letztendlich ein Problem: es ist zu gemächlich. Und dadurch wirkt es unglaublich zäh. Weniger ist eben nicht immer mehr. Man kommt einfach nicht vom Fleck.
Ich finde, hätte man manches ein bisschen gekürzt und ein bisschen mehr Spannungsbogen betrieben, hätte das dem Buch nicht geschadet (und man hätte vielleicht auch über die verwirrenden letzten 200 Seiten hinwegschauen können). 
Möglicherweise bin ich nicht intellektuell genug, um die Gedanken, die hinter diesem Buch stecken, zu verstehen (gerade, weil es als Bildungsroman beschrieben wird und angeblich im tieferen Sinn über die Ordnung der Dinge handelt - was für mich irgendwie nicht so klar darliegend war), für mich hatte das Buch einfach seine ausufernden Längen...
Öfters hatte ich das Gefühl, ich stehe hinter Ansgar und schaue ihm zu, wie er bewundernd auf dem Boden kniet, die Augen dicht am Boden, den Hintern in der Luft und sich stundenlang in der Bewunderung der Pflanzen oder irgendwelcher Unebenheiten verliert. Nein, so wurde er nicht beschrieben, aber tatsächlich erschien jede Handlung, die Ansgar zu machen schien, irgendwie lang zu dauern.

Wo andere Autoren zu viel auf einmal Wollen in möglichst kurzer Zeit, kommt unser Autoren-Duo hier einfach nicht zum Punkt.  Das Buch stellt nach der Hälfte des Buches eine große Geduldsprobe an den Leser dar, was schade ist, weil eigentlich eine richtig unterhaltsame & spannende Geschichte darin stecken würde. Nur kommt die Spannung halt durch den Erzählstil einfach nicht auf.

Tut mir leid, dass war leider nichts!