Posts mit dem Label Sara Paborn werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sara Paborn werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 12. Juli 2018

Rezension: 'Beim Morden bitte langsam vorgehen' von Sara Paborn

Sara Paborn - Beim Morden bitte langsam vorgehen
Roman // DVA // 2018
265 Seiten // 18,oo€ // Hardcover
* Werbung // Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von DVA zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür.



"Die Ehe ist ein Krieg. Ist es da nicht logisch, dass sie auch so endet wie alle Kriege? Einer stirbt!"

Die Leute leben einfach zu lange. Und die wenigsten haben das verdient. Horst jedenfalls nicht. Nach 39 Ehejahren voller Sticheleien hat Irene endgültig genug von ihrem Mann. Als sie eines Tages in einer alten Schachtel Vorhang-Bleibänder findet, kommt ihr die beste Idee ihres Lebens ...










... So war's ...


Als 'Schwarzhumorig & intelligent ' wurde das Buch auf dem Klappentext beschrieben und das kann ich so absolut unterschreiben.
Geschrieben wird das Buch aus Sicht der Irene, die seit Jahren ihren Mann Horst und vor allem seine Sticheleien ertragen muss, nicht nur, dass er ihr nicht genug Platz zur Entfaltung lässt, nein, er merkt einfach nicht, dass er nur an sich denkt. Irene hingegen denkt gar nicht an sich, sondern an die Kinder und den Haushalt.

Irene findet schließlich im Keller, wohin sie von Horst mitsamt ihren geliebten Büchern verbannt wird, weil Horst im Dachgeschoss, wo die Bücher zuvor untergebracht waren, sich einen super modernen Musikraum einrichtet, eine Schachtel mit Bleibändern - ihr kommt dabei eine Idee. Und endlich mal ist Irene eine Frau, die keine halben Sachen macht.

Es wird die Geschichte einer Ehe erzählt, die sich in diesem Falle im Laufe der Jahre als eine Art Trugbild herausstellt. Der schöne Schein verfliegt recht bald und die rosarote Brille, die schon so manche in eine voreilig geschlossene Ehe getrieben hat, ist schon recht bald nicht mehr rosarot, sondern zeigt unnachgiebig jeden Fehlere und Unebenheit des anderen.
Und schließlich wird auch die Geschichte einer Frau erzählt, die sich für all die verschenkten Jahre rächt. Die Geschichte ist auf ihre Art bitterbös und ich gestehe es - ich fühlte mich manches Mal an die Ehe meiner Eltern erinnert. Mein Vater, im Alter so ichbezogen geworden, und meine Mutter, die das (noch?) so hinnimmt.
Irene ist ein Typ Charakter, den ich einerseits sympathisch finde und aber doch nicht recht greifen kann. Und auch Horst ist so ein Typ Mann, den ich nicht haben wollen würde und von dem ich mich gewiss nicht so behandeln lassen würde, den ich jetzt aber auch nicht absolut unleid bin.
Und ich glaube, das macht auch ein bisschen den Charme des Buches aus - niemand ist perfekt und niemand ist grundsätzlich schlecht in diesem Buch.
Denn wenn auch die beiden Charaktere zunächst unterschiedlich sind, unterscheiden sie sich in ihrem Bestreben eigentlich nicht.
 
Sara Paborn hat hier die richtige Sprache und die richtige Länge getroffen - ihr Stil lässt sich flüssig lesen und passt sehr gut zum Geschehen. Sie dosiert den schwarzen Humor im richtigen Maße. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und habe dieses Buch auch gleich mal meiner Mama ausgeliehen. Ich weiß ja jetzt, worauf ich die nächsten Wochen beim Papa achten muss, damit ich noch rechtzeitig vor dessen Ableben eingreifen kann (ja, das war ein Witz!).
Mit 'Beim Morden bitte langsam vorgehen' ist Sara Paborn ein Highlight gelungen.