Yrsa Sigurðardóttir - SOG
Thriller // btb // 18.9.2017
444 Seiten // 20,00€ // Hardcover
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von btb zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!
Zwölf Jahre nach dem Tod und der Vergewaltigung eines Mädchens wird eine Zeitkapsel in Reykjavik gehoben. Darin enthalten: 10 Jahre alte Briefe von Schülern, die beschreiben, wie sie sich Island im Jahre 2016 vorstellen. Darunter findet sich noch etwas anderes: eine unheimliche Botschaft, die akribisch genau die Initialen von zukünftigen Mordopfern auflistet. Kurz danach werden zwei abgetrennte Hände in einem Hot Tub in der Stadt treibend gefunden. Doch noch hat keiner eine Vermisstenanzeige bei der Polizei gestellt. Ein Fall für Kommissar Huldar, der sich beweisen muss: von seinen Leitungsaufgaben entbunden, wird er von den meisten seiner früheren Untergegebenen gemieden, die Beziehung zur Kinderpsychologin Freyja ist ebenfalls ruiniert, was er zu reparieren hofft, indem er sie in die jetzigen Ermittlungen mit einbezieht ...
... So war's ...
Spannend war's - von der ersten Seite an.
Das ist meiner Meinung nach der große Pluspunkt dieses Buches. Es ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite, vieles wirft Fragen auf, wirft Vermutungen auf, die aber nach und nach gelöst werden - die Autorin schafft es den Spannungsbogen durchgängig zu halten.
Aber - und das ist leider ein großes Aber:
Mir stießen einige Dinge ziemlich auf.
Da wären vor allem die Charaktere, die mir zum Ende des Buches wahnsinnig unsympathisch werden - ja auch Freyja, die dieses Mal eher eine Randfigur zu spielen scheint.
Huldar dreht zum Ende hin komplett ab - und diese Geschichte ist ein Part der Story, der nicht hätte sein müssen. Klar, kann ich die Wut und die Hilflosigkeit nachvollziehen - dass ihm dafür noch auf die Schultern geklopft wird, finde ich völlig falsch.
Und Erla - ja, mit der wurde ich von Anfang an nicht so warm, aber in diesem Buch wirds noch schlimmer. Einerseits stößt sie Huldar weg und andererseits muss sie bei Freyja aber ständig ihr Revier abstecken, was Huldar angeht.
Ich mag dieses widersprüchliche Verhalten der Charaktere nicht.
Freyja wird aus dieser Geschichte irgendwie rausgehalten, obwohl Huldar sie zu genügend Verdächtigen mitschleppt. Damit Freyja aber nicht komplett außen vor ist, bekommt sie noch eine kleine Familiengeschichte verpasst - so scheint mir. Das war zwar irgendwie nett, aber fand ich manchmal etwas hinderlich.
Und dieses Hin und Her zwischen Freyja und Huldar... nervt einfach nur.
Aber nicht nur die unsymapthischen Charaktere stießen mir auf, es waren auch ein paar kleine Ungereimtheiten - zumindest waren sie das für mich. Da war die Sache mit den Initialen - vielleicht bausche ich das zu sehr auf, aber ich erwartete hier irgendwie noch den großen Knall - ohne zu sehr zu spoilern... der Knall kam nicht.
Dann dieses derart negative Bild von Polizei- und Justizsystem fand ich abschreckend und unrealistisch zugleich. Island steht immerhin auf Platz 14 von 176 Länder, die auf Korruption getestet wurde. Deutschland hat Platz 10. Es ist zwar nicht supergut, aber bei 176 Plätzen ist Platz 14 ganz ordentlich. Hier ein Link zu dieser Aussage.
Doch dieser Polizeiverein erschien mir wie ein Kindergarten. Da war kein Pfennig Professionalität.
Und zu guter letzt bemängle ich auch in diesem Buch, was ich bereits bei 'DNA' bemängelt habe. Mir fehlt das Mystische, was in den anderen Büchern von Sigurðardóttir auftaucht und sie von anderen Thrillern abhebt.
Ich lese Yrsa Sigurðardóttir wirklich gerne, aber mit ihrer neuen Reihe macht sie es mir nicht leicht.
Ich lese Yrsa Sigurðardóttir wirklich gerne, aber mit ihrer neuen Reihe macht sie es mir nicht leicht.

