Minna Lindgren - Whiskey für drei alte Damen oder Wer geht hier am Stock?
Roman // Kiepenheuer & Witsch // 2016
352 Seiten // 14,99€ // Klappbroschur
Ein Buch über beste Freundinnen, die trotz ihres hohen Alters weder ihren Humor noch ihren Sinn für das, was im Leben zählt, verlieren und einfach nur wollen, dass man sie so leben lässt, wie sie das gerne möchten.
Die aufgeweckten, sehr agilen Witwen Siiri, Irma und Anna-Liisa sind Nachbarinnen in der Seniorenresidenz »Abendhain«. Als das Haus renoviert wird und man die Bewohner mit Krach, abgestelltem Wasser und einer kalten Küche malträtiert, beschließen sie, übergangsweise eine WG zu gründen. Mit dem »Botschafter«, Anna-Liisas Ehemann, und einer weiteren Bewohnerin ziehen sie zusammen. Aber das WG-Leben hat so seine Tücken, und manche Marotten können zu großen Problemen führen. Vor allem, wenn erst nach und nach klar wird, wofür die Wohnung vorher genutzt wurde und wer dort alles verkehrte …
... So war's ...
Ach - ich weiß auch nicht. Lag's an mir? Lag's am Buch? Lag's an einer völlig falsche Erwartung?
Egal, was es war: Das Buch jedenfalls war leider ein absoluter Schuss in den Ofen. Erwartet hatte ich ein humorvolles Buch; ältere Damen, die möglicherweise einem Verbrechen auf die Spur kommen, Spaß haben & nebenbei vielleicht auch die Tücken des Alltags, die entstehen, wenn man im hohen Alter nochmals an (neue) Mitbewohner gewöhnen muss bzw. da auch ungeahnte & humorvolle Begegnungen stattfinden, eben durch diese Wohnung, die mal nicht nur eine Wohnung war...
Bekommen habe ich das:
Das Buch hatte für mich irgendwie keinen roten Faden, und, das fand ich noch viel schlimmer, auch irgendwie kein Ziel. Die alten Frauen überlegen die ganze Zeit hin und her, ob sie sich nun beschweren wollen über die Zustände im Altenheim (bzw. über das, was lief seit dem Umbau) oder nicht, und als sie es endlich geschafft haben, sich zu beschweren, beginnen sie ernsthaft zu überlegen, ob der Kampf überhaupt sinnvoll ist.
Das Buch kommt nicht richtig vom Fleck und ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass die Autorin selbst nicht so richtig weiß, was sie eigentlich will.
Unsympathisch waren mir auch die alten, hochbetagten Damen - vielmehr haben sie mich sogar genervt, lediglich mit Siiri konnte ich mich anfreunden. Der Rest war mir zu sehr ich-bezogen, zu prahlerisch und oft auch zu laut. Außerdem taktlos und rücksichtslos (wobei mir das von meiner Arbeit her nicht fremd ist).
Und was diese komische Geschichte mit dem Mahagonischmuckkästchen sollte, versteh ich nicht & vor allem diese blöde Aussage am Schluss, dass sich mit dem Tod eines der WG-Bewohner alles auflöst - das hätte man auch getrost weglassen können. Da war (womöglich) ein Verbrechen, dass sich allerdings so dir nix, mir nix in Luft aufgelöst hat.
Was mich allerdings am allermeisten gestört hat, war dieses rassistische Bild, was immer wieder durchbrach. Irgendwann im Buch entsteht zwischen Siiri und Muhis, einem Nigerianer, einen Freundschaft, die sich hauptsächlich ums Kochen dreht, doch der Rest ist, auch wenn sie schließlich Muhis und seinen Freund akzeptieren (und vermutlich auch nur, weil sie bei ihnen putzen und aufräumen), dennoch sehr misstrauisch und auch abfällig, was Ausländer angeht.
Überhaupt kam es mir oft so vor, als würde die Autorin das Buch dazu benutzen, sich über 1) Ausländer, 2) Bestatter, 3) Altenheime, 4) Krankenhäuser, 5) KrankenpflegerInnen & 6) AltenpflegerInnen zu beschweren. Möglicherweise gibt es in Finnland in der Hinsicht ein paar Missstände, darüber hab ich mich nicht genau informiert, aber für mich hat sowas nicht in einem Buch verloren. Vor allem, weil es einerseits nicht sachlich, aber auch nicht humorvoll daherkam - sondern einfach nur frustriert.
Und zu guter Letzt - es war einfach nicht witzig. Was als augenscheinlich lustige Komödie über eine Alten-WG und die damit verbundenen Tücken daher kommt, ist schließlich einfach nur eine langweilige, wirre Schimpftirade, die nicht zum Punkt kommt (was ja auch schwer fällt, wenn man keinen Punkt hat, zu dem man kommen könnte).
